Eine Maschine der Fluggesellschaft Thomas Cook | dpa

Entschädigungen nach Pleite Bund hilft Thomas-Cook-Pauschalurlaubern

Stand: 11.12.2019 17:33 Uhr

Pauschalreisende, die bei Thomas Cook gebucht haben, können aufatmen: Die Bundesregierung wird Schäden, die nicht von Versicherungen ausgeglichen werden, ersetzen. Das könnte Hunderte Millionen Euro kosten.

Von Kristin Becker, ARD-Hauptstadtstudio

Die Bundesregierung hat Recherchen des ARD-Hauptstadtstudios bestätigt und will Pauschalurlaubern des insolventen Reiseunternehmens Thomas Cook finanziell unterstützen. Das teilte ein Sprecher nach einer Kabinettssitzung in Berlin mit.

Kristin Becker ARD-Hauptstadtstudio

Dabei geht es um jenen Betrag, für den der zuständige Versicherer, die Zurich Versicherung, aller Voraussicht nach nicht aufkommen wird. Denn die Versicherungssumme, mit der die Kunden abgesichert waren, reicht nach Angaben der Zurich nicht aus.

Die Pleite des Reiseveranstalters hat - nach bisherigen Berechnungen - einen Schaden in Höhe von 287 Millionen Euro verursacht. Die Kunden bekommen von der Versicherung nur 17,5 Prozent ihrer Ansprüche erstattet, wie die Zurich Gruppe bekannt gab.

Kundengelder nicht ausreichend abgesichert

Damit die Kunden nicht auf den restlichen Kosten sitzen bleiben, will die Bundesregierung einspringen. Demnach ist offenbar vorgesehen, den Betrag zu übernehmen, der deutschen Kunden nicht durch die Versicherung ersetzt wird.

Hintergrund ist, dass Pauschalreisen eigentlich gesetzlich verpflichtend über einen sogenannten Sicherungsschein abgesichert sind, damit Kunden im Fall einer Insolvenz des Reiseveranstalters ihr Geld zurückbekommen. Das geht auf Vorgaben der Europäischen Union zurück. 2015 hatte die EU diese verschärft und eine neue Richtlinie zu Pauschalreisen beschlossen. In Deutschland wurde diese 2018 zwar umgesetzt, allerdings wurde die Haftungsobergrenze hierzulande gesetzlich auf 110 Millionen Euro begrenzt. Dementsprechend hatte Thomas Cook in Deutschland Kundengelder nur bis zu diesem Betrag abgesichert.

Vorwürfe an die Bundesregierung

Kundenvertreter hatten bereits mit Klagen gegen die Bundesregierung gedroht. Ein im Auftrag der Zurich Versicherung erstelltes Rechtsgutachten kommt zu dem Schluss, dass eine Staatshaftung denkbar sei, weil die Bundesregierung die EU-Richtlinie unzureichend umgesetzt habe.

Sehr wahrscheinlich ist deshalb laut Branchenkennern nun auch, dass das deutsche Gesetz geändert wird und für die Absicherung von Pauschalreisen künftig andere finanzielle Regeln gelten könnten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Dezember 2019 um 07:00 Uhr und 07:30 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Zuschauer49 11.12.2019 • 14:16 Uhr

@karlheinzfaltermeier - Bundesanzeiger

" Am 11. Dezember 2019 um 12:12 von karlheinzfaltermeier @Zuschauer 49 um 10:54Uhr Und was soll das bringen, wenn ich den Bundesanzeiger nachgucke? Soll der Bundesanzeiger ein Beweis dafür sein, daß die Bilanz nicht "geschönt" wurde? Wie erklären Sie dann die Überschuldungen, die zwangsläufig zu Insolvenzen d.h. Konkurs führten?" In den letzten Jahresbilanzen stand und steht klar drin, daß in zwei der letzten Jahren das Kapital durch riesige Verluste vernichtet worden ist, in den dazwischenliegenden Jahren nur minimalste, meiner Meinung nach geschönte Gewinne gemacht wurden, die das Kapital längst nicht wieder auffüllten. Ein Weltspezialist im Bio-Labor eines Medizinherstellers muss das vielleicht nicht interpretieren können, ein Reisebürokaufmann schon.