Der Schriftzug "Wir schließen!" steht hinter einem Rollgitter an einem geschlossenen Geschäft (Archivbild). | dpa

Experten zu Corona-Krise Insolvenzwelle ab dem Herbst?

Stand: 15.06.2020 12:11 Uhr

Trotz des Konjunktureinbruchs gab es im ersten Halbjahr weniger Insolvenzen. Grund sind vorübergehende staatliche Gegenmaßnahmen. Nach deren Ende aber dürfte es laut Experten eine wahre Insolvenzwelle geben.

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform befürchtet wegen des von der Corona-Krise ausgelösten Konjunktureinbruchs eine Insolvenzwelle in der zweiten Jahreshälfte. Wenn die Insolvenzantragspflicht ab Ende September nicht mehr ausgesetzt sei, werde sich die Zahl der Anträge deutscher Unternehmen erheblich erhöhen.

Staatliche Maßnahmen verhindern Insolvenzen noch

Im ersten Halbjahr verringerte sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in der Bundesrepublik zwar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch einmal um 8,2 Prozent auf 8900 Fälle. Die Lage bei den Insolvenzen habe sich damit aber von der tatsächlichen Situation abgekoppelt, betonten die Creditreform-Experten. Hier machten sich vor allem die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bemerkbar.

Die Insolvenzwelle sei damit aber nur vertagt worden. Das Risiko einer deutlichen Zunahme an Insolvenzen in der zweiten Jahreshälfte und im kommenden Jahr steige.

Noch kein Effekt bei Verbraucherinsolvenzen

Kaum einen Effekt der Corona-Krise sieht Creditreform bislang bei den Verbraucherinsolvenzen. Deren Anzahl verringerte sich in den ersten sechs Monaten weiter um 6,4 Prozent auf 30.800. Die schwieriger werdende Situation auf dem Arbeitsmarkt werde sich aber mit Verzögerung auch bei den Verbraucherinsolvenzen bemerkbar machen, prognostizierten die Experten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Juni 2020 um 12:00 Uhr.