Mit Hilfe einer Langzeitbelichtung erfasst eine Kamera Starlink-Satelliten, die den Himmel über Svendborg auf der Dänischen Südsee überfliegen.  | Bildquelle: dpa

Satelliten für schnelles Internet Perlenkette am Abendhimmel

Stand: 23.04.2020 10:25 Uhr

Nach Sonnenuntergang ist über einigen deutschen Regionen eine Lichterreihe am Himmel zu sehen. Es sind Satelliten der US-Firma Starlink, die für schnelles Internet sorgen sollen. Wie funktioniert der Plan?

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Die Idee, die Erde mit Internet aus dem Weltall zu versorgen, ist 15 Jahre alt. Sie war aber nie ein Erfolg. Der Grund heißt Latenz - die Signallaufzeit. Gemeint ist damit die Zeit, die ein Signal für den Austausch zwischen Erde und Satellit benötigt.

Bei Starlink sei das aber genau anders, sagt Lauren Lyons, die als Ingenieurin für das US-Unternehmen arbeitet: "Das Starlink-System ist eine Konstellation aus ganz vielen Satelliten, die die Erde in einer viel niedrigen Umlaufbahn - nämlich in 550 Kilometer Höhe - umkreisen und den gesamten Globus abdecken."

Bisherige Satelliten umkreisen die Erde in einer Entfernung von mehr als 35.000 Kilometern. Internet-Telefonie oder Online-Spiele funktionieren damit nicht, weil das Signal zu lange unterwegs ist. 

Ein Schwarm von Satelliten

Das Starlink-System dagegen besteht aus einem ganzen Schwarm von Satelliten. Bis zum Jahresende sollen in einer ersten Ausbaustufe mehr als 1500 von ihnen auf eine erdnahe Umlaufbahn geschossen werden. Alle zwei Wochen werden zur Zeit 60 Satelliten im Weltall ausgesetzt. In ein paar Jahren sollen es um die 12.000 sein.

Der Vorteil: Hohe Übertragungsraten mit bis zu ein GBit und Latenzzeiten von zwei Millisekunden sind möglich. "Weil sie in einer niedrigen Umlaufbahn kreisen, ist die Latenzzeit viel geringer. Damit sind zum Beispiel auch Online-Spiele möglich", erklärt Lyons.

Eine SpaceX-Rakete bringt Satelliten des US-Unternehmens Starlink ins All. | Bildquelle: AP
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Eine SpaceX-Rakete bringt Satelliten des US-Unternehmens Starlink ins All.

Mögliche Konkurrenz zu Glasfaser

Untereinander kommunizieren die Satelliten mit Laser-Strahlen. Dies und die große Nähe zur Erde sorgen für hohe Übertragungsraten und kurze Signallaufzeiten. Das Geschäftsmodell könnte sogar zu einer ernsthaften Konkurrenz für Glasfaser-Anschlüsse werden. 

Es gibt auch noch zwei andere Firmen, die an solchen System arbeiten: OneWeb in London und der Amazon-Konzern von Jeff Bezos. Die Zukunft von OneWeb ist allerdings ungewiss, das Unternehmen hat vor ein paar Tagen Insolvenz angemeldet. 

Die Sorge der Astronomen

Nur eine Gruppe äußert sich besorgt: Astronomen befürchten, dass durch die Tausenden neuen Satelliten ihre Forschungsarbeit behindert wird, weil sie die Sicht auf andere Sterne beeinträchtigen. Der Schweizer Physik-Nobelpreisträger Didier Queloz sagt:

"Jeder kann heute Dinge ins Weltall schießen. Das ist außer Kontrolle geraten. Mittlerweile ist das zu einer Bedrohung geworden, weil nicht ein paar hundert Satelliten ins All geschossen werden, sondern gleiche Tausende. Für uns Astronomen bedeutet das: Bei Einbruch der Nacht sind sie zu sehen, weil sie das Sonnenlicht reflektieren."

Starlink hat mittlerweile versprochen, weniger stark reflektierende Außenhüllen auf seinen Satelliten anzubringen. In ein paar Wochen könnten sie dann nicht mehr so prägnant am Abendhimmel zu sehen sein.  

Perlenkette am Abendhimmel
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
23.04.2020 09:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. April 2020 um 07:31 Uhr.

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