Mitglieder der Gewerkschaft ver.di laufen am Gate A des Flughafens Düsseldorf vorbei, den sie heute bestreiken. | Bildquelle: REUTERS

Warnstreiks an Flughäfen Zahlreiche Flugausfälle erwartet

Stand: 10.01.2019 06:36 Uhr

Die Warnstreiks an den Flughäfen Düsseldorf, Köln-Bonn und Stuttgart haben begonnen. Hunderte Flüge sind gestrichen, Urlaubsflieger weichen auf andere Airports aus. Schon seit Mitternacht kommt es zu Verzögerungen.

Wegen des Tarifkonflikts an deutschen Flughäfen müssen sich Reisende heute erneut auf massive Probleme einstellen. An den Airports Köln-Bonn, Düsseldorf und Stuttgart begann in der Nacht ein Warnstreik des Sicherheitspersonals, wie Gewerkschaftssprecher mitteilten.

Rund 110.000 Passagiere könnten insgesamt betroffen sein - etwa so viele Reisende sitzen normalerweise in den Maschinen, die donnerstags an den drei Airports starten und landen.

Hunderte Flüge gestrichen

In Köln-Bonn sei die Streikbereitschaft enorm hoch, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft ver.di. Bereits kurz nach Streikbeginn um Mitternacht habe es Chaos an den Kontrolltoren gegeben, durch die die Lastwagen die Fracht auf das Flughafengelände bringen. Es habe Rückstaus bis zur Autobahn gegeben.

Im Gegensatz zu anderen Standorten gibt es in Köln-Bonn kein Nachtflugverbot. Nachts ist der rheinische Airport besonders als Drehkreuz für die Frachtflieger von DHL, UPS und Fedex wichtig. Auch sie betrifft der Warnstreik - ihre Piloten und Ladungen müssen ebenfalls durch die Sicherheitschecks. 131 von 199 Starts und Landungen in Köln wurden abgesagt, wie der Flughafen auf seiner Webseite informiert.

Am Düsseldorfer Flughafen zogen in den frühen Morgenstunden Hunderte Streikende mit Trillerpfeifen und Plakaten durch die Abflughalle. Dort sind heute 350 der geplanten rund 570 Starts und Landungen gestrichen.

Mitarbeiter am Flughafen Düsseldorf marschieren mit einem Banner und Gewerkschaftsflaggen durch die Abflughalle. | Bildquelle: REUTERS
galerie

Mitarbeiter am Flughafen Düsseldorf marschieren mit einem Banner und Gewerkschaftsflaggen durch die Abflughalle.

Zeit und wenig Handgepäck mitbringen

In Stuttgart wurden zunächst 142 der 270 Flüge annulliert. Die Zahlen könnten im Lauf des Tages noch steigen.

Der Flughafen forderte Reisende auf, ihr Handgepäck auf ein Minimum zu reduzieren, um lange Wartezeiten an den Kontrollen zu vermeiden.

Der Urlaubsflieger TUI fly kündigte an, seine für heute geplanten Abflüge zu verlegen: Flugzeuge aus Stuttgart starten am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden, die Flieger ab Düsseldorf und Köln weichen auf den Flughafen Paderborn-Lippstadt aus.

Ver.di fordert 20 Euro pro Stunde

Ver.di fordert für die 23.000 Kontrolleure von Passagieren, Fracht, Waren und Flughafen-Beschäftigten eine bundesweit einheitliche Bezahlung von 20 Euro pro Stunde. Das wäre ein Plus im teilweise hohen zweistelligen Prozentbereich - derzeit ist die Bezahlung je nach Region und Tätigkeit unterschiedlich. Die Arbeitgeber bieten nach eigener Darstellung ein Plus von bis zu 6,4 Prozent.

Bereits zu Wochenbeginn hatte ver.di Warnstreiks an den Berliner Flughäfen ausgerufen, die aber nur wenige Stunden dauerten - etwa acht Prozent der Flüge an diesem Tag fielen aus. Heute könnten es erheblich mehr Ausfälle werden.

Linke fordert Verstaatlichung der Kontrollen

Der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, hatte das Vorgehen von ver.di zuvor "überzogen, rücksichtslos und unverantwortlich", genannt. Dadurch entstünde großer Schaden nicht nur für die Flughäfen, die zudem in dem Streit kein Verhandlungspartner seien, sondern auch für "das Image Deutschlands".

Die Linken-Fraktion im Bundestag forderte angesichts des Tarifkonflikts eine Verstaatlichung der Sicherheitsdienste an Flughäfen. "Die öffentliche Sicherheit darf nicht dem Gewinnstreben privater Sicherheitsdienstleister untergeordnet werden, erst recht nicht in einem sensiblen Bereicht wie der Terrorabwehr an Flughäfen", sagte der parlamentarische Geschäftsführer Jan Korte der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Januar 2019 um 05:30 Uhr und 06:00 Uhr.

Darstellung: