Krankenschwestern bereiten ein Bett vor

Gehaltsplus für Pflegekräfte Hohe Dosis, wenig Wirkung?

Stand: 26.10.2020 17:26 Uhr

Nach zähen Tarifverhandlungen erhalten Pflegekräfte mindestens 8,7 Prozent mehr Lohn bis Ende 2022 - zusätzlich zu ihren Corona-Prämien. Ist das der versprochene finanzielle Applaus?

Von Iris Marx, tagesschau.de

Verhandlungsführer Horst Seehofer nannte die Einigung einen "historischen Durchbruch", der den rund 2,4 Millionen Beschäftigten in den Städten, Gemeinden und im Bund "die Wertschätzung zukommen lässt, die sie verdienen", so der Bundesinnenminister am Ende eines langen Verhandlungsmarathons in ohnehin schwierigen Zeiten. Der alte Tarifvertrag war bereits im August ausgelaufen.

Öffentlicher Applaus finanziell umgesetzt - für einige

Und in der Tat kann sich das Ergebnis für die Pflegekräfte zunächst sehen lassen. Die Steigerung fällt zumindest üppiger aus als bei vorangegangenen Verhandlungsrunden. Pflegekräfte dürfen mit bis zu 8,7 Prozent mehr Lohn rechnen. In der Spitze gibt es für Intensivkräfte sogar zehn Prozent - ungeachtet der Corona-Prämien, die schon im Dezember mit dem Gehalt ausgezahlt werden sollen. Bis zu 600 Euro kommt einmalig oben drauf.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di rechnet vor, was das konkret heißen kann: Eine Pflegefachkraft im Krankenhaus in der Entgeltgruppe 7/Stufe 6 hat derzeit ein Monatseinkommen von ungefähr 3540 Euro brutto. Einschließlich der vereinbarten Zulagen werden es bis zu 300 Euro mehr sein.

Pflegekräfte profitieren am meisten von Tarifeinigung
tagesthemen 22:45 Uhr, 25.10.2020, Rupert Wiederwald/Viktoria Kleber, WDR

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Corona-Helden erster und zweiter Klasse

Die meisten Krankenhäuser sind aber eben nicht kommunaler Hand, sondern privatwirtschaftlich organisiert oder in kirchlicher Trägerschaft. Daher betreffe die Tarifeinigung unmittelbar etwa nur ein Drittel der Pflegekräfte, sagt der Sozialwissenschaftler Stefan Sell zu tagesschau.de: "Wir haben viele Krankenhäuser, die in privater Trägerschaft oder in Trägerschaft der Kirchen und der Wohlfahrtsverbände sind. Da haben wir einen großen Bereich, der erst einmal nicht von dem Tarifvertrag betroffen ist."

Besonders gravierend sei das aber in der Altenpflege. Laut Pflegestatistik von 2017 sind von den 14.480 Pflegeheimen lediglich 599 in kommunaler Trägerschaft. Das sind gerade einmal rund vier Prozent. Bei den ambulanten Diensten sind es sogar noch weniger.

Horst Seehofer | Bildquelle: dpa
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"Historisch" nannte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) das Ergebnis. Er war Verhandlungsführer bei den Tarifgesprächen.

Mehr als 100 offene Stellen alleine bei einem Träger

"Insofern ist die unmittelbare Auswirkung des Tarifabschlusses auf die Pflegekräfte überschaubar", so Sell. Doch immerhin kann der Abschluss eine gewisse Signalwirkung für die anderen Beschäftigten haben. "Wir orientieren uns an den Gehältern im öffentlichen Dienst", sagt etwa Alexander Slotty, Landesgeschäftsführer der Volkssolidarität Berlin zu tagesschau.de. Der gemeinnützige Träger beschäftigt etwa 1300 Mitarbeiter in der Pflege. Sie seien sogar gesetzlich dazu verpflichtet. Insofern könnten auch die dort Beschäftigten etwas zeitverzögert mehr Lohn bekommen.

Die Volkssolidarität steht wie die meisten Träger vor dem riesigen Problem, junge Leute für den Beruf anzuwerben: "Bei uns sind aktuell über 100 Stellen in der ambulanten und stationären Pflege offen." Er befürchtet, dass selbst diese Lohnerhöhung nicht ausreicht:

"Mit solchen enttäuschenden Ergebnissen werden wir keine jungen Menschen für den Pflegeberuf begeistern und verschärfen den Pflegenotstand."

Dessen ist sich auch ver.di-Chef Frank Werneke bewusst. "Das ändert aber erst einmal nichts an dem großen Personalmangel in der Pflege", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Man wolle das Thema in den kommenden Monaten stärker angehen.

Kritik an der Finanzierbarkeit

Mehr geht bekanntlich immer, doch am Ende steht die Frage, wie viel in Zeiten einer Pandemie überhaupt möglich ist. Der neue Tarifvertrag kostet die Städte und Gemeinden um die 4,9 Milliarden Euro. 1,2 Milliarden Euro muss zusätzlich der Bund stemmen.

Kommunal-Arbeitgeberpräsident Ulrich Mädge sprach von einem "wirtschaftlich verkraftbaren Abschluss". Doch es gibt vor allem Kritik daran, dass hier eine Berufsgruppe ebenfalls einen ordentlichen Schluck mitbekommen hat, die sich selbst in Pandemiezeiten keine Sorgen um Kurzarbeit und Jobverlust machen muss: die Beamten.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 25. Oktober 2020 um 22:45 Uhr.

Autorin

Iris Marx  | Bildquelle: Tanja Schnitzler Logo tagesschau.de

Iris Marx, tagesschau.de

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