Ein Mann geht an einem Huawei-Laden in Peking vorbei, wo für 5G geworben wird | Bildquelle: AP

Huawei Chinas Vorzeigeunternehmen unter Druck

Stand: 20.10.2020 09:03 Uhr

Huawei ist nicht irgendein Unternehmen, sondern der Stolz der chinesischen IT-Wirtschaft. Doch weltweit wächst das Misstrauen gegen Peking und damit auch gegen Huawei. Das Unternehmen betont jedoch seine Unabhängigkeit.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Das Management von Huawei fährt dieser Tage eine Menge auf, um für gute Stimmung zu sorgen. Zum Beispiel in Shanghai, vor Beginn einer mehrtätigen Huawei-Marketingveranstaltung Ende September. Das Unternehmen hat ausländische Journalisten eingeladen, in eine Bar im obersten Stockwerk eines 21-stöckigen Luxushotels: zu einer Abendveranstaltung mit Band, Tänzerinnen, einem üppigen Büffet, edlen Drinks und einem spektakulären Blick auf die glitzernde Skyline von Shanghai.

Rein wirtschaftlich betrachtet läuft es derzeit gut für Huawei. Im Frühjahr hat das chinesische Unternehmen den koreanischen Konkurrenten Samsung als weltgrößter Smartphone-Produzent abgelöst. Auch die Coronavirus-Pandemie hat Huawei relativ gut überstanden: Nach eigenen Angaben machte das Hightech-Unternehmen im ersten Halbjahr 2020 einen Umsatz von umgerechnet fast 60 Milliarden Euro, ein Plus von mehr als 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Huaweis Gewinn stieg um fast 24 Prozent auf umgerechnet rund fünfeinhalb Milliarden Euro.

"2020 war ein sehr seltames und bizarres Jahr"

Song Kai aus dem Huawei-Presseteam hält bei der Veranstaltung in Shanghai eine kurze Ansprache. Er spricht über das Katastrophenjahr 2020, erwähnt die Covid-Pandemie, die Spannungen zwischen China und den USA und den Handelskrieg: "2020 war ein sehr seltames und bizarres Jahr für alle," stellt der Huawei-Manager fest. "Aber das Leben geht weiter. Wir konzentrieren uns auf die Dinge, die wir selbst kontrollieren können. Deswegen werden wir noch stärker als bisher in Forschung und Entwicklung investieren. Auch werden wir noch mehr auf die Wünsche unserer Kunden hören."

Diese demonstrativ zur Schau gestellte Zuversicht kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Huawei außerhalb Chinas zunehmend in die Defensive gerät. Das bezieht sich vor allem auf Huaweis Rolle beim weltweiten Aufbau des neuen Mobilfunkstandards 5G.

Misstrauen beim weltweiten 5G-Aufbau

Huawei gilt in diesem Bereich als technologisch führend. Vor allem in vielen demokratisch regierten Staaten sorgt man sich allerdings, dass das diktatorisch regierte China mit Huaweis Hilfe Einfluss nimmt auf wichtige Kommunikationsinfrastruktur.

Australien, Neuseeland, Japan, Taiwan und die USA haben Huawei deswegen bereits ausgeschlossen vom 5G-Aufbau. Auch in vielen Europäischen Staaten wird das Unternehmen wohl nicht zum Zuge kommen, zum Beispiel in Großbritannien, Frankreich und Belgien.

Peking könnte Einfluss nehmen

Das Huawei-Management weist alle Vorwürfe zurück: Man arbeite nicht mit Chinas Staatsführung zusammen, wird immer wieder betont. Man sei schließlich ein privates - also unabhängiges - Unternehmen.

Doch dieses Argument lassen viele Fachleute nicht gelten. Denn in China habe die kommunistische Führung letztlich in allen Lebensbereichen das letzte Wort, das gelte erst Recht für die Wirtschaft, sagt etwa Adam Ni, Direktor des China Policy Centers, einer nichtstaatlichen Organisation in der australischen Hauptstadt Canberra: "Die Kommunistische Partei kann massiv Einfluss auf Huawei nehmen. Ich bezweifle, dass sich das Management möglichem Druck aus Peking wirklich widersetzen könnte. Die Frage ist, unter welchen Umständen Chinas Führung wirklich Einfluss nehmen würde. Denn das wäre schlecht für das Image der Staatsführung und auch schädlich für Huaweis internationale Geschäfte."

"Darüber sollten nicht Politiker entscheiden"

Huaweis Management wiederum wirft der US-Regierung vor, eine weltweite politisch-ideologisch motivierte Schlammschlacht zu führen gegen Chinas erfolgreichstes Technologieunternehmen. Die Frage, welche Firmen sich am Aufbau von 5G-Netzen beteiligen dürfen, sei eine technische Frage und keine politische, betont Huawei-Spitzenmanager Wang Tao bei einem Pressegespräch in Shanghai Ende September: "Was 5G angeht, brauchen wir rational festgelegte Standards, um zu definieren, ob 5G-Komponenten sauber und sicher sind. Darüber sollten nicht Regierungen oder Politiker entscheiden."

In Deutschland wird es die Politik sein, die entscheidet, ob - und wenn in welchem Rahmen - Huawei am 5G-Aufbau beteiligt wird. Wann eine Entscheidung fällt, ist noch unklar. Der Riss geht quer durch die Parteien und Bundestagsfraktionen. Die Huawei-Skeptiker sehen sich allerdings seit Wochen im Aufwind.

Huawei: Chinas Vorzeigeunternehmen international unter Druck
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
20.10.2020 08:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Oktober 2020 um 06:20 Uhr.

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