Ein Check-In-Schalter des britischen Reisekonzerns Thomas Cook . | dpa

Antragsportal freigeschaltet Geld zurück für Thomas-Cook-Kunden

Stand: 06.05.2020 11:01 Uhr

Die Bundesregierung hatte nach der Thomas Cook-Pleite versprochen, einzuspringen, weil die Insolvenzversicherung nicht ausreichte, um die Kunden zu entschädigen. Betroffene können nun online eine Erstattung beantragen.

Von Kristin Becker, ARD-Hauptstadtstudio

Es ist eine unscheinbare Website, die nun viele ehemalige Thomas-Cook-Kunden glücklich machen soll. Ab heute können Betroffene online bei der Bundesregierung das Geld beantragen, dass sie bislang nicht erstattet bekommen haben - für Pauschalreisen, die sie nicht antreten konnten oder abbrechen mussten.

Kristin Becker ARD-Hauptstadtstudio

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht - auch zuständig für den Verbraucherschutz – will damit einlösen, was sie im Dezember versprochen hatte: dass kein Pauschalreisekunde in Deutschland nach der Pleite von Thomas Cook auf seinen Kosten sitzen bleibt. Die gute Nachricht also: das Geld soll kommen, die schlechte: die Auszahlung könnte noch Monate dauern. Man müsse, so die Ministerin, überprüfen, ob im Einzelfall die Voraussetzungen für die "freiwillige Ausgleichszahlung" vorlägen, um Missbrauch zu verhindern. "Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und unsere Dienstleister arbeiten aber mit Hochdruck daran, dass ein großer Teil der Kundinnen und Kunden bei berechtigten Anmeldungen noch in diesem Jahr ihr Geld zurückerhalten."

So funktioniert es

Je nachdem, bei welchen Tochterunternehmen von Thomas Cook sie gebucht haben, können die Kunden bei einem Anmeldeportal ihre Daten und Belege hochladen, um die Ausgleichszahlung beim Bund zu beantragen.

Voraussetzung dafür ist, dass die Betroffenen ihre Ansprüche bereits bei der Zurich-Versicherung geltend gemacht und beim Insolvenzverwalter angemeldet haben. Übernommen werden nur die noch nicht erstatteten Kosten der Pauschalreise und etwaige Verpflegungs-, Unterkunfts- oder Transportausgaben, die Urlauber insolvenzbedingt vor Ort erneut zahlen mussten. Wer aber zum Beispiel zusätzlich zum Reisevertrag ein Auto für Ausflüge gemietet hatte und das nicht nutzen konnte, kann diesen Betrag nicht geltend machen. Weitere Informationen gibt es auf der Website des Bundesjustizministeriums.

Hier bekommen Kunden ihr Geld zurück

  • Hier geht es zum Portal für Pauschalreisende, die von der Insolvenz der Thomas Cook Touristik GmbH oder der Bucher Reisen & Öger Tours GmbH betroffen sind.

  • Hier geht es zum Portal für Pauschalreisende, die von der Insolvenz der Thomas Cook International AG mit Sitz in der Schweiz betroffen sind.

Mangelhafte Insolvenzabsicherung

Hintergrund für das Einspringen der Bundesregierung ist, dass Pauschalreisen eigentlich gesetzlich verpflichtend mit einem sogenannten Sicherungsschein gegen eine Insolvenz des Reiseanbieters abgesichert sind. So sieht es eine EU-Richtlinie vor. Allerdings hat Deutschland diese Absicherung bislang auf 110 Millionen Euro pro Versicherungsunternehmen begrenzt.

Im Fall von Thomas Cook bedeutete das, dass die Summe nicht ausreichte. Die Kunden, die in Deutschland gebucht hatten, wurden nur anteilig entschädigt und bekamen nur 17,5% ihres Geldes von der zuständigen Zurich-Versicherung zurück. Diese hat nach eigenen Angaben bislang mehr als 80 Prozent der Fälle bearbeitet, bis zum Juni will man fertig sein. Derzeit gehe es, so ein Sprecher, nur noch um Anträge, die eine händische Prüfung erforderten, etwa wenn eine Kontonummer nicht stimme oder Daten nicht nachvollziehbar seien.

Bund stellt 225 Millionen Euro bereit

Für das den Kunden fehlende Geld hatte die Bundesregierung Ausgleich angekündigt. "Wir werden den Kundinnen und Kunden, die Schäden erlitten haben, aus Gründen des Vertrauensschutzes freiwillig die Differenz zwischen ihren Zahlungen und dem, was sie von anderer Seite zurückerhalten haben, ausgleichen“, bekräftigte Christine Lambrecht nun erneut. Insgesamt sind dafür laut ihrem Ministerium 225 Millionen Euro vorgesehen.

Dass der Bund die Erstattungen nun in Angriff nimmt, begrüßt Felix Methmann vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Er kritisiert jedoch, dass das Verfahren nur online möglich ist (siehe Anmerkung am Textende). Gerade für ältere Menschen könnte das eine Hürde darstellen. Vor allem aber müsste die Insolvenzabsicherung für Pauschalreisen nun auf rechtssichere Füße gesetzt werden. "In Zukunft darf es nicht mehr passieren, dass Kunden um ihr Geld bangen und die Steuerzahler einspringen müssen", so Methmann im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio

Neue Regelung

Die Bundesjustizministerin hatte dazu eine neue Regelung angekündigt, die bislang aber nicht vorliegt. "Die Zeit drängt", betont Reiserechtsexperte Methmann, durch Corona könnten neue Pleiten vor der Tür stehen. Aus seiner Sicht müsste ein zukünftiges Modell so gestaltet sein, dass auch die größten Reiseveranstalter am Markt wirksam abgesichert sind.

Diskutiert werden derzeit eine umfangreichere Versicherung, ein Sicherungsfonds - oder Kombinationen aus beidem. In jedem Fall müsse das nun schnell entschieden und bis zum Sommer verabschiedet werden, so Methmann, damit sich Versicherungen und Reiseunternehmen für das neue Reisejahr darauf einstellen könnten.

Anmerkung: Nachdem es aus dem Bundesjustizministerium zunächst hieß, dass die Beantragung nur online möglich sei, erklärte ein Sprecher nun, dass Betroffene in Ausnahmefällen auch postalisch Belege einreichen könnten. Dazu sollten sie sich an die Hotline wenden. Diese ist laut Angaben des Ministeriums an Werktagen in der Zeit von 8 bis 18 Uhr unter 0361/606 670 12 erreichbar. Allerdings sei mit Wartezeiten zu rechnen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Mai 2020 um 10:00 Uhr.