Huawei-Stand auf der Cebit (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Huawei in der Kritik Der misstrauisch beäugte Riese

Stand: 17.12.2018 09:59 Uhr

Ermöglicht der chinesische Huawei-Konzern Cyberspionage über seine Produkte? Die Skepsis weltweit ist groß. Denn das Unternehmen ist für seine Intransparenz berüchtigt. Deutschland hat weniger Vorbehalte.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Huawei ist nicht nur der zweitgrößte Hersteller von Smartphones der Welt. Das Unternehmen produziert auch Steuerungstechnik für Internet-Verteilerknoten und Rechenzentren, also die entscheidende Technik zur Steuerung von Daten- und Telefonnetzen.

Computerexperten und Geheimdienstler warnen schon seit längerem, dass diese Internet- und Kommunikationssysteme der Inbegriff der kritischen Infrastruktur seien. Umso genauer müsse man sich anschauen, wem man den Aufbau und den Betrieb dieser Technik anvertraue.

Huawei-Chef Richard Yu | Bildquelle: AFP
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Huawei-Chef Yu kämpft mit dem Misstrauen anderer Staaten.

In USA seit längerem von Behördenaufträgen ausgeschlossen

In den USA ist Huawei schon seit längerem von Behördenaufträgen ausgeschlossen. Nach heftigen politischen Diskussionen haben zuletzt auch Australien und Neuseeland entschieden, dass chinesische Technologie-Firmen, allen voran Huawei, außen vor bleiben müssen.

Es gebe dieses quälende Gefühl, "dass die chinesische Staatsführung heimische Unternehmen nutzen könnte, um uns Schaden zuzufügen", sagt Roger Bradbury von der Australian National University. Er leitet in der australischen Haupstadt Canberra ein breit angelegtes Forschungsprojekt zum Thema Daten- und Cybersicherheit. "Moderne Telekommunikations-Geräte  und deren Software sind technisch so kompliziert, dass es relativ einfach ist, Hintertüren in die Systeme einzubauen," erklärt er. "Geheimdienste könnten solche Hintertüren nutzen, um heimlich mitzuhören, zu überwachen oder Daten abzugreifen - oder sogar um zu sabotieren."

Konkrete Beweise für mögliche Spionage oder Cyber-Sabotage durch chinesische Geräte oder Bauteile wurden bisher nicht öffentlich. Entsprechend empört ist Chinas Staats- und Parteiführung über den Ausschluss ihres Vorzeigeunternehmens. Außenamtssprecher Lu Kang erklärt:

"Die australische Regierung sollte es besser wissen. Stattdessen bringt sie alle möglichen Rechtfertigungen vor, nur um künstliche und diskriminierende Handelshemmnisse zu erreichten. Wir fordern von Australien, Ideologie und Vorurteile beiseite zu lassen und chinesischen Firmen einen fairen Marktzugang zu ermöglichen."

Berühmt-berüchtigt für Intransparenz

Doch es scheint, dass die Proteste der chinesischen Staatsführung das weltweite Misstrauen gegenüber Huawei eher noch größer werden lassen. Der Konzern mit Sitz in der Stadt Shenzhen ist eigentlich ein nicht börsennotiertes Privatunternehmen. Es ist berühmt-berüchtigt für seine organisatorische Intransparenz. Selbst Insidern ist nicht ganz klar, wer bei Huawei eigentlich das Sagen hat und wie groß der Einfluss der chinesischen Staats- und Parteiführung ist. Klar ist: Firmenchef und -gründer Ren Zhengfei hat früher beim chinesischen Militär gearbeitet. Er hat enge Verbindungen zur Staatsführung in Peking.

Vor einigen Tagen hat auch Japan entschieden, dass Huawei-Bauteile nicht mehr zur Steuerung von Stromnetzen und Schnellzugtrassen verwendet werden dürfen. In Großbritannien will British Telecom Huawei vom Ausbau des neuen 5G-Internetstandards ausschließen. Auch in Deutschland nimmt die Diskussion Fahrt auf. So fordern etwa die stellvertretende Union-Fraktionschefin im Bundestag Nadine Schön und die netzpolitischen Sprecherin der Grünen Tabea Rößner, die Verwendung von Huawei-Technik beim Aufbau der 5G-Technik "kritisch zu hinterfragen". Rößner sagte im rbb:

"5G ist die Technologie, die künftig unsere Wirtschaft vorantreiben soll. Das macht diese Technologie aber auch angreifbar. Es gibt die Möglichkeit, durch den Einbau von entsprechenden Komponenten Daten abfließen zu lassen. Man kann auch Spionage betreiben. Und man kann zum Beispiel auch ein Land sabotieren und komplett lahmlegen."

BSI gegen Bann von Huawei

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) spricht sich bisher gegen einen Bann des Unternehmens beim anstehenden 5G-Aufbau in Deutschland aus. Entsprechend äußerte sich Behördenchef Arne Schönbohm im "Spiegel".

Nach Ansicht des australischen Sicherheitsexperten Bradbury ist das Problem bei chinesischen Firmen wie Huawei nicht einmal die konkrete Gefahr von Spionage, sondern die Tatsache, dass China keine Demokratie und kein Rechtsstaat ist. Man dürfe nicht so tun, als sei Huawei ein ganz normales internationales Unternehmen, betonte der Professor der Australian National University: "Die kommunistische Partei kann Gesetze mit einem Federstrich einfach aushebeln. Daran müssen heimische Firmen sich dann halten. Es ist unvorstellbar, das sich eine chinesische Firma dem Staat widersetzen kann. In westlichen Ländern hingegen geht das."

Chinas Vorzeigekonzern Huawei: Weltweit wächst das Misstrauen
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
17.12.2018 09:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Dezember 2018 um 11:50 Uhr.

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