Logos von Fiat und Peugeot | AFP

Fusion von PSA und Fiat Chrysler Warum ein neuer Autogigant entsteht

Stand: 04.01.2021 15:58 Uhr

Mehr als 400.000 Mitarbeiter, über ein Dutzend Marken wie Fiat, Peugeot, Citroën, Opel oder Alfa Romeo: Der neue Mega-Konzern namens Stellantis wird zu den größten der Autobranche gehören. Was sind die Pläne?

Die Aktionäre haben die Megafusion des Opel-Mutterkonzerns PSA mit Fiat Chrysler mit überwältigender Mehrheit gebilligt. Das hat der Konzern nach einer außerordentlichen Hauptversammlung am Montag mitgeteilt.

"Wir sind bereit für diese Fusion", sagte PSA-Konzernchef Carlos Tavares. Der Termin für den Zusammenschluss solle bald mitgeteilt werden. "Das ist ein historischer Augenblick", so Tavares. Es schlössen sich zwei gesunde Unternehmen zusammen. Nach der Zustimmung der PSA-Aktionäre gaben auch die Anteilseigner von Fiat Chrysler grünes Licht. 

Nummer vier beim Absatz

EU-Wettbewerbshüter hatten der Fusion im Dezember mit Auflagen zugestimmt. Im Ergebnis wäre der neue Konzern gemessen am Absatz wohl der viertgrößte Autobauer der Welt. Fiat Chrysler und PSA setzten vor der Corona-Krise zusammen rund 8,7 Millionen Fahrzeuge pro Jahr ab und erreichten einen Umsatz von 170 Milliarden Euro. Der neue Konzern wird mehr als 400.000 Mitarbeiter haben.

Nur noch Volkswagen, Toyota und der französisch-japanische Renault-Nissan-Verbund waren 2019 größer. Angekündigt hatten der französische Konzern und der italienisch-amerikanische Partner die Fusion im Herbst 2019.

Der durch die Fusion entstehende Großkonzern soll den Namen Stellantis tragen. Der neue Verbund mit wichtigen Standbeinen in Europa und in Nordamerika wird 14 Marken führen: außer Fiat und Chrysler sowie Peugeot und Citroën außerdem Alfa Romeo, Lancia und Opel sowie die britische Schwester Vauxhall, zudem US-Marken wie Jeep und Dodge.

PSA-Chef Carlos Tavares | AFP

Der künftige Chef des neuen Konzerns: Carlos Tavares ist ein erfahrener Sanierer. Bild: AFP

Viele Jobs sind weggefallen

An der Spitze des Verwaltungsrats soll der 44-jährige John Elkann stehen, der aktuelle Chef von Fiat Chrysler. Er entstammt der Familie Agnelli, die Fiat gründete, und ist der größte Aktionär von Fiat Chrysler.  

Der 62-jährige Carlos Tavares soll das Unternehmen künftig als Vorstandsvorsitzender leiten. Der gebürtige Portugiese gilt als kompetenter Sanierer. Er hatte beispielsweise dafür gesorgt, dass Opel nach langen Verlustjahren wieder Gewinne einfährt. Dabei blieben allerdings viele Jobs auf der Strecke. Auch Peugeot hatte Tavares zurück auf die Erfolgsspur gebracht.

Dass Tavares für den Chefposten ausgewählt wurde, dürfte also mit seinem Ruf zusammenhängen, auch vor harten Entscheidungen nicht zurückzuschrecken - denn Einsparungen und Kostensenkungen sind auch bei der aktuellen Fusion ein wesentliches Thema. Der Zusammenschluss soll Synergien in Milliardenhöhe bewirken.

Zunächst war von 3,7 Milliarden Euro jährlich die Rede. Es werden mehr werden, denn Tavares bestätigte heute Aussagen, wonach es Synergien im Umfang von fünf Milliarden Euro geben soll.

Der technologische Wandel kostet Milliarden

Zugleich sehen sie sich die Unternehmen gemeinsam besser in der Lage, die hohen Investitionen in klimafreundlichere Fahrzeuge stemmen zu können. Experten zufolge erhöht sich mit den enormen Kosten für den Wandel zur E-Mobilität und die Digitalisierung in der Branche der Druck, neue Zusammenschlüsse oder Allianzen einzugehen.

Hinzu kommen die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die die Automobilindustrie aufgrund des Nachfrageeinbruchs ebenfalls vor große Herausforderungen stellt. Vor dem Ausbruch der Corona-Krise hatte Tavares versichert, es sollten keine Werke geschlossen werden.

Philippe Houchois vom Analysehaus Jefferies meint in einer Branchenstudie, das neu entstehende Unternehmen könne sich künftig verstärkt auf Elektromobilität und den chinesischen Markt konzentrieren. Während der Automarkt ansonsten weltweit zu kämpfen hat, erholt sich Chinas Automarkt derzeit rasant und erreicht bereits beinahe die Zahlen von vor der Corona-Krise.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 in der Wirtschaft am 04. Januar 2021 um 11:40 Uhr.