Der Satellit Aeolus ist nach dem griechischen Gott der Winde benannt.

BDI stellt Forderungen Wirtschaft will in Weltraum

Stand: 22.10.2019 12:17 Uhr

Der BDI will einen eigenen Weltraumbahnhof in Deutschland. Um bei der Kommerzialisierung des Weltraums mitzuhalten und den Anschluss nicht zu verpassen, müsse die Politik reagieren.

Von Ute Spangenberger, SWR

Vergangenes Jahr noch erntete der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Häme und Spott, als er sein Luft- und Weltraumprogramm „Bavaria One“ vorstellte. Vom ersten Bayern auf dem Mond war die Rede, von einer Polit-Satire, die doch nicht ernst zu nehmen sei. ​

Mit der „Berliner Weltraumerklärung“ hat nun allerdings der Industrieverband BDI für Deutschland eine weitere Initiative gestartet: Deutschland soll sich fit machen für den Weltraum. Raumfahrt sei heute, 50 Jahre nach der Mondlandung, viel mehr als nur Prestige, Wissenschaft oder Raketen, so der BDI:​ "Die zunehmende Kommerzialisierung der Raumfahrt, New Space genannt, ist dabei eine große Chance. Deutschland ist ein Hightech-Land, eine führende Exportnation und die viertgrößte Volkswirtschaft der Erde", heißt es in der Erklärung. ​

Was folgt ist ein Katalog mit acht Vorschlägen, wie Deutschland weltraumfit gemacht werden könnte. Unter anderem sollten die politischen Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass Kleinsatelliten von Deutschland aus starten können.

Konkret hieße das: Verabschiedung eines nationalen Weltraumgesetzes und Bau eines privaten "Micro Space-Ports" in Deutschland. Von einer Art Weltraumbahnhof könnten dann kleine Trägerraketen mit Satelliten starten.​

Eine Vega-Trägerrakete startet auf dem europäischen Weltraumbahnhof Kourou mit einem ESA-Erdbeobachtungssatellit an Board.
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Senkrechtstarts mit großen Raketen wie hier am europäischen Weltraumbahnhof Kourou wird es in Deutschland nicht geben - das Land ist einfach zu dicht besiedelt.

Weltraum als Wirtschaftsraum ​

Hinter dem Vorstoß steht die Erkenntnis, dass es im Weltraum viel Geld zu verdienen gibt. Dabei geht es nicht um bemannte Mond- und Marsmissionen, sondern um den erdnahen Weltraum als Wirtschaftsraum: durch den Einsatz von Satelliten, weltallgestütztes Internet oder durch finanzkräftige Touristen.​ Die deutsche Industrie fürchtet, bei diesen Entwicklungen den Anschluss zu verpassen und will deshalb Druck machen. Doch um im Weltall tatsächlich kommerzielle Interessen verfolgen zu können, fehlen Regeln und Infrastruktur. ​

Weltraumbahnhof braucht Weltraumgesetz​

Der ehemalige Astronaut Ulrich Walter, Professor für Raumfahrt an der TU München, greift die Debatte um einen deutschen Weltraumbahnhof auf. Ein Problem bei dem deutschen Weltraumbahnhof sei, dass es kein Weltraumgesetz gebe, um das möglich zu machen. "Die Deutschen haben im Gegensatz zu anderen Ländern kein Weltraumgesetz in Gang gebracht. Konkret: Die Schweden wollen einen Weltraumbahnhof in Kiruna bauen, die Engländer bauen gerade zwei Stück in England, die Portugiesen bauen einen in Madeira."

Wenn Deutschland ein ernstzunehmender Akteur sein wolle, sagt Walter weiter, müsse der Gesetzgeber zunächst die Grundlagen schaffen: "Sie wollen in den Weltraum fliegen und müssen dafür durch den Luftraum. Aber das dürfen sie gar nicht, weil der Luftraum nur für Luftfahrzeuge reserviert ist. Zweitens: Wenn sie in den Weltraum fliegen und etwas passiert - welche Regeln gelten denn dann?"​

Eingang des Flughafens Nordholz
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Käme als Sitz für einen deutschen Weltraumbahnhof in Frage: Der Flughafen Cuxhaven/Nordholz

Vorstellungen von einer Art Cape Canaveral in Deutschland erteilt Walter eine klare Absage. Am Beispiel des ehemaligen Militärflugplatzes Nordholz an der Nordsee erklärt er, was er für vorstellbar hält - und was nicht:​ "Wir bauen Nordholz zu einem Weltraumflugplatz aus." Das würde heißen: Man fliege mit Flugzeugen zuerst in große Höhen über die Nordsee und erst von dort gehe es hoch in den Weltraum - also kein Raketenbahnhof wie Kourou (Anm. d. Red.: Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana), sondern horizontal starten mit Flugzeugen. "Sowas ließe sich von Nordholz aus machen", meint er.

Für den entsprechenden Ausbau von Nordholz, schätzt Walter, müsse man rund 50 Millionen Euro veranschlagen.​ Walter macht auch klar: Für Startrampen und Senkrechtstarts ist Deutschland ungeeignet: "Für nicht ungefährliche Raketenstarts ist Deutschland einfach zu dicht besiedelt."

Gesetzliche Eckpunkte ​

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier reagierte in einem Zeitungsinterview. Er werde Anfang kommenden Jahres "Eckpunkte für ein Weltraumgesetz" vorlegen: "Raumfahrt begeistert viele Menschen und sichert Tausende Arbeitsplätze in Deutschland. In der Satellitentechnik sind wir führend. Deshalb werde ich den Vorschlag des BDI für einen Weltraumbahnhof gerne prüfen."​

Der BDI schlägt zudem vor, das nationale Raumfahrtbudget von 285 auf mehr als 700 Millionen Euro zu erhöhen und eine deutsche Astronautin 2024 mit zum Mond fliegen zu lassen.​ Zumindest der letzte Vorschlag wird wohl nur Wunschdenken bleiben. US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, 2024 wieder auf dem Mond landen zu wollen. Dabei soll eine US-Astronautin als erste Frau den Fuß auf die Mondoberfläche setzen. Es ist praktisch ausgeschlossen, dass bei der prestigeträchtigen Mission überhaupt ein nicht-amerikanischer Astronaut mit dabei sein wird.​

Über dieses Thema berichtete NDR 1 Radio MV am 21. Oktober 2019 um 16:00 Uhr.

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