Zwei Polizisten in Berlin | Bildquelle: dpa

GroKo-Pläne für Polizei, Pflege, Justiz Mehr Personal - aber woher?

Stand: 18.02.2018 02:56 Uhr

15.000 neue Polizisten, 8000 zusätzliche Pfleger, 2000 weitere Richter. Die Pläne der GroKo sind ambitioniert. Verbandsexperten melden nun jedoch Zweifel an, dass es dafür genügend Personal gibt.

Kommt die GroKo, soll es bei Polizei, Justiz und Pflege deutlich mehr Personal geben. Für alle drei Bereiche fordern Union und SPD Tausende zusätzliche Stellen. Verbandsexperten halten den Parteien nun vor, dass die angestrebten Zahlen nur schwer zu erreichen seien.

Auf Anfrage der "Welt am Sonntag" verwiesen Polizeigewerkschaften, Richterbund und der Berufsverband für Pflegeberufe darauf, dass qualifizierter Nachwuchs fehle.

Polizei: Tausende gehen in den Ruhestand

Was sieht der Koalitionsvertrag vor? Insgesamt sollen bei der Polizei 15.000 neue Stellen geschaffen werden. Inhaltlich lobt die Polizeigewerkschaft diesen Vorstoß.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, verwies jedoch darauf, dass Tausende Polizisten in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen. "Es ist schon schwierig, für sie qualifizierten Nachwuchs zu finden." Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, sagte: "Es ist absehbar, dass wir in einigen Jahren Probleme haben werden, frei werdende Stellen überhaupt zu besetzen."

Pflege: "80.000 statt 8000"

Noch schwieriger dürfte die Umsetzung der Pläne im Bereich Pflege werden. Hier sieht der Koalitionsvertrag 8000 neue Fachkräftestellen vor.

Christel Bienstein, Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK), sagte der "WamS": "Die Politik hat eine Null vergessen." Deutschland werde in den nächsten Jahren 80.000 weitere Pfleger brauchen, die Stand jetzt nicht zu finden seien. Auch sie beklagte Probleme bei der Besetzung offener Stellen.

DBfK Pflege @DBfK_Pflege
Zu viel Interpretationsspielraum im #Koalitionsvertrag bei der #Pflege! Bessere Arbeitsbedingungen und bessere Bezahlung klingt ja zunächst mal gut. Die konkrete Umsetzung bzw. Durchsetzung lässt die geplante #GroKo2018 aber größtenteils offen. https://t.co/3XHvp82h0w https://t.co/gMqTlyzbK4

Juristen: Privatwirtschaft attraktiver

Richterhammer, Justitia und Gerichtsakten | Bildquelle: dpa
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Junge Juristen im Staatsdienst? Für viele ist die Privatwirtschaft attraktiver.

Laut Koalitionsvertrag soll es in den kommenden Jahren "2000 neue Richterstellen bei den Gerichten der Länder und des Bundes sowie entsprechendes Folgepersonal" geben. Der Bundesgeschäftsführer des Richterbunds (DRB), Sven Rebehn, hält diese Zahl für ambitioniert. Die Privatwirtschaft locke junge Spitzenjuristen mit deutlich höheren Gehältern als der öffentliche Dienst.

Der DRB-Vorsitzende Jens Gnisa verweist jedoch auch darauf, dass "viele Gerichte und Staatsanwaltschaften seit Jahren überlastet und nicht hinreichend ausgestattet" sind. Zudem habe die Justiz in den kommenden Jahren eine große Pensionierungswelle zu verkraften.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Februar 2018 um 05:25 Uhr.

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