Arbeiter vor Stromkabeln im Irak | Bildquelle: picture alliance / dpa

Stromnetzausbau im Irak Siemens dem Milliardenauftrag ein Schritt näher

Stand: 21.10.2018 14:50 Uhr

US-Präsident Trump hatte Druck gemacht, um den Auftrag in den USA zu holen. Doch Siemens hat offenbar auch gute Chanchen auf einen Milliardenauftrag im Irak. Der Konzern will Stromkapazitäten ausbauen.

Siemens ist im Ringen mit dem US-Konkurrenten General Electric (GE) um ein Milliardengeschäft im Irak einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Vertreter des Münchner Technologiekonzerns und des irakischen Elektrizitätsministeriums unterzeichneten eine Absichtserklärung über den Ausbau der irakischen Stromkapazitäten. Das teilten die Regierung in Bagdad und das deutsche Unternehmen mit.

US-Konkurrent hofft weiter

Allerdings hofft auch der US-Konkurrent General Electric weiter auf den lukrativen Auftrag - mit GE wurde ebenfalls eine Absichtserklärung unterzeichnet, wie das Elektrizitätsministerium mitteilte.

Eine mit den Verhandlungen vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur AFP in Bagdad, die Absichtserklärungen für den potenziellen Milliardendeal seien nicht bindend. Noch sei nichts entschieden und alle Gespräche könnten auch in letzter Minute platzen.

Siemens will elf Gigawatt in den kommenden vier Jahren ausbauen, was laut Unternehmen etwa der Hälfte der derzeitigen Kapazitäten des Irak entspricht. 23 Millionen Iraker sollen dadurch dem Unternehmen zufolge verlässlich und dauerhaft Strom beziehen können.

Konkurrent General Electric gab an, der Konzern wolle in dem Land bis zu 14 Gigawatt Stromerzeugung aufbauen.

Trump und Merkel schalten sich ein

US-Präsident Donald Trump hatte Medienberichten zufolge auch mit politischem Druck auf die irakische Regierung versucht, den Auftrag in die USA zu holen. Um den Münchnern einen Vorteil zu verschaffen, soll sich laut "Handelsblatt" Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eingeschaltet haben. Sie habe dafür den irakischen Ministerpräsidenten Haider al-Abadi angerufen.

Siemens verspricht Arbeitsplätze im Irak

Siemens verspricht neben dem Ausbau der Stromkapazitäten auch Unterstützung im Kampf gegen Korruption, die Schaffung Zehntausender neuer Arbeitsplätze sowie den Ausbau von Schulen und Krankenhäusern. Dies seien Schlüsselelemente beim Aufbau des neuen Irak, sagte Vorstandschef Joe Kaeser.

Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Jo Kaeser | Bildquelle: dpa
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Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser hatte sich mit Iraks Ministerpräsident Haider al Abadi getroffen.

Das Auftragsvolumen wird Kreisen zufolge auf einen hohen einstelligen Milliardenbetrag geschätzt. Das Geld könnte der Konzern gut gebrauchen: Wegen Überkapazitäten bei Großturbinen und der Energiewende steckt die Kraftwerksparte in der Krise.

Obwohl der Irak eines der ölreichsten Länder der Welt ist, leidet die Bevölkerung unter der schlechten Versorgung mit Elektrizität. In den vergangenen Wochen und Monaten kam es deswegen vor allem im Süden des Landes zu Protesten mit Toten und Verletzten.

Anm.d.Red.: In einer früheren Meldungsversion hatte tagesschau.de berichtet, Siemens habe den US-Rivalen ausgestochen und den Auftrag für sich verbuchen können.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Oktober 2018 um 15:00 Uhr.

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