Ein Flugzeug von Tui

Erholung in der Pandemie Urlaubsbuchungen für Sommer ziehen an

Stand: 25.03.2021 14:11 Uhr

Trotz der steigenden Infektionszahlen nehmen die Buchungen von Urlaubsbuchungen für den Sommer zu. Das berichtet die Reisebranche - und übt scharfe Kritik an einem möglichen Verbot von Auslandsreisen.

Bei Reiseanbietern ziehen allmählich die Buchungen für Sommerreisen an. So berichtet der Konzern TUI vor der Aktionärs-Hauptversammlung, die Buchungszahlen lägen unverändert auf einem "ermutigenden Niveau" von 2,8 Millionen Gästen. Das seien allerdings 60 Prozent weniger als im Vorkrisenjahr 2019.

Der weltweit größte Reiseanbieter stutzte deshalb die für den Sommer geplante Kapazität von 80 Prozent auf 75. Zugleich betonte TUI, hier flexibel anpassen zu können, falls die Nachfrage durch Fortschritte in der Pandemie-Bekämpfung stärker steigt. Covid-Impfungen und -Tests gäben Grund zu Optimismus. "Es zeigt sich auf allen Vertriebskanälen das zunehmende Interesse an Urlauben in der Sommersaison. Die Nachfrage der Kunden ist da, die Menschen wollen reisen", erklärte der hart von der Corona-Krise getroffene Konzern.

Kritik an Idee von Verbot für Auslandsreisen

Derweil stößt die Idee der Kanzlerin, Auslandsreisen vorübergehend zu unterbinden, auf scharfe Kritik. Im Bundestag sagte nicht nur FDP-Chef Christian Lindner, er halte nichts von solchen Plänen. Auch der Koalitionspartner SPD lehnt ein solches Vorhaben mit Nachdruck ab. Dies sei nicht mit den Grundrechten vereinbar, betonte der parlamentarische Geschäftsführer Carsten Schneider.

Zwar heißt es im Infektionsschutzgesetz unter §28a, zu den Schutzmaßnahmen gegen Covid-19 zähle auch die "Untersagung oder Beschränkung von Reisen; dies gilt insbesondere für touristische Reisen". Allerdings sind die verfassungsrechtlichen Hürden bei einem so schwerwiegenden Eingriff hoch, das räumt auch die Union ein. CSU-Chef Markus Söder sagte: "Ob ein Reiseverbot rechtlich durchsetzbar ist, da habe ich jetzt auch so meine Zweifel, wenn ich das so sagen darf."

Ausreiseverbot in Großbritannien bereits in Kraft

Befürworter der Idee verweisen auf Großbritannien, wo trotz hoher Impfzahlen ein Verbot von Auslandsreisen längst Realität ist. Das Land verlassen darf aktuell nur, wer einen triftigen Grund dafür vorweisen kann - wer vor Ende Juni unerlaubt ins Ausland reist, muss 5000 Pfund Strafe zahlen. Die Engländer sollen sich derzeit nicht einmal aus ihrem eigenen Wohnviertel bewegen, erst im April sollen Inlandsreisen unter bestimmten Bedingungen wieder erlaubt sein.

Organisierte Reisen wenig problematisch

Ebenfalls mit Ablehnung reagiert der Bundesverband Deutsche Tourismuswirtschaft. Der Generalsekretär des Verbandes, Michael Rabe, sagte dem rbb, das organisierte Reisen sei nicht das Problem. Das Infektionsgeschehen passiere nicht in der "touristischen Leistungskette", sondern im privaten Bereich.

Das zeigten Zahlen aus dem letzten Sommer, die das Robert Koch-Institut untersucht habe: "Das RKI hat keine Auffälligkeiten im Gastgewerbe und beim Reisen festgestellt in der organisierten Reise. Wo es Auffälligkeiten gab, war das Reisen in Destinationen wie Bulgarien, Kosovo etc., das einherging mit ausgedehnten Familienzusammkünften. Aber in der organisierten Reise sind solche Zahlen nicht bekannt."

Testpflicht für alle Reiserückkehrer?

Zuletzt war um Auslandsreisen eine heftige Diskussion entbrannt. Nachdem die Reisewarnung für Mallorca und die Algarveküste in Portugal wegen niedriger Infektionszahlen aufgehoben worden war, buchten Zehntausende dort Urlaub. Der Inlandstourismus ist dagegen quasi gestoppt. Ab Sonntag soll es nun bei Einreisen per Flugzeug eine Testpflicht geben.

Mit Informationen von Kai Clement, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichteten WDR 5 am 23. März 2021 um 18:04 Uhr in "Profit" und Deutschlandfunk am 25. März 2021 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.