Recep Tayyip Erdogan | via REUTERS

Schwarzes Meer Erdogan präsentiert riesigen Erdgasfund

Stand: 21.08.2020 17:38 Uhr

Einen so großen Erdgasfund wie jetzt im Schwarzen Meer gab es laut Präsident Erdogan in der türkischen Geschichte noch nie: Das Land könne damit zum Energie-Exporteur werden. Experten und die Börse sind allerdings weniger euphorisch.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den größten Erdgasfund in der Geschichte des Landes bekanntgegeben. Im Schwarzen Meer seien 320 Milliarden Kubikmeter Gas entdeckt worden, und es gebe Anhaltspunkte für weitere Funde in der Region.

Nun müsse die Erschließung und Ausbeutung geplant werden. Ziel sei eine Produktion ab 2023. "Es wird kein Halten geben, bis wir bei Energie zu einem Nettoexporteur werden", sagte Erdogan.

"So eine Entwicklung im Schwarzen Meer ist schwierig"

Für Experten werfen die Funde aber viele Fragen auf - gerade auch mit Blick auf das angepeilte Jahr 2023. Simon Schulte vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln sagte, die Frage sei zunächst, was die Erschließung und Förderung des Gases koste. "So eine Entwicklung im Schwarzen Meer ist schwierig." Schulte verwies auf einen großen Fund Rumäniens in der Nähe des jetzigen Fundortes im Jahr 2012. Der sei bis heute noch nicht vollständig entwickelt.

Der türkische Energieexperte Necdet Pamir sagte, es sei zu früh, die Größe des Vorkommens verlässlich anzugeben: "Das braucht monatelange Arbeit." Hohe Erwartungen könnten in Enttäuschung enden

An der Börse war man eher enttäuscht

Eray Güclüer, Wirtschaftsexperte an der Istanbul Universität, schätzt den Gasfund als sehr bedeutend ein: Die Entdeckung dieser Energievorkommen werde positive Auswirkung auf den Kurs der Türkischen Lira haben. "Das werden wir schon in Kürze spüren - und dann noch einmal, wenn begonnen wird, das Gas zu fördern." Die Notwendigkeit von Energieimporten werde sich dadurch erheblich verringern.

Nach Erdogans Verkündung der Gasvorkommen gab die türkische Lira aber zunächst nach. Vorherige Gewinne gingen vollständig verloren. Händler äußerten sich unzufrieden, weil die doppelte Menge an Erdgas erwartet worden war. Auch die Aktienmärkte gerieten unter Druck.

Weniger abhängig von teuren Importen

Die Türkei muss angesichts eines Mangels an eigenen Energiereserven einen Großteil des Bedarfs importieren. Sie ist einer der größten Abnehmer für russisches Erdgas. Sollten sich Erdogans Angaben bestätigen, wäre die Türkei tatsächlich weniger abhängig von diesen teuren Importen. Im vergangenen Jahr hatte sie dafür umgerechnet knapp 35 Milliarden Euro ausgegeben.

Erdogan betonte, mit der Gasförderung im Schwarzen Meer werde das Handelsbilanzdefizit der Türkei deutlich sinken. Für seine Regierung kommen die guten Nachrichten gerade recht. Sie hatte in den vergangenen Monaten deutlich an Zustimmung verloren.

Weiter Bohrungen vor Zypern

Anders als im Mittelmeer gibt es laut türkischer Regierung im Schwarzen Meer keine rechtlichen Konflikte mit anderen Staaten. Erdogan kündigte aber erneut an, auch die umstrittenen Bohrungen im Mittelmeer fortzuführen. Darüber gibt es derzeit einen Konflikt mit Griechenland und der EU, die das Gebiet für einen Teil ihrer Wirtschaftszone halten.

Mit Informationen von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. August 2020 um 16:00 Uhr.