Eine Frau arbeitet in Berlin im Homeoffice. | Bildquelle: dpa

Studie der Uni Konstanz Beschäftigte wünschen sich zwei Tage Homeoffice

Stand: 12.11.2020 15:56 Uhr

Die Corona-Krise hat für viele Beschäftigte zu erheblichen Veränderungen im Arbeitsalltag geführt. In einer Studie gaben 26 Prozent der Befragten an, zwei Tage pro Woche im Homeoffice arbeiten zu wollen.

Viele Erwerbstätige sind durch das verordnete Arbeiten zu Hause zur Eindämmung der Corona-Pandemie offenbar auf den Geschmack gekommen: In einer Untersuchung haben 26 Prozent der Beschäftigten angegeben, zwei Arbeitstage pro Woche von zu Hause aus arbeiten zu wollen.

Dies ergab eine bundesweite Langzeitstudie von 699 repräsentativ ausgewählten Erwerbstätigen. Die Universität Konstanz führte die Befragung seit Beginn der Ausbreitung der Corona-Pandemie im Zeitraum von März bis Oktober 2020 durch. Etwa 20 Prozent der Beschäftigten gaben demnach an, sich sogar fünf Tage Arbeit pro Woche im Homeoffice vorstellen zu können.

Sinkende Produktivität nach Rückkehr an Arbeitsstätte

Außerdem berichteten der Studie zufolge Beschäftigte, die im Sommer oder Herbst aus dem Homeoffice in die volle Präsenzarbeit zurückgekehrt sind, von höherer emotionaler Erschöpfung und sinkender Produktivität.

Auf das Arbeiten im Büro wollen die meisten aber dennoch nicht komplett verzichten: An der Präsenzarbeit schätzen Beschäftigte besonders den persönlichen Austausch mit Kollegen und halten ihn zentral für kreatives Arbeiten.

Bewerber achten auch auf Homeoffice-Angebote

Die Organisationsforscher Florian Kunze und Sophia Zimmermann vom Exzellenzcluster "The Politics of Inequality" fragten in der Studie nach der Produktivität dieser Beschäftigten, nach ihrer psychischen und organisatorischen Belastung und nach den Möglichkeiten der Betriebe, die neue Situation bestmöglich zu steuern.

Der Umfrage zufolge wurden die empfundene Produktivität und das Engagement der Beschäftigten durch die Arbeit im Homeoffice gefördert. Jedoch wird auch eine Tendenz zu Mehrarbeit und damit einhergehender Erschöpfung deutlich.

Homeoffice-Optionen sind laut Studie für Bewerber auf dem Arbeitsmarkt attraktiv - auch deshalb, weil ungeliebte Wege zur Arbeitsstätte entfallen. 54 Prozent der Befragten gaben demnach an, bei einer Jobsuche stark darauf zu achten, ob Arbeitgeber Arbeit im Homeoffice anbieten.

Rechtsanspruch auf mobiles Arbeiten im Gespräch

Zuletzt hatte Arbeitsminister Hubertus Heil angestrebt, einen Rechtsanspruch auf mindestens 24 Tage mobiles Arbeiten im Jahr einzuführen - wo dies möglich ist. Arbeitgeber sollen den Wunsch nach mehr Homeoffice aus betrieblichen Gründen ablehnen können, müssen ihre Ablehnung aber begründen.

Mit dem Gesetz sollen auch der Unfallversicherungsschutz und Arbeitsschutzfragen für das Homeoffice geregelt werden. Bei Teilen der Union stößt der Entwurf bislang auf Ablehnung.

Wirtschaftsweise sieht Tarifautonomie gefährdet

Aber auch in der Wirtschaft wird Heils Vorschlag kritisch gesehen: Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer sprach sich heute in der "Rheinischen Post" gegen ein gesetzliches Recht auf Homeoffice aus. "Es ist Aufgabe der Tarifpartner auszuhandeln, wie die Rahmenbedingungen für das Homeoffice künftig aussehen", sagte Schnitzer in der Zeitung. Das sollte nicht der Staat festlegen, betonte die Münchner Wirtschaftsprofessorin: "Ein gesetzliches Recht auf Homeoffice greift zu weit in die Vertragsfreiheit und die Tarifautonomie ein."

Grundsätzlich sei das Homeoffice "eine Erfolgsgeschichte", die sich auch nach der Krise fortsetzen werde, räumte Schnitzer ein. "Wir sparen Pendelzeit, können uns die Zeit besser einteilen, konzentrierter arbeiten und vermeiden Leerzeiten. Allerdings verlieren wir den Kontakt im Büro, Kommunikation erzeugt eben auch eine höhere Produktivität", erklärte die Ökonomin.

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