Das WhatsApp-Logo vor einer Serie binärer Code-Zahlen. | REUTERS

Medienbericht zu Mitlesern Sind WhatsApp-Chats wirklich geheim?

Stand: 08.09.2021 03:24 Uhr

Bislang hat WhatsApp, das zu Facebook gehört, immer behauptet, alle Nachrichten seien geheim. Niemand könne sie lesen. Das US-Magazin "ProPublica" hat jetzt festgestellt, dass das nicht die volle Wahrheit ist.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Die gute Nachricht lautet: Der Nachrichtenaustausch in WhatsApp ist verschlüsselt. Nach dem derzeitigen Wissensstand können Unterhaltungen weder von WhatsApp, seiner Muttergesellschaft Facebook noch von Polizei und Nachrichtendiensten mitgelesen werden. 

Peter Elkind, Reporter der angesehenen US-Website ProPublica sagt aber: Die Versicherungen, die Facebook und WhatsApp inklusive ihres Chefs Mark Zuckerberg in der Vergangenheit abgegeben hätten, nämlich, dass niemand Chats in WhatsApp mitlesen könne, weil sie verschlüsselt seien, diese Versicherung, so Elkind, sei nicht korrekt.

Mehr als 1000 externe Moderatoren

Als Beispiel führt ProPublica-Autor Elkind an, wer in WhatsApp eine Unterhaltung mit einem anderen User wegen anstößiger Inhalte melde, dessen Nachricht bekomme WhatsApp unverschlüsselt zum Lesen. 

WhatsApp legt zwar offen, dass man die letzten paar Nachrichten zur Begutachtung freigibt. Wieviele es genau sind, sagt es aber nicht. Unseren Recherchen zufolge sind es fünf. Was sie auch nicht sagen: ein Heer von vielleicht 1.000 externen Content-Moderatoren sehen sich die gemeldeten Chats an, nachdem ein KI-System sie vorab überprüft hat.

Diese mehr als 1000 Inhalte-Moderatoren von WhatsApp seien auf Austin im US-Bundesstaat Texas, das irische Dublin und Singapur verteilt. Diese Personen seien keine WhatsApp-Mitarbeitenden, sondern bei Drittfirmen angestellt, wie zum Beispiel der Unternehmensberatung Accenture.

14 Euro pro Stunde zur Begutachtung hochsensibler Daten

Das Silicon-Valley-Unternehmen vertraue, so die Kritik, hier zum Teil hochsensible Daten den Angestellten externer Firmen an. Der Einstiegsstundenlohn zur Begutachtung von Inhalten liegt laut ProPublica bei umgerechnet knapp 14 Euro die Stunde. Der zweite Vorwurf, den ProPublica erhebt, lautet: WhatsApp sammle ungewöhnlich viele Meta-Daten seiner Nutzerinnen und Nutzer.

Mark Zuckerberg führt WhatsApp immer als Beispiel an, dass immer weniger Meta-Daten nötig sein. In Wahrheit sammelt WhatsApp mehr dieser Daten als jeder andere vergleichbare Dienst.

Und dazu gehören laut ProPublica die Identität von Absender und Empfänger, Telefonnummer, Profilfoto, Statusnachricht, Akkustand des Telefons, Sprache und Zeitzone sowie zugehörige Facebook-Konten.

Missbrauch auf Plattformen im öffentliche Licht

Facebook teilte in einer Stellungnahme gegenüber der ARD mit, die Meldefunktion verhindere den schlimmsten Missbrauch. Nutzerdaten und wie Unternehmen damit umgehen, das wird auch in den USA immer mehr zum großen Thema.

Erst letzte Woche hat Apple eine geplante Scanfunktion von Bildern seiner User auf Eis gelegt. Das Unternehmen wollte Inhalte von sexuelle Gewalt an Kindern ausfindig machen. Grund am Stopp der neuen Funktion war massive Kritik von Experten und Bürgerrechtsgruppen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 08. September 2021 um 06:15 Uhr.