Streikende am Flughafen Hannover | Bildquelle: dpa

Warnstreiks an Flughäfen Luftverkehr weitgehend lahmgelegt

Stand: 15.01.2019 17:56 Uhr

Wegen erneuter Warnstreiks von Sicherheitskräften an acht deutschen Flughäfen sind zahlreiche Flüge ausgefallen. Nach Schätzungen des Flughafenverbandes ADV blieben über 200.000 Passagiere am Boden. Ver.di drohte bereits mit neuen Streiks.

Erneut haben die privaten Luftsicherheitskräfte ihre Streikmacht demonstriert: An acht deutschen Flughäfen trat das Sicherheitspersonal ganztägig in den Warnstreik, was auch Auswirkungen auf weitere Airports hatte. Hunderte Flüge wurden gestrichen, mehr als 200.000 Passagiere waren von Annullierungen und Verspätungen betroffen.

Die Streikbeteiligung sei an allen acht Flughäfen "sehr hoch" gewesen, teilte ver.di mit. Der Flugverkehr war "massiv eingeschränkt". Viele Fluggäste hätten sich jedoch auf die Streiks eingestellt - sie reisten gar nicht erst an. Der Arbeitgeberverband Luftverkehr kritisierte, Art und Ausmaß der ganztägigen Warnstreiks seien "zu diesem Zeitpunkt unangebracht und unverhältnismäßig".  

Keine neuen Flüge ab Frankfurt

Am größten Flughafen Deutschlands in Frankfurt am Main wurden nach Angaben des Betreibers Fraport 617 Verbindungen und damit rund jeder zweite Flug gestrichen. Kontrollen gab es nur innerhalb des Transitbereichs für Umsteiger, einen neuen Flug konnte in Frankfurt niemand antreten.

In München, Hamburg, Hannover, Bremen, Leipzig, Erfurt und Dresden war das Sicherheitspersonal ebenfalls zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Auch nach Ende der Warnstreiks am Abend beziehungsweise in der Nacht rechnen die Flughafenbetreiber noch mit Verzögerungen. Sie sollten teils bis Mittwoch dauern. 

Gewerkschaften wollen einheitliche Bezahlung

Schon in der vergangenen Woche hatte das Sicherheitspersonal auf den Berliner Flughäfen sowie in Köln-Bonn, Düsseldorf und Stuttgart teils ganztägig die Arbeit niedergelegt. Hunderte Flüge wurden gestrichen.

Die Gewerkschaften ver.di und DBB fordern eine einheitliche Bezahlung für die bundesweit etwa 23.000 Beschäftigten im Bereich der Passagier-, Fracht-, Personal- und Warenkontrolle. Ver.di verlangt brutto 20 Euro pro Stunde, der DBB einen Stundenlohn von 19,50 Euro. Bislang sind die Löhne regional sehr unterschiedlich geregelt.

Bei einem Stundenlohn von 20 Euro in Ost und West erhöhe sich jedes Flugticket in Deutschland um schätzungsweise 50 Cent, wenn die Mehrkosten auf die Passagiere umgeschlagen würden, sagte Christel Tempel von ver.di dem MDR. Sie begründete die Forderung damit, dass die Arbeit des Sicherheitspersonals sehr anspruchsvoll sei.

Ver.di droht mit neuen Streiks

Ver.di-Verhandlungsführer Roscher verlangte ein schnelles Signal der Arbeitgeber deutlich vor der fünften Verhandlungsrunde am 23. Januar in Berlin. Anderenfalls seien weitere Warnstreiks noch vor diesem Termin nicht ausgeschlossen. Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) lehnte dies ab. "Ver.di selbst hat diesen späten Verhandlungstermin gewünscht. Wir werden jetzt nicht über die Medien ein neues Angebot unterbreiten", sagte Verbandssprecherin Silke Wollmann.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Januar 2019 um 18:00 Uhr.

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