Broker an der New Yorker Börse (Archiv) | JUSTIN LANE/EPA-EFE/REX
Marktbericht

Fünfter Verlusttag Zinsangst nimmt zu

Stand: 13.06.2022 22:13 Uhr

Bisher waren die Aktienmärkte mit der Erwartung steigender Zinsen noch relativ souverän umgegangen. Das hat sich seit Freitag geändert. DAX und Dow gingen in die Knie.

Eine Phase steigender Zinsen ist für Aktienmärkte stets eine Belastung. Diese Last wiegt umso schwerer, je unklarer Tempo und Ausmaß der Zinssteigerungen sind. Seit Bekanntwerden des überraschenden Anstiegs der US-Inflation um 8,6 Prozent im Mai am vergangenen Freitag hat die Unsicherheit wieder zugenommen: Wird die amerikanische Notenbank Federal Reserve auf ihrer Sitzung am Mittwoch die Zinsschraube noch stärker anziehen als bisher erwartet? Bisher hatten die Märkte eine Zinserhöhung von 0,5 Prozentpunkten eingepreist. Mittlerweile erwarten einige Marktteilnehmer aber einen drastischeren Schritt von 0,75 Prozentpunkten.

Die Spekulationen darüber belasteten die Wall Street auch in der neuen Woche. Der Leitindex Dow Jones rutschte um weitere 2,8 Prozent ab. Die zinssensitiven Technologiewerte an der Nasdaq standen noch stärker unter Druck. Der Nasdaq 100 brach um 4,6 Prozent ein.

Auch der deutsche Aktienmarkt präsentierte sich schwach. Der DAX büßte weitere 2,4 Prozent ein. Mit dem fünften Tagesminus in Folge verzeichnet der Index die längste Verlustserie seit Februar. "Die Kombination aus einer kollabierenden Konsumlaune, unerwartet hohem Preisdruck und der Erwartung von Aktionismus der Fed ergibt einen besonders toxischen Cocktail", schrieben die Analysten der Rabobank.

Steigende Zinsen sind Gift für die Aktienmärkte, machen sie doch Aktien im Vergleich zu Anleihen weniger attraktiv. Außerdem fürchten Investoren, dass die US-Notenbank mit drastischen Zinserhöhungen die Konjunktur abwürgt. "Obwohl sie den Spielraum hatte, bewegte sich die Fed 2021 erstmal gar nicht und dann nur im Schneckentempo", kritisiert Patrick Franke von der Helaba. Das räche sich nun: Die schnellere, stärkere Straffung berge erhebliche Rezessionsrisiken für 2023 und 2024.

Hoffen auf den "Turnaround Tuesday"

Technisch gesehen ist der DAX angeschlagen. So hat er nicht nur sein ehemaliges Rekordhoch aus dem Jahr 2017 bei 13.534 Punkten unterschritten, sondern kurzzeitig auch sein Tief aus dem Mai unterschritten.

In diesem Bereich um 13.380 Punkte sehen Markttechniker eine wichtige Haltezone. Das lässt zumindest ein Innehalten der Abwärtsbewegung erwarten. Tatsächlich hat es in der Vergangenheit an den Börsen häufig Kurseinbrüche gegeben, die ihren Ausgangspunkt an einem "Panic Friday" nahmen und sich in einem "Black Monday" fortsetzten. Der darauf folgende "Turnaround Tuesday" bietet aus statistischer Sicht eine Chance auf eine Wende nach oben.

Euro nähert sich 1,04 Dollar

An den Devisenmärkten bleibt der "sichere Hafen" US-Dollar weiter gefragt. Im Gegenzug gab die europäische Gemeinschaftswährung weiter nach und rutschte unter die Marke von 1,05 Dollar. Damit summieren sich die Kursverluste im Euro seit Mitte letzter Woche auf über 3 Cent.

Große Goldvorkommen in Uganda entdeckt

Ein starker Dollar geht in der Regel einher mit einem schwachen Goldpreis. Die Feinunze Gold kostete am Abend 1821 Dollar und damit drei Prozent weniger als am Freitag. Im ostafrikanischen Uganda sind nach Angaben eines Regierungssprechers große Goldvorkommen entdeckt worden. In verschiedenen Regionen des Landes seien Golderzvorkommen mit einem geschätzten Gesamtumfang von mehr als 31 Millionen Tonnen gefunden worden, so der Sprecher. Es werde geschätzt, dass aus diesen Vorkommen mehr als 320.000 Tonnen reines Gold gefördert werden können. Wann die Förderung beginnen soll, blieb aber unklar.

Bitcoin so billig wie seit Dezember 2020 nicht mehr

Die globale Flucht der Anleger aus dem Risiko spiegelt sich auch an den Kryptomärkten wider. Der Kurs des Bitcoin ist zum Wochenauftakt unter die Marke von 24.000 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Dezember 2020 gefallen. Zuvor hatte der Kurs der Digitalwährung wochenlang um die Marke von 30.000 Dollar gependelt.

"Bitcoin könnte charttechnisch als nächstes die 19.000 USD-Marke anlaufen", so Analyst Salah-Eddine Bouhmidi von IG Markets. Tiefere Notierungen machten den Weg bis zur 12.000-Dollar-Marke frei.

Brenntag erhöht Prognose

Ein Lichtblick und gleichzeitig der größte Gewinner im DAX war Brenntag: Der Chemikalienhändler hat nach dem guten Jahresstart seine Prognose erhöht. Wegen der bis dato anhaltenden positiven Ergebnisentwicklung erwartet das Management im Gesamtjahr nun ein um Sondereffekte bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 1,75 bis 1,85 Milliarden Euro. Bisher hatte der DAX-Konzern ein operatives Ergebnis von 1,45 bis 1,55 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. In der Prognose seien erwartete Effizienzsteigerungen des laufenden Sparprogramms und die Effekte bereits abgeschlossener Zukäufe enthalten.

Wacker Chemie zuversichtlicher

Auch Wacker Chemie ist besser ins Jahr gestartet als gedacht. Der MDAX-Konzern kündigte am Abend an, "in den kommenden Wochen" seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr 2022 zu überarbeiten und nach oben anzupassen. Im zweiten Quartal dürfte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei etwa 600 Millionen Euro liegen, teilte das Unternehmen mit. Der Umsatz liegt demnach bei etwa 2,1 Milliarden Euro. Analysten rechnen Wacker zufolge derzeit mit einem Ebitda von 498 Millionen.

Deutsche Bank: Ende der Negativzinsen für Privatkunden naht

Bankkunden in Deutschland können auf ein Ende der Negativzinsen auf Giro- oder Tagesgeldkonto hoffen, sollte die EZB auf ihren Sitzungen im Juli und September wie erwartet den Satz der sogenannten Einlagenfazilität um jeweils 0,25 Prozentpunkte anheben. Voraussichtlich könne man ab Oktober vollständig auf die Erhebung des Verwahrentgelts für Privatkunden verzichten, so ein Sprecher des Geldhauses. Derzeit müssen Banken noch 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Gelder bei der EZB parken. Die Kosten dafür geben etliche Institute an ihre Kundinnen und Kunden weiter.

Post-Tochter DHL erhöht Paketpreise für Privatkunden

Die Post-Tochter DHL schraubt zum 1. Juli die Paketpreise für Privatkunden hoch. "Gestiegene Transport-, Zustell- und Lohnkosten sowie allgemeine Kostensteigerungen machen Preiserhöhungen im nationalen und grenzüberschreitenden Paketversand unumgänglich", begründete das Unternehmen den Schritt. Künftig gebe es bei den nationalen Paketsendungen auch keinen Preisvorteil mehr für online gekaufte Päckchen- und Paketmarken.

Bayer: Glyphosat-Entscheidung vertagt

Bayer muss sich in dem wegweisenden Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat weiter mit seinem Berufungsantrag beim obersten US-Gericht gedulden. Das Supreme Court der USA hielt sich heute bedeckt zur Frage, ob sich das Gericht des für viele andere US-Verfahren richtunggebenden Falls annimmt. Eigentlich hatten Beobachter mit einer raschen Entscheidung gerechnet. Der DAX-Konzern erhofft sich vom Supreme Court einen Befreiungsschlag im Dauerkonflikt um rechtliche Altlasten, die sich die Leverkusener 2018 mit dem über 60 Milliarden Dollar teuren Kauf des US-Saatgutriesen Monsanto einbrockten. "Wir erwarten eine Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt", teilte Bayer in einem knappen Statement mit.

Rheinmetall: Sechs Marder-Schützenpanzer fertig

Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat nach eigenen Angaben die Modernisierung erster Schützenpanzer vom Typ Marder abgeschlossen. Sechs Fahrzeuge seien bereits "fertig", sagte ein Unternehmenssprecher. Die Ukraine wünscht sich von Deutschland zur besseren Ausrüstung im Abwehrkampf gegen Russland schwerere Waffen. Rheinmetall hatte die Lieferung der von der Bundeswehr ausgemusterten und wieder aufzubereitenden Marder angeboten.

Katar beteiligt Total an neuem LNG-Projekt

Katar hat dem französischen Energiekonzern Totalenergies eine 25-prozentige Beteiligung an einem neuen Projekt zugeteilt, mit dem das arabische Land seine Exportfähigkeit an Flüssigerdgas (LNG) erheblich steigern will. Die Exportmenge an LNG soll dadurch bis 2027 von 77 auf 110 Millionen Tonnen pro Jahr steigen.

Tesla kündigt Aktiensplit an

Mit dem US-Elektroautobauer Tesla hat ein weiteres großes US-Unternehmen einen Aktiensplit angekündigt, um seine Anteilscheine günstiger für Kleinanleger zu machen. Das von Tech-Milliardär Elon Musk geführte Unternehmen gab am Freitag nach US-Börsenschluss bekannt, dass der Verwaltungsrat einem Split im Verhältnis von drei zu eins zustimmen werde, wenn die Aktionäre dies bei der anstehenden Hauptversammlung befürworten.

FDA: BioNTech-Impfstoff für Kleinkinder sicher

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat die Sicherheit und Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs von BioNTech für Kinder im Alter von sechs Monaten bis vier Jahren bestätigt. Die Auswertung der Daten einer Studie habe keine Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit der Anwendung des Impfstoffs bei Kleinkindern ergeben. Die Wirksamkeit des Vakzins liege in der Altersgruppe einer ersten Analyse zufolge bei 80,3 Prozent. Auch der Impfstoff von Moderna war von der FDA für die Altersgruppe als sicher und wirksam eingestuft worden.

Apple bleibt wertvollstes Unternehmen

Laut dem aktuellen "Global Top 100"-Ranking der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC führt Apple mit einem Marktwert von 2,85 Billionen Dollar erneut die Rangliste der 100 wertvollsten Aktiengesellschaften der Welt an. Auf Platz zwei folgt Microsoft (Marktwert: 2,31 Billionen Dollar, Wertzuwachs: plus 30 Prozent). Mit geringem Abstand landet Saudi Aramco auf Platz drei (Marktwert: 2,29 Billionen Dollar, Wertzuwachs: plus 20 Prozent).