Verschiedene Speisen sind in Schüsseln des Mehrweg-To-Go-Geschirranbieters Vytal zu sehen | picture alliance/dpa/Vytal

Einwegplastik verboten Gastronomie stellt um auf Mehrweg

Stand: 03.07.2021 08:41 Uhr

Bisher gehörten Milliarden Wegwerfbecher und jede Menge Plastikbesteck zum Alltag in Deutschland. Durch deren Verbot ändert sich für Kunden und Wirte nun einiges. Viele setzen auf Mehrwegsysteme.

Von Elke Schmidhuber, BR

Vor der Corona-Pandemie wurden stündlich allein rund 320.000 Einweg-Becher für heiße Getränke in Deutschland verbraucht, ein Großteil davon aus Kunststoff. Jede Menge Müll, der die Umwelt massiv belastet. Von heute an gilt daher EU-weit ein Verbot für den Verkauf von Einweggeschirr aus Plastik. Für die "To go"-Branche bedeutet das eine große Umstellung. Egal ob Strohhalm, Eislöffel, Kaffeebecher oder Styroporbox - alles muss ersetzt werden. Doch welches Geschirr ist künftig praktikabel?

Mehrere Pfandsysteme auf dem Markt

Zwar dürfen Hotels, Restaurants und Kantinen vorhandene Ware abverkaufen. Auch Einweggeschirr aus Naturprodukten wie beispielsweise Holz, Bambus oder Kartoffelstärke darf weiterhin genutzt werden. Doch viele Gastronomen nutzen den Anlass und wollen gleich auch ein Mehrweggeschirr "to go" anbieten. Während des Lockdown sind schon einige in Erprobung gegangen.

Gerade etablieren sich mehrere Pfandsysteme parallel, beispielsweise Recircle oder Rebowl. Der Gast hinterlegt dabei einen bestimmten Betrag, der je nach System und Verpackung zwischen einem Euro und zehn Euro variiert. Das Geschirr kann dann bei jedem angeschlossenen Partner zurückgegeben werden. Aber es gibt auch Mehrweggeschirr ohne Pfand. Vytal ist eines davon. Ein weiteres heißt Relevo. Dafür muss sich der Kunde aber bei der entsprechenden App anmelden und scannt anschließend den QR Code auf dem Geschirr, um es auszuleihen.

Sonja Obermeier ist Wirtin vom Klinglwirt in München-Haidhausen. Sie entschied sich bereits vor einem Jahr für ein Mehrweg-System. Das Geschirr wird mit dem Handy via QR-Code gescannt. Dann können die Kunden die Mehrwegboxen bei allen Restaurants zurückbringen, die dasselbe System nutzen. Der Vorteil: Für die Kunden ist dieses Mehrwegsystem kostenlos - vorausgesetzt, sie geben das Geschirr binnen einer bestimmten Frist wieder zurück. Wenn nicht, wird es teuer: Denn der Kunde kann via QR-Code gefunden werden und bekommt das Geschirr in Rechnung gestellt.

Verschiedene Gefäße des Mehrweg-To-Go-Geschirranbieters Recircle | picture alliance / Franziska Kra

Es gibt bereits mehrere Pfandsysteme für Mehrweggeschirr, darunter auch Recircle. Bild: picture alliance / Franziska Kra

Mehr Arbeit und höhere Kosten durch Mehrweg

Wirtin Obermeier hat schon jetzt Mehrkosten: Das Pfandsystem ist teurer als die Einwegverpackungen aus Pappe. Sie zahlt für das Mehrweggeschirr zirka 30 Cent, also das Dreifache dessen, was eine Einwegverpackung aus Pappe sie bisher kostete. Sie rechnet vor, dass bei einem Gericht mit Beilagensalat schon zwei Verpackungen gebraucht würden. "Aber uns ist es das halt wert, weil wir mit unserem Biokonzept voll hinter dem Nachhaltigkeitsschema stehen, und es funktioniert im Ablauf bei uns tatsächlich sehr gut."

Unterm Strich bedeutet Mehrweg also mehr Kosten, denn es ist im Einkauf teurer als Einweg. Es bedeutet auch mehr Arbeit - etwa bei der Reinigung, aber auch bei der Verwaltung des Pfandsystems. Hinzu kommt, dass Mehrweggeschirr voluminöser ist und deshalb mehr Platz für die Lagerung benötigt wird.

Mehrweg lohnt sich - vor allem für die Umwelt

Egal ob für Kunden oder Gastronomen: Mehrweg bedeutet einen Mehraufwand, der sich allerdings für die Umwelt lohnt, denn laut Herstellerangaben ersetzt eine Mehrwegverpackung mindestens 100 Einwegverpackungen. Jeder Becher zählt, denn oft landet der Verpackungsmüll in Parks, an Stränden, aber auch in den Straßen. Das ist mit hohen Kosten bei der Müllentsorgung verbunden, denn dort muss er extra aufgesammelt und weggebracht werden. Kosten, die letztendlich jeder Bürger mit der Abfallgebühr bezahlt. Mehrwegpfandsysteme sollen das Müllaufkommen künftig verringern. Denn durch den Geldeinsatz sollen die Verbraucher animiert werden, das Geschirr mitzunehmen und zurückzubringen.

Außerdem landen jedes Jahr weltweit mehrere Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren. Rund 85 Prozent des Mülls im Meer besteht aus Kunststoffen. Auch Nord- und Ostsee sind betroffen. Im Wasser wird der Plastikabfall mit der Zeit zu kleinsten Teilchen zerrieben. Er verbleibt auf unbestimmte Zeit in unserer Umwelt und gelangt auch auf diesen Umweg wieder zurück in den menschlichen Körper. Der Müll ist die Ursache für den qualvollen Tod vieler Meereslebewesen, die versehentlich Plastik verschlucken. Die Müllflut bedroht die Lebensräume in den Meeren, sie beeinträchtigt aber auch den Erholungswert für den Menschen in der Natur.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 09. Januar 2021 um 15:07 Uhr.