Abgase strömen aus dem Auspuff eines Autos. | Bildquelle: dpa

Nachrüstung für Dieselautos Daimler und VW wollen schnellere Lösungen

Stand: 16.11.2018 16:00 Uhr

Im Streit um Diesel-Nachrüstungen sind es nun offenbar die Autohersteller, die das Bundesverkehrsministerium quasi überholen wollen. Daimler und VW wollen die Technik schneller anbieten, als bislang geplant.

In immer mehr deutschen Städten drohen im kommenden Jahr Fahrverbote oder sind bereits beschlossene Sache. Zuletzt ordnete ein Gericht auch für Essen und Gelsenkirchen Verbote für ältere Dieselautos auf einigen Straßen an. Das setzt vor allem auch die Autokonzerne unter Druck, Lösungen für die betroffenen Autobesitzer zu finden. Daimler und VW wollen Informationen des Rechercheteams des Bayerischen Rundfunks und des "Spiegel" zufolge vor allem in puncto Hardware-Nachrüstungen schneller vorankommen, als bislang in Aussicht gestellt.

Daimler will schnell loslegen

Vor allem Daimler will offenbar zügig Nägel mit Köpfen machen. "Im Interesse der Kunden werden wir dazu beitragen, dass schnell Transparenz darüber geschaffen wird, welche Hardware-Lösungen von Drittanbietern angeboten werden und zu welchem Zeitpunkt", teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Der Konzern hat deswegen unter anderem mögliche Zulieferer der benötigten Technik und den ADAC für den 29. November zu einem so genannten "Techniktag Hardware-Nachrüstung" eingeladen.

In einem dem BR und dem "Spiegel" vorliegenden Schreiben teilt Daimler mit, man werde den Nachrüstern "Informationen zur Verfügung stellen", um Lösungen für die Hardware-Nachrüstung "entwickeln und anbieten zu können". Der Konzern will den spezialisierten Betrieben deswegen "Zugang zu notwendigen Hardware-Komponenten ermöglichen, soweit diese Komponenten bereits anderweitig in Abgasanlagen" eingesetzt worden sind.

Bereits am Mittwoch waren Vertreter des TÜV mit potenziellen Herstellern der Nachrüstungstechnik zusammengekommen, um erstmals technische Details zu besprechen. Für Irritation hat dabei nach Angaben von Gesprächsteilnehmern allerdings gesorgt, dass diese Sitzung ohne einen Vertreter des Bundesverkehrsministeriums stattgefunden hat. Nach Ansicht eines Unternehmensvertreters sei das "fahrlässig".

Nicht alle Autos für Nachrüstung geeignet

Es war Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, der sich vor rund anderthalb Wochen nach seinem letzten Dieselgipfel den Erfolg zugeschrieben hatte, einen Kompromiss mit den Autoherstellern erreicht zu haben: Mit bis zu 3000 Euro wollen die Hersteller demnach die Nachrüstungen fördern. VW und Daimler hatten zuvor einen Zuschuss von 2400 Euro zugesichert. BMW gab bislang keine Zusage, die Kosten der Hardware-Nachrüstung mittragen zu wollen. Doch Scheuer grenzte auch ein: Die Technik für die Nachrüstung werde frühestens ab 2020 zur Verfügung stehen.

Aus Sicht von Daimler und VW offenbar zu spät. Auch VW steht eigenen Angaben zufolge bereits mit Anbietern der benötigten Hardware-Technik in Kontakt. Allerdings meldeten die Autokonzerne selbst Einschränkungen an: VW etwa soll dem Bundesverkehrsministerium bereits mitgeteilt haben, dass für die meisten Diesel eine Hardwarenachrüstung nicht in Betracht komme, da in den Fahrzeugen der Bauraum fehle. Bei den Dieselautos der Schadstoffklasse Euro 5 etwa ist eine Nachrüstung nach Angaben von VW und Daimler bei der Hälfte der Fahrzeuge möglich.

Mit Informationen von Arne Meyer-Fünffinger, BR

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 16. November 2018 um 21:05 Uhr.

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