Frank Appel | FREDERIC SCHEIDEMANN/EPA-EFE/REX

Manager-Gehälter in Krisenzeiten Deutsche-Post-Chef verdiente am meisten

Stand: 29.03.2021 14:59 Uhr

Das Jahr 2020 hat viele Arbeitnehmer finanziell getroffen. Und auch manch ein DAX-Vorstand hatte vergangenes Jahr weniger in der Tasche - wenngleich die Manager-Gehälter weiter auf hohem Niveau lagen.

Die Corona-Pandemie haben auch eine Reihe von hochbezahlten Vorstandschefs aus dem DAX-Bereich zu spüren bekommen. Deutsche-Post-Chef Frank Appel trug am meisten nach Hause.

Der Chef des ehemaligen Staatskonzerns, an dem der Bund immer noch eine Beteiligung hält, verdiente im vergangenen Jahr nach Berechnungen des Frankfurter Beratungsunternehmens hkp-Group 10,03 Millionen Euro. Der durch die Pandemie noch beschleunigte Paketboom hatte der Deutschen Post das beste Jahr in ihrer Firmengeschichte beschert. Appels Verdienst setzte sich dabei wie bei allen anderen Kollegen der Vorstandsetagen aus dem Grundgehalt, kurz- und langfristig zugesagten variablen Vergütungen wie Boni und Aktien, Nebenleistungen wie Dienstwagen oder Versicherungen sowie Betriebsrenten und Zusagen für die Altersversorgung zusammen.

Auf Platz zwei folgte laut der Studie der in diesem Jahr ausgeschiedene Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser mit 9,3 Millionen Euro. Am unteren Ende des DAX-Rankings lag der Vorstandschef des Hamburger Konsumgüter- und Kosmetikherstellers Beiersdorf, Stefan De Loecker, mit 2,1 Millionen Euro.

Höchster Rückgang seit der Finanzkrise

Im Jahr 2019 hatten im DAX noch drei Manager mehr als zehn Millionen Euro erhalten. Allerdings brachen die Gewinne der Konzerne aus der ersten Börsenliga wegen der Pandemie um 45 Prozent ein. Das war der stärkste Einbruch seit der Finanzkrise im Jahr 2008.

Die durchschnittlichen Bezüge der Vorstandschefs sanken um 28 Prozent auf 5,3 Millionen Euro, wie aus der Untersuchung hervorgeht. "Nie zuvor seit der verpflichtenden Veröffentlichung individueller Vorstandsvergütungen haben wir einen so deutlichen Rückgang im Durchschnitt der Vergütungshöhen gesehen", kommentierte Michael Kramarsch von hkp.

Vor allem bei der variablen Vergütung, die an den Unternehmenserfolg gekoppelt ist, mussten die Topmanager deutliche Abstriche hinnehmen. Den Angaben zufolge sanken die Jahresboni der Vorstandschefs im vergangenen Jahr im Schnitt um rund 38 Prozent. Die mehrjährigen variablen Bezüge, die zumeist auf Aktien basieren, verringerten sich um rund 41 Prozent.

Vergütung stark geglättet

Insgesamt zeigen sich die Vergütungen der Vorstandschef weniger schwankungsfreudig als die ihrer Unternehmen. Bei acht Unternehmen wuchs der Gewinn pro Aktie im Geschäftsjahr 2020 im Vergleich zu 2019. Im Durchschnitt lag das Plus bei 37 Prozent, die Vergütung kletterte um durchschnittlich 13 Prozent. Bei 14 Unternehmen sank der Gewinn je Aktie um im Schnitt 71 Prozent. Die zuständigen Vorstandschefs verdienten durchschnittlich nur sieben Prozent weniger als 2019.

Insgesamt wertete hkp 28 bislang veröffentlichte Geschäftsberichte des vergangenen Jahres der insgesamt 30 DAX-Unternehmen aus. Zu den Vorstandsvergütungen gibt es verschiedene Studien mit unterschiedlichen Berechnungsmethoden. Die Ergebnisse weichen daher auch teilweise deutlich voneinander ab.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. März 2021 um 13:45 Uhr.