Sicherheitsmitarbeiter der Deutsche Bahn kontrollieren in einem ICE die Einhaltung der Maskenpflicht | dpa

Neue Corona-Maßnahmen Strengere Regeln für die Bahn

Stand: 26.11.2020 16:15 Uhr

Zum Schutz vor einer Infektion sollen Bahnreisende ab morgen nur noch einen Sitzplatz pro Reihe buchen können. Auch zusätzliche Züge sollen für mehr Abstand zwischen Reisenden sorgen.

Von Iris Marx, tagesschau.de

Züge seien keine Corona-Hotspots, heißt es bei der Deutschen Bahn. Laut einer Analyse der Charité mit mehr als 1000 getesteten Mitarbeitern haben sich keine Hinweise auf eine erhöhte Rate an SARS-CoV-2-Antikörpern gezeigt. Ein Indiz also dafür, dass möglicherweise das Infektionsrisiko in den Zügen nicht so hoch ist.

Iris Marx tagesschau.de

Bund-Länder-Gipfel macht Druck auf die Bahn

Dennoch forderten die Ministerpräsidenten und auch die Bundeskanzlerin, Bahnreisen in Pandemie-Zeiten sicherer zu machen. Nicht nur die Maskenkontrollen sollen verstärkt werden. Um Abstände während der Fahrten besser einhalten zu können, ist die Bahn aufgefordert, mehr Sitzplatzkapazitäten zu schaffen und die Reservierbarkeit von Sitzen einzuschränken. Konkretere Vorgaben wurden bei den Bund-Länder-Gesprächen trotz verschiedener Vorschläge nicht beschlossen.

Die von der Politik formulierten Anforderungen setzt die Bahn nun vor allem mit Maßnahmen um, über die bereits zuvor diskutiert worden war . "In den kommenden Wochen sorgen wir für noch mehr Abstand und Platz. Ab Mitte Dezember bieten wir darüber hinaus mit neuen Zügen zusätzlich tausende Sitzplätze und häufigere Fahrten auf vielen Hauptstrecken", versprach DB-Vorstandsmitglied Berthold Huber am Nachmittag. Schon morgen soll gelten, dass in allen Zügen im Großraumabteil nur noch ein Doppelsitz pro Reihe reservierbar sein soll.

Nur noch der Fensterplatz soll reservierbar sein

Kunden, die alleine im Großraumwagen reisen, soll dann automatisch bei der Reservierung nur noch der Fensterplatz angeboten werden. Bei Sitzen an Tischen sind nur die diagonal gegenüberliegenden Plätze reservierbar, in Abteilen nur zwei Sitze. Für alle, die zu mehreren Personen verreisen, will die Bahn besondere Bereiche einrichten. "Diese tragen zusätzlich zum Infektionsschutz bei, da sich gemeinsam Reisende so nicht im Wagen verteilen", erklärt die Bahn.

Mit den neuen Regeln bietet der Konzern nur noch für 60 Prozent aller Sitzplätze eine Reservierung an. Diese wird zwar grundsätzlich allen Reisenden empfohlen, verpflichtend ist es aber nicht. Gegen eine solche Pflicht hatte vor allem der Fahrgastverband "Pro Bahn" argumentiert. "Tagespendler wollen sich auf den üblichen Pendlerstrecken kurzfristig entscheiden können, welchen Zug sie nehmen. Eine Reservierungspflicht würde zu einem Ausweichen auf Regionalzüge führen, womit sie kontraproduktiv wird, da in diesen das Abstandhalten völlig unmöglich würde", so der Verband.

Aktuelle Auslastung bei nur rund 20 bis 25 Prozent

Noch scheinen viele Menschen dem Aufruf zu folgen, unnötige Reisen zu vermeiden. Die Züge seien im Moment noch nicht überfüllt. Die Bahn gibt selbst an, dass im Fernverkehr die Züge nur zu einem Viertel ausgelastet seien.

"Deutlich höhere Passagierzahlen als in den letzten Monaten sind dennoch zu erwarten", erklärt der verkehrspolitische Sprecher von Bündnis90/Die Grünen, Stefan Gelbhaar, gegenüber tagesschau.de. Gelbhaar kann sich sogar noch weitere Maßnahmen vorstellen, wie ein angepasstes Hygienekonzept. "Die Türen in den Fernzügen und Regionalbahnen sollten an den Haltestellen automatisch öffnen, wie das im Nahverkehr seit Monaten üblich ist." Zudem solle es mehr Desinfektionsspender und kostenlose Wechselmasken bei längeren Fahrten geben.

Die Bahn sieht sich mit ihrem Maßnahmenpaket aber zunächst gut gerüstet für die Ferienzeit. So lange es nicht zu größeren Störungen im Betriebsablauf kommt, sollten Weihnachtsurlauber also sicher ans Ziel kommen.

Über dieses Thema berichtete am 26. November 2020 die tagesschau um 12:00 Uhr und NDR Info um 16:15 Uhr.