Wirecard-Gebäude in München | LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/Shutt

Wirecard-Vorstand gesteht ein Verschwundene Milliarden gibt es wohl nicht

Stand: 22.06.2020 06:58 Uhr

Wirecard geht davon aus, dass die verschwundenen 1,9 Milliarden Euro aus seiner Jahresbilanz wohl nicht existieren. Das Geld sollte eigentlich auf Konten auf den Philippinen liegen.

Im Börsen-Skandal um das Unternehmen Wirecard hat sich nun der Vorstand zu Wort gemeldet. Die in der Bilanz des Zahlungsabwicklers fehlenden 1,9 Milliarden Euro würden mit "überwiegender Wahrscheinlichkeit" nicht existieren, teilte das Unternehmen in einer Stellungnahme mit.

Die Gesellschaft ging nach eigener Darstellung bislang davon aus, dass die zugunsten von Wirecard ausgewiesenen Bankguthaben auf Treuhandkonten bestünden. In der Rechnungslegung habe sie die Summe deshalb bisher als Aktivposten ausgewiesen. Das entspricht nach Angaben des Unternehmens in etwa einem Viertel der Konzernbilanzsumme.

Weitere Untersuchungen

Wirecard teilte nun mit, dass es seine Einschätzungen des vorläufigen Ergebnisses des Geschäftsjahres 2019 sowie des ersten Quartals 2020 zurücknehme. Auch die Vision 2025 zu Transaktionsvolumen, Umsatz und Cashflow vor Steuern kassierte der Zahlungsdienstleister ein.

"Mögliche Auswirkungen auf die Jahresabschlüsse vorangegangener Geschäftsjahre können nicht ausgeschlossen werden", heißt es in der Mitteilung weiter. Da das Geld eigentlich aus einem Drittpartnergeschäft stammen sollte, will das Unternehmen untersuchen, ob, in welcher Art und Weise und in welchem Umfang das Geschäft tatsächlich zugunsten der Gesellschaft geführt wurde.

"Falsche Bestätigungen"

Wegen des Skandals war am Freitag der Gründer und Chef von Wirecard, Markus Braun, mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Die Firma hatte zuvor ihren Jahresabschluss zum vierten Mal verschoben und mit dem möglichen Betrugsfall die Börse schockiert. 

Wirecard war nach eigenen Angaben von den Abschlussprüfern der Beratungsfirma EY darauf hingewiesen worden, dass für die Existenz der Bankguthaben über 1,9 Milliarden bei zwei asiatischen Banken keine ausreichenden Nachweise vorlägen. Die beiden kontenführenden Banken hätten mitgeteilt, dass "die betreffenden Kontonummern nicht zugeordnet werden konnten", hieß es. Es gebe Hinweise, dass ein Treuhänder "zu Täuschungszwecken" falsche Bestätigungen vorgelegt habe.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Juni 2020 um 04:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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schokoschnauzer 22.06.2020 • 12:13 Uhr

„Die Dummen (Kriminellen) überfallen eine Bank und

die Schlaueren (Kriminellen) gründen eine Bank“. Auch wenn es diesen alten und vielzitierten Satz schon lange gibt und oft belächelt wird, scheint er auch im Jahre 2020 aktuell wie nie! Dabei spielt es für mich schon lange keine Rolle mehr, ob die Bilanz nach oben oder unten gefälscht wird. Betrug ist Betrug. Und Ausbeutung bleibt Ausbeutung um die rundum Kritik zu vervollständigen. Dieselbetrug, Schlachthaus Misere, Bilanzfälschung, CumEx......und so weiter...... Einfach nur schrecklich! M.M.n.