Ein Stapel Geldscheine | dpa

Geldanlage und hohe Teuerung Wie Erspartes durch die Inflation bringen?

Stand: 08.10.2022 09:32 Uhr

Die hohe Inflation hat zur Folge, dass Sparer gerade Geld verlieren - trotz steigender Zinsen. Doch mit einigen Tipps lässt sich der Schaden begrenzen. Wozu Experten raten.

Von Ingo Nathusius, hr

Geld durch Sparen zu verdienen, geht derzeit nicht. Angesichts erheblicher Inflation verlieren Sparerinnen und Sparer fortlaufend Geld. "Egal, was ich mache, ich schaffe den Inflationsausgleich nicht", sagt Max Herbst, Chef der FMH-Finanzberatung in Frankfurt am Main, "Die einzige Frage, die in diesen schwierigen Zeiten wirklich zählt, ist: Wie sicher ist mein Geld?" Herbst rät, flüssiges Geld bei einer bekannten deutschen Bank anzulegen. Durch die gesetzliche Einlagensicherung, gesonderte Sicherungssysteme der Banken und politische Unterstützung sei ein Ausfall unmöglich.

Ingo Nathusius

Der sogenannte "Realzins" zeigt, was beim Sparen übrigbleibt. Inflation und Sparzins werden verrechnet. Konkret: Aktuell beträgt die Inflation 10,0 Prozent. Für Gespartes sind 1,5 Prozent zu erzielen. Die Inflation nagt am Wert des Geldes, während gespart und verzinst wird. Nach einem Jahr kann man für das gesparte und verzinste Geld weniger kaufen - in der Beispielrechnung 8,5 Prozent weniger, weshalb der Realzins minus 8,5 Prozent beträgt.

Geparktes Geld bleibt am besten flüssig

Für Anlagen mit zwei Jahren Laufzeit werden ein paar Zehntel Prozent mehr Zins angeboten als für einjährige Laufzeit. "Ich würde immer ein Jahr wählen", sagt Herbst, "ein überschaubarer Zeitraum". Wenn der Krieg zu Ende ginge und Öl und Gas wieder flössen, sähe die Lage gleich ganz anders aus. Dann sollte man geparktes Geld flüssig haben, um es gut anlegen zu können. Auch Honorarberater Stefan Schießer aus Frankfurt am Main sagt: "Ich würde maximal ein, vielleicht auch eineinhalb Jahre sagen, aber länger nicht". Es bestehe die gute Chance, dass die Zinsen dann höher als heute seien.

Bei ausländischen Banken rät Herbst zur Vorsicht. Der höhere Zins einer griechischen Bank bringt unterm Strich kaum etwas. Wenn dort 0,55 Prozent mehr Zinsen geboten werden, bedeutet das bei einem Betrag von 50.000 Euro einen Unterschied von 275 Euro im Jahr. "Ich will nicht sagen, dass 275 Euro kein Geld sind", sagt Herbst, "Aber wenn man negative Nachrichten über Griechenland liest, kann man sich schlaflose Nächte sparen."

Eigentlich sind Privatanleger europaweit bis 100.000 Euro abgesichert. "Aber ist es tatsächlich so?", fragt Herbst. Wer will schon mühsame Verfahren in fremden Rechtskreisen durchstehen? Auch Robert Halver, Chef der Kapitalmarktanalyse der Baader Bank, warnt auch vor vermeintlich guten Zinsangeboten: "Der alte Börsenspruch gilt nach wie vor: keine Chance ohne Risiko. Das wird nicht funktionieren."

Aktien auf lange Sicht sinnvoll

Auf lange Sicht sind Aktien immer lohnend. Unternehmen müssen in einer Marktwirtschaft deutlich mehr Geld verdienen, als man es mit Staatsanleihen und Sparanlagen erreichen kann. Doch der Deutsche Aktienindex hat in einem Jahr fast ein Viertel verloren. Ob jetzt schon ein guter Zeitpunkt zum Einstieg ist, ist unklar. Börsenprofis trösten: Den idealen Zeitpunkt erreichen zu wollen, sei illusorisch.

Privatleute können über Aktiensparpläne jeden Monat auch kleine Beträge anlegen. Das geht über abgeleitete Wertpapiere (ETF), Fonds oder mit einzelnen Unternehmensaktien. Wer an die Börse geht, braucht Nerven und Durchhaltevermögen. Aktieninvestments sind nur auf lange Sicht sinnvoll. Wer in drei Jahren an sein Geld kommen muss, sollte es nicht in Aktien anlegen. "Es gibt eine Daumenregel, die lautet: Eine angemessene Aktienquote ist 100 minus das Lebensalter", sagt Berater Schießer. "Jemand, der 25 ist, hätte eine Aktienquote von 75 Prozent, die er investieren kann".

Freiwillige Zahlung an die Rentenversicherung als Option

Für Menschen, die kurz vor der Rente stehen, bedeutet das umgekehrt, dass sie besser deutlich weniger Erspartes an der Börse anlegen. Für sie hat Schießer einen Tipp: Ab dem 50. Lebensjahr kann man freiwillig Geld in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Das bringe, sagt Schießer, im Durchschnitt 2,0 bis 2,5 Prozent Jahreszins. "Bei vielen Kunden herrscht großes Erstaunen, wenn ich mit dem Thema komme", berichtet der Honorarberater, "Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass das bei einem normalen Berater kein Thema sein darf, weil der für den Rat keine Provision bekommt."                                                

Wer kann überhaupt Geld anlegen? Die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamtes gibt grobe Antworten. Danach haben nur die Zwei-Personen-Haushalte in der Durchschnittsbetrachtung kein Geld zum Sparen übrig. Betroffen dürften vor allem Alleinerziehende sein, die nur beschränkt arbeiten gehen können. Bei allen anderen Haushaltstypen, ob es Alleinlebende oder Vielpersonenhaushalte sind, bleibt in Deutschland in der Regel monatlich Geld übrig. Die Bankstatistik der Bundesbank zeigt, dass im August mehr als 550 Milliarden Euro auf deutschen Sparkonten lagen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. September 2022 um 14:00 Uhr.