Eine Gasflamme im Dunkeln. | picture alliance/dpa

Gaskrise Gasumlage wird rund 2,4 Cent betragen

Stand: 15.08.2022 12:47 Uhr

Rund 2,4 Cent pro Kilowattstunde soll die Gasumlage von Oktober an betragen. Für Gaskunden bedeutet das Mehrkosten. Ob auch noch die Mehrwertsteuer auf die Umlage hinzukommt, ist noch nicht klar.

Die Gasumlage wird von Oktober an bei 2,419 Cent pro Kilowattstunde Gas liegen. Das teilte die verantwortliche Trading Hub Europe GmbH mit. Auf Gaskunden in Deutschland kommen damit ab dem Herbst deutliche Mehrkosten zu.

Mit der Umlage sollen Gasversorger gestützt werden, die wegen der stark gedrosselten Gaslieferungen aus Russland nun anderswo Gas zu deutlich höheren Preisen einkaufen müssen. Sie haben eine Lieferpflicht gegenüber ihren Kunden, dürfen die Mehrkosten bislang aber nicht weitergeben. Mit der Umlage sollen bis zu 90 Prozent dieser Mehrkosten aufgefangen werden. So sollen Pleiten der Versorger und damit letztlich Lieferausfälle vermieden werden.

Umlage nicht sofort auf Rechnungen sichtbar

Die Umlage gilt zwar ab dem 1. Oktober, sofort bei den Verbrauchern ankommen wird sie aber nicht. Es gebe aus Verbraucherschutzgründen Ankündigungsfristen im Energiewirtschaftsgesetz von vier bis sechs Wochen, die eingehalten werden müssten, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Daher werde die Umlage wahrscheinlich erstmals im November/Dezember auf den Rechnungen auftauchen.

Kommt noch Mehrwertsteuer hinzu?

Bei einem vierköpfigen Haushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden pro Jahr schlägt die Umlage mit etwa 480 Euro pro Jahr zu Buche - ohne Mehrwertsteuer.

Ob die auf die Umlage gezahlt werden muss, ist noch nicht geklärt. Die Bundesregierung hat bei der EU um eine Ausnahmeregelung gebeten, um keine Mehrwertsteuer erheben zu müssen und die Belastung der Verbraucher so weiter zu erhöhen. Eine Antwort gebe es aber noch nicht, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in Berlin.

Weitere Entlastungen gefordert - auch unkonventionelle

Sebastian Dullien, Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, sagte, es brauche jetzt weitere Entlastungen für Privathaushalte - auch mit unkonventionellen Mitteln: "Neben erneuten staatlichen Einmalzahlungen im Winter wäre es jetzt zielführend, den Vorschlag eines Preisdeckels für einen Grundverbrauch von Gas für die Privathaushalte schnell umzusetzen", sagte Dullien. Ein subventionierter Grundverbrauch würde nicht nur zu niedrigeren Gasrechnungen für die Haushalte führen, sondern auch die Inflationsrate dämpfen.

Experten rechnen außerdem damit, dass durch die Umlage und wegfallende Entlastungen wie das 9-Euro-Ticket die Inflation wieder angeheizt wird. Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, rechnet mit einem Anstieg um rund einen Prozentpunkt, womit die Inflationsrate auf deutlich über neun Prozent steigen dürfte.

Regierungssprecherin: neue Entlastungen geplant

Die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann bekräftigte, dass die Regierung neue Entlastungen plane, wenn die Gasumlage fällig werde. "Die Bundesregierung sieht, dass da erhebliche Mehrbelastungen auf die Menschen in diesem Land zukommen", sagte Hoffmann.

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte ein Entlastungspaket angekündigt, in dem neben Steuererleichterungen auch Maßnahmen beim Wohngeld und Bürgergeld vorgesehen sind sowie Leistungen für Studierende und Rentner sowie Menschen, die für ihre Arbeit nur einen geringen Lohn bekommen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. August 2022 um 12:00 Uhr.