Traktor mit schwerem Grubber arbeitet Gülle in den Boden ein. | picture alliance / Countrypixel

Ernteeinbußen befürchtet Düngermangel treibt Güllepreis

Stand: 16.08.2022 12:08 Uhr

Eigentlich sollte weniger Gülle auf die Felder - das war das Ziel der Politik. Ersetzt werden sollte sie durch Kunstdünger. Doch durch die Gaskrise steigen die Preise. Und der Naturdünger wird wieder beliebter.

Gülle ist aktuell gefragt wie selten in den vergangenen Jahren. Dafür ist vor allem die Gaskrise und der Krieg in der Ukraine verantwortlich. Denn für die Herstellung von Kunstdünger, der die Gülle auf Deutschlands Feldern eigentlich ersetzen sollte, ist laut dem Deutschen Bauernverband (DBV) Gas als Energieträger zwingend erforderlich.

Nachdem die Gaspreise in den vergangenen Tagen erneut angestiegen sind, verteuern und verknappen sich die Kunstdünger immer weiter. Anfang dieser Woche kostet eine Tonne Kalkammonsalpeter, einem Stickstoffdünger, laut dem Branchendienst "agrar heute" 755 Euro. Damit ist der Preis für eine Tonne innerhalb eines Monats um 120 Euro gestiegen. Bis Ende vergangenen Jahres war eine Tonne des Düngers noch für rund 200 Euro erhältlich.

Güllebörsen im Internet

Angesichts dieser steigenden Preise für Kunstdünger sei Gülle wieder stark gefragt, heißt es beim Deutschen Bauernverband (DBV). "Wenn der mineralische Dünger teurer und knapper wird, gewinnen alle organischen Stickstoffquellen an Wert und Attraktivität", so DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken gegenüber der dpa.

An den Güllebörsen, die regional organisiert sind, werden Bauern mit Gülle und Landwirte, die sie für ihre Felder brauchen, zusammengebracht. Dies geschieht überwiegend über Online-Inserate. Wegen der höheren Nachfrage steigen laut dem Verband hier nun ebenfalls die Abgabepreise. Gülle wird inzwischen auch über längere Entfernungen transportiert, um den gestiegenen Bedarf zu decken.

"Wir machen uns Sorgen"

An dem grundlegenden Problem der Knappheit für Kunstdünger kann der stärkere Einsatz von Gülle auf deutschen Äckern aber nicht viel ändern. Die Güllemenge ist begrenzt und durch den Rückgang der Tierhaltung zuletzt sogar gesunken. Laut dem Bauernverband steuert die Branche im kommenden Jahr auf eine kritische Situation zu. "Wir sind für diese Saison noch einigermaßen auskömmlich versorgt gewesen, aber für das nächste Jahr machen wir uns Sorgen", so Krüsken.

Ohne mineralischen Stickstoffdünger im kommenden Jahr drohen laut Krüsken Einbußen bei der Ernte von 20 bis 25 Prozent. In Deutschland werden derzeit 2,5 bis drei Millionen Tonnen Dünger jährlich auf den Feldern ausgebracht, die Hälfte davon ist Kunstdünger.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 07. August 2022 um 08:35 Uhr.