Ein Mitarbeiter der Firma "Enovos Storage GmbH" steht auf dem Gelände des Gasspeichers in Frankenthal (Rheinland-Pfalz) hinter Rohren einer Verdichteranlage. | dpa

Energiebranche Zwölf Unternehmen wollen die Gasumlage

Stand: 22.08.2022 14:54 Uhr

Ein Dutzend Energiefirmen wollen die neue Gasumlage in Anspruch nehmen. Insgesamt geht es um 34 Milliarden Euro. Aber brauchen wirklich alle Unternehmen das Geld aus der Umlage unbedingt?

Nun ist die Liste der Energieunternehmen, die die Gasumlage nutzen wollen, offiziell: Laut Gemeinschaftsunternehmen Trading Hub Europe, das heute eine entsprechende Aufstellung veröffentlichte, haben sich zwölf Unternehmen der Branche für die Nutzung der Umlage registrieren lassen. Unter ihnen sind Uniper, die EnBW-Tochter VNG, der Versorger EWE, Wingas, die zur ehemaligen Gazprom Germania, jetzt Sefe, gehört sowie die WIEH GmbH.

Außerdem sind einige ausländische Unternehmen auf der Liste: Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV, das schweizerische Energiehandelsunternehmen Axpo sowie der niederländisch-schweizerische Rohstoffhändler Vitol und sein Schweizer Wettbewerber Gunvor. Hinzu kommen die Schweizer Unternehmen DXT Commodities und Enet Energy. 

Insgesamt geht es laut Bundeswirtschaftsministerium um Ansprüche von insgesamt rund 34 Milliarden Euro, die über die Gasumlage erstattet werden sollen.

RWE und Shell verzichten auf Umlage

Auch der Energiekonzern RWE hat sich für die Umlage registrieren lassen, aber bereits angekündigt, die Gelder nicht in Anspruch nehmen zu wollen. RWE erklärte dazu heute: "Ja, wir sind dort formal gelistet, haben aber keinen finanziellen Schaden dort gemeldet beziehungsweise geltend gemacht. Wir tragen wie bekannt die Verluste selber."

Eine Sprecherin sagte, dass mit der Registrierung formal ein Rechtsanspruch bestehe. RWE plane aber "auch keine Geltendmachung in der Zukunft". Im ersten Halbjahr hatte RWE 2,8 Milliarden Euro verdient - über ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum.

So funktioniert die Gasumlage

Erhoben wird die Gasumlage bei allen Verbrauchern, die mit Gas heizen: Sie müssen ab dem 1. Oktober 2,4 Cent mehr pro Kilowattstunde bezahlen, egal von welchem Versorger sie ihr Gas beziehen. Es müssen also auch Kunden derjenigen Unternehmen die Umlage zahlen, die sie gar nicht Anspruch nehmen.

Die Einnahmen aus der Umlage werden an die Gasimporteure verteilt, um ihre höheren Kosten bei der Gasbeschaffung auszugleichen, weil die russischen Lieferungen so stark gedrosselt sind - und sie das Erdgas anderswo einkaufen müssen. Die Firmen mussten sich im Vorfeld bei der Trading Hub Europe registrieren lassen - aktuell sind zwölf Unternehmen registriert. Wie viel die einzelnen Unternehmen ausgezahlt bekommen, hängt von der Höhe der geltend gemachten finanziellen Ausgleichsansprüche ab.

Profiteure der hohen Energiepreise

Auch Shell verzichtet auf die Nutzung der Gasumlage. Das teilte eine Sprecherin in der vergangenen Woche mit. "Shell und RWE haben sich offenbar bewusst gegen eine Gasumlage entschieden, um nicht öffentlich angreifbar zu werden", sagte Jörg Scheyhing, Geschäftsführer der Energieberatungsfirma ECG, gegenüber tagesschau.de. Bei anderen Gas-Importeuren wie VNG gehe es um viel Geld: "Da können sie nicht einfach darauf verzichten."

Allerdings profitieren gerade die ausländischen Energieunternehmen derzeit von den hohen Öl-, Gas- und Strompreisen. Sie haben im ersten Halbjahr ihren Gewinn zum Teil um bis zu 200 Prozent steigern können.

Risiko laut Vorstandschef "nicht existenziell"

Auch bei einigen deutschen Antragsstellern ist Experten zufolge fraglich, ob sie auf die Gasumlage wirklich angewiesen sind. Der Gasimporteur VNG erlitt zwar in den ersten sechs Monaten dieses Jahres Verluste, gehört aber zum Energieversorger EnBW. Und dieser machte im ersten Halbjahr einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro. EnBW-Chef Frank Mastiaux erklärte jüngst im "Handelsblatt", es sei unwahrscheinlich, dass VNG in eine Schieflage wie Uniper geraten könne. Das Risiko sei zwar "nicht klein, aber auch nicht existenziell".

Auch der Oldenburger Versorger EWE ist profitabel. Im abgelaufenen Geschäftsjahr verdienten die Niedersachsen operativ rund 355 Millionen Euro. Zudem hat EWE mit der Investmentgesellschaft Ardian einen finanzstarken Partner. Ardian hält 26 Prozent am Versorger.

Kritik der Verbraucherschützer

Verbraucherschützer übten Kritik an Unternehmen, die die Gasumlage in Anspruch nehmen wollen, ohne sie zu benötigen. Die Chefin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), Ramona Pop, warnte davor, die falschen Firmen zu stützen. "Die Bundesregierung hat eindeutig formuliert, dass sie mit der Gasumlage Insolvenzen verhindern will, die Absicherung von Gewinnen auf Kosten der Verbraucher aber ausgeschlossen werden soll", sagte sie im "Handelsblatt". Es sei dringend geboten, dass denjenigen Unternehmen, "die trotz sprudelnder Gewinne von der Umlage profitieren wollen, keine Unterstützung gewährt wird". Es dürfe nicht sein, dass Verbraucher die Gewinne und Dividenden von Unternehmen finanzieren.

Teure Alternativ-Lieferungen

Theoretisch konnte jedes Unternehmen, das russisches Gas importiert, den Antrag auf die Gasumlage stellen. In Deutschland kamen nach Schätzung von Experten wie Scheyhing bis zu 20 Unternehmen in Frage.

Gas-Importeure sind derzeit gezwungen, wegen der deutlich gedrosselten russischen Lieferungen teure Alternativen einzukaufen, um ihre Verträge einzuhalten. Um Schieflagen zu vermeiden und letztlich die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, können sie ab Oktober 90 Prozent der so entstehenden Zusatzkosten weiterreichen. Diese sollen über die Gasumlage auf alle Endkunden verteilt werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. August 2022 um 18:00 Uhr.