Eine Drohne  fliegt bei Sonnenuntergang über eine Wiese | Bildquelle: dpa

Neues Unternehmen Droniq Die Drohne als fliegendes Smartphone

Stand: 29.05.2019 11:00 Uhr

Die kommerzielle Nutzung von Drohnen ist ein Milliardengeschäft. Davon wollen auch Telekom und Flugsicherung profitieren. Das gemeinsame Unternehmen soll Drohnenflüge überwachen und koordinieren.

Von Jan-Peter Bartels, HR

Eine Drohne der Polizei fliegt in Berlin bei einem Pressetermin an einer Ruine vorbei. | Bildquelle: picture alliance / Paul Zinken/d
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Sogenannte unbemannte Luftfahrzeuge (UAS) dürfen in Deutschland in der Regel nur bewegt werden, wenn ihr Pilot sie durchgehend im Blick hat.

Während die Sirene heult und der Feuerwehrwagen zum Einsatzort rast, ist ein Helfer schon dort. Eine Drohne schwirrt über dem brennenden Tanklastwagen, erkundet die Lage, fotografiert die orangen Warntafeln. Wertvolles Wissen für die Einsatzkräfte: Schon während der Fahrt können sie die Bilder sehen. Ihnen wird klar, wie gefährlich die Flüssigkeit ist, die da brennt und auf was sie sich vorbereiten müssen.

Die Drohne als Helfer und vorausfliegendes Auge. Das klingt verheißungsvoll, daran wird bereits geforscht, aber es hat einen Haken: Sogenannte unbemannte Luftfahrzeuge (UAS) dürfen in Deutschland in der Regel nur bewegt werden, wenn ihr Pilot sie durchgehend im Blick hat.

Drohnenflüge über größere Distanzen

Hier wollen die Deutsche Flugsicherung und die Telekom einhaken und Drohnenflüge nicht nur in Sichtweite, sondern auch über größere Distanzen möglich machen. Das Problem dabei: Flugzeuge kann die Flugsicherung zwar per Radar erfassen und darstellen, Drohnen aber nicht. Sie sind zu klein und fliegen zu tief. Wie also ein "Luftlagebild" inklusive Drohnen erstellen, damit diese aus der Ferne überwacht werden können?

Die Idee: Drohnen quasi zu fliegenden Smartphones zu machen, die durchgehend ihre Positionsdaten über das Mobilfunknetz an eine Zentrale funken. Sie werden dazu mit einem Modem und einer Mobilfunkkarte ausgestattet.

Über die Mobilfunkverbindung können zudem vom Boden aus Daten an die Drohne gesendet und diese ferngesteuert werden. Technisch durchaus eine Herausforderung. Die Netzabdeckung in der Luft sei aber durchweg gut, verspricht Telekom-Chef Tim Höttges, dort seien schließlich keine Bäume oder Gebäude im Weg: "Wenn Sie mit einer Drohne unterwegs sind, haben sie in der Regel bis zu zehn Signale, auf die Sie zugreifen können", so Höttges.

Drohnen und Flugzeuge kommen sich nicht ins Gehege

Die Technik habe man nun im Griff, vermelden Telekom und Flugsicherung. Sie haben eine gemeinsame Firma namens Droniq gegründet. Hier sollen alle Drohnen-Daten verarbeitet und über die Positionsdaten der klassischen Luftfahrt gelegt werden, so dass sich ein Gesamtbild des Luftverkehrs ergibt und klar wird, wo Drohnen sicher fliegen können, ohne Flugzeugen oder Hubschraubern ins Gehege zu kommen.

Ist eine Drohne im System angemeldet, bekommt der Drohnen-Pilot Anweisungen wie er sein Gerät fliegen und wann er stoppen oder ausweichen müsse. Vom "deutschlandweit ersten einsatzfähigen UAS Traffic Management System" spricht DFS-Chef Scheurle.

Funktioniert das System, sieht auch die Pilotenvereinigung Cockpit darin eine Chance: "Sind Drohnen damit ausgestattet, könnte das wirklich helfen", so Max Scheck von Cockpit. "Dadurch könnten zumindest Unwissende gestoppt werden, die sich vielleicht der Tragweite dessen gar nicht bewusst sind, wo sie da gerade ihre Drohne steigen lassen." 

Auch Unterstützung für Feuerwehr oder DLRG

Gerade für Hubschrauber-Piloten seien schon zwei-Kilogramm-Drohnen eine große Gefahr, ein Zusammenstoß ende fast immer fatal. Ein Allheilmittel sei es allerdings nicht: "Natürlich kann man solche Systeme immer ausbauen oder abschalten, wenn man eine Drohne bewusst und in böser Absicht in der Nähe eines Flughafens starten lassen will", so Scheck.

Eine Drohne machte Bilder von dem Hotelbrand
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Bei einem Brand in Bad Harzburg im Mai 2014 machte eine Drohne spektakuläre Aufnahmen von dem zerstörten Hotel und konnte der Feuerwehr helfen, den Brand gezielter zu bekämpfen.

Drohnen aus der Ferne zu steuern, sei nicht nur für Firmen reizvoll, argumentiert Droniq, sondern könne auch professionellen Helfern wie DLRG, Feuerwehr und Rettungskräften Vorteile bringen: Bisher sei man beschränkt darauf, Drohnen nur vor Ort und an der Einsatzstelle selbst zu starten, erklärt Hauke Speth von der Feuerwehr Dortmund in einem Werbevideo von Droniq.

Eine Drohne vorausschicken zu können, deren Pilot nicht mit auf den Einsatz kommen müsse, habe großes Potential: "Allein die Suche nach dem Einsatzort kann uns wertvolle Minuten bei einem Einsatz kosten", so Speth. "Das ist ganz, ganz wertvolle Zeit, gerade wenn wir über verletzte Personen reden."

Drohnen - der Markt der Zukunft

Mit ihrem System wenden sich DFS und Telekom vorerst nur an professionelle Nutzer: beispielsweise Energieunternehmen, die regelmäßig ihre Stromtrassen, Pipelines und Windräder abfliegen und auf Schäden kontrollieren wollen. Sie könnten dabei Drohnen statt eines Hubschraubers einsetzen.

Solche kommerziell eingesetzte Drohnen gelten als Milliardenmarkt der Zukunft. Eine Studie des Verbands unbemannte Luftfahrt sagt für 2030 rund 126.000 einsatzbereite kommerzielle Drohnen in Deutschland voraus - genutzt für Vermessung, Kartierung, Kontrollen, Filmaufnahmen und ähnliche Projekte.

Dazu kämen mehrere Hunderttausend private Drohnen. Im Himmel könnte es also enger werden, der Bedarf an Kontrolle steigen und ein System wie Droniq Begehrlichkeiten bei Politikern wecken, die mehr Kontrolle über alle Drohnen möchten - nicht nur die kommerziellen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Mai 2019 um 13:00 Uhr.

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