Anlagen einer Erdgasverdichterstation | dpa

Nach Gazprom-Ankündigung Gaspreis steigt deutlich

Stand: 22.08.2022 17:01 Uhr

Der Großhandelspreis für Gas ist abermals deutlich gestiegen. Getrieben wurde der Preis von der Gazprom-Ankündigung, die Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 Ende August für drei Tage zu unterbrechen.

Der Gaspreis ist im Tagesverlauf in der Spitze um 18 Prozent auf 292,50 Euro je Megawattstunde geklettert. Schon am Morgen war der Preis in die Höhe geschossen. Nur in der Zeit unmittelbar nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine war der Preis für das in Europa gehandelte Erdgas für kurze Zeit höher und hatte Anfang März einen Spitzenwert von mehr als 300 Euro erreicht.

Der Preis für den europäischen Gashandel richtungsweisende Terminkontrakt TTF an der Energiebörse in Amsterdam war bereits in der vergangenen Woche deutlich gestiegen und bei knapp 251 Euro gehandelt worden. Mittlerweile hat sich der Preis für die Lieferung im September auf 271 Euro stabilisiert. Im gleichen Zeitraum vor einem Jahr wurde im Großhandel für eine Megawattstunde Gas noch knapp 27 Euro fällig.

Kein Gasfluss zwischen 31. August und 2. September

Getrieben wurde der Preis von der am Freitag veröffentlichten Ankündigung des russischen Energiekonzerns Gazprom, die Gaslieferungen nach Europa durch die Pipeline Nord Stream 1 erneut zu unterbrechen. Die Ostseepipeline soll laut dem Unternehmen zwischen dem 31. August und 2. September gewartet werden. In der Zeit werde kein Gas fließen, teilte der russische Konzern mit.

Nach Abschluss der Wartungsarbeiten sollen russischen Angaben zufolge wieder täglich 33 Millionen Kubikmeter Erdgas geliefert werden - solange es keine technischen Probleme gebe. Das entspricht den 20 Prozent der täglichen Maximalleistung, auf die Russland die Lieferung schon vor einigen Wochen verringert hat.

Lage bleibt angespannt

"Wenn die bereits vor der Krise beschafften Energiemengen der Energieversorger verbraucht sind, werden sie zu den aktuellen Rekordpreisen an der Börse einkaufen müssen", sagte Steffen Suttner, Geschäftsführer vom Vergleichsportal Energie CHECK24 zu den gestiegenen Energiepreisen.

Der Gesamtspeicherstand in Deutschland liegt laut Bundesnetzagentur derzeit bei 79,5 Prozent. Vorgesehen ist, dass die Speicher zum 1. Oktober zu 85 Prozent und zum 1. November zu 95 Prozent gefüllt sind. Einen Füllstand von 95 Prozent zum 1. November werde man kaum hinkriegen, sagte Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller in der vergangenen Woche. Die Versorgungssicherheit ist aktuell jedoch weiter gewährleistet. Die Lage bleibe aber angespannt - eine weitere Verschlechterung der Situation könne nicht ausgeschlossen werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. Juli 2022 um 10:00 Uhr.