ING Bank Logo an der Fassade der Firmenzentrale | picture alliance / ROBIN UTRECHT

Bank verlangt Zustimmung ING droht Kunden mit Kündigung

Stand: 20.09.2021 12:12 Uhr

Der Umgang vieler Banken mit ihren Kunden wird rauer. Nun hat auch die Direktbank ING, die Millionen Kunden in Deutschland hat, klar signalisiert: Zustimmung zu höheren Gebühren - oder Kündigung.

Die niederländische Großbank ING droht ihren Kunden in Deutschland mit einer Kündigung der Kontoverbindung, sollten diese nicht den neuen Gebühren und dem Verwahrentgelt zustimmen.

"Am Ende brauchen wir die Zustimmung der Kunden, um weiter mit ihnen zusammenzuarbeiten", betonte ING-Deutschland-Chef Nick Jue im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Bei Kunden, die nicht zustimmen, behalten wir uns in einem letzten möglichen Schritt eine Kündigung der Konten vor."

Zeit der hohen Sparzinsen ist passé

Die Bank hatte im Frühjahr unter anderem eine Kontoführungsgebühr von 4,90 Euro im Monat für Kunden angekündigt, die auf ihrem Girokonto keinen monatlichen Geldeingang von mindestens 700 Euro verbuchen. Zudem hat das Kreditinstitut die Konditionen bei weiteren Kontodienstleistungen wie zum Beispiel der Einreichung von Schecks verschlechtert.

Im Sommer folgte dann die Ankündigung eines Verwahrentgelts von 0,5 Prozent für Kontobeträge oberhalb von 50.000 Euro. Hintergrund ist die jahrelange Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Jahrelang hatte die Direktbank zunächst unter dem Namen DiBa und später unter dem Namen ING-Diba Kunden mit relativ hohen Sparzinsen angelockt. Die Direktbank zählte in Deutschland und Österreich zum Ende des ersten Halbjahres 9,2 Millionen Kunden.

BGH-Urteil bringt Probleme für Banken

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte Ende April entschieden, dass Banken bei Änderungen von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) die Zustimmung ihrer Kunden einholen müssen. Die Klausel, wonach die Institute von einer stillschweigenden Zustimmung ausgehen können, wenn Kunden einer Änderung nicht binnen zwei Monaten widersprechen, benachteilige Kunden unangemessen, so die Richter.

Zudem können Bankkunden Gebühren, die Kreditinstitute ohne explizite Einwilligung erhoben hatten, zurückfordern - nach Einschätzung der Stiftung Warentest rückwirkend bis Anfang 2018.

"Wir planen, ab Ende November überwiegend auf digitalem Weg die Zustimmung vom Großteil unserer Kundinnen und Kunden zu unseren geänderten AGB sowie dem Verwahrentgelt einzuholen", sagte ING-Deutschland-Chef Jue. Die neuen Konditionen für diese Kunden sollen dann ab dem 1. März 2022 gelten. Ähnlich hatten sich zuvor bereits auch Konkurrenten wie Commerzbank-Tochter Comdirect und die Deutsche Bank mit der Tochter Postbank geäußert.