Ein Schneidrad für zwei Tunnelvortriebsmaschinen wird aufgerichtet | Bildquelle: picture alliance / Benjamin Beyt

Zahlen für 2019 Deutsche Wirtschaft schafft nur ein Mini-Plus

Stand: 15.01.2020 10:51 Uhr

Die gute Nachricht: Die deutsche Wirtschaft wächst immer noch, das zehnte Jahr in Folge. Die schlechte Nachricht: So gering war das Wachstum seit sechs Jahren nicht mehr. Eine Branche hat ein besonders hartes Jahr hinter sich.

Handelskonflikte, kriselnde Autobranche und Brexit-Chaos wirken sich auch auf die deutsche Wirtschaft aus. Sie ist 2019 so langsam gewachsen wie seit sechs Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt der größten Volkswirtschaft Europas legte nur noch um 0,6 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt bekannt gab. Ein kleineres Plus gab es zuletzt 2013 mit 0,4 Prozent. 2018 hatte es noch zu 1,5 Prozent gereicht, 2017 sogar zu 2,5 Prozent.

Zehn Jahre Wachstum

Man kann diese Entwicklung aber auch positiv sehen: Die deutsche Wirtschaft sei im zehnten Jahr in Folge gewachsen, das sei die längste Wachstumsphase im vereinten Deutschland, betonten die Statistiker. 2019 habe das Wachstum aber an Schwung verloren.

Ein Mitarbeiter prüft den Lack einer Karosserie eines Porsche Macans in der Lackiererei im Werk Leipzig. | Bildquelle: dpa
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Die Autobranche steht vor einem Strukturwandel. Das führt zu Unsicherheiten.

Privater Konsum und Bauboom

Quelle des Wachstums war im vergangenen Jahr laut Statistik vor allem der Konsum. Die gerne als "Kauflust der Verbraucher" betitelten privaten Konsumausgaben waren 1,6 Prozent höher als im Vorjahr. Hinzu kam der anhaltende Bauboom - hier wurde 3,8 Prozent mehr investiert als ein Jahr zuvor. Auch die Konsumausgaben des Staates, zu denen unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter der Mitarbeiter zählen, legten den Angaben zufolge zu.

Steiniges Jahr für die Industrie

Ein hartes Jahr hat hingegen die exportorientierte deutsche Industrie hinter sich. Die Handelsstreitigkeiten und das Drama um den Brexit verunsicherten Kunden und bremsten Investitionen. Deutsche Schlüsselbranchen wie der Auto- und Maschinenbau sowie die Elektro- und Chemieindustrie bekamen das deutlich zu spüren. Die Industrie rutschte deswegen sogar im Jahresverlauf in eine handfeste Rezession.

Der Außenhandel fiel unter anderem deswegen als Wachstumstreiber aus. Nach den vorläufigen Berechnungen legten die Importe mit plus 1,9 Prozent stärker zu als die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen mit lediglich 0,9 Prozent.

Staat erzielt fettes Plus

Von der trotz allem noch wachsenden Wirtschaft und den anhaltend niedrigen Zinsen profitiert weiterhin auch der Staat, wenn auch nicht mehr so stark wie noch 2018. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung nahmen zusammen 49,8 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben. 2018 hatte es einen Rekordüberschuss von gut 62 Milliarden Euro gegeben. Die Summe entspricht diesmal einem Überschuss von 1,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes nach 1,9 Prozent 2018. Ein Defizit hatte Deutschland zuletzt 2011 verbucht.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. Januar 2020 um 11:15 Uhr.

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