Bauzaun mit Firmenlogo des AutozulieferersContinental vor der Baustelle der neuen Konzernzentrale in Hannover | Bildquelle: dpa

1800 Arbeitsstellen in Gefahr Continental will weiteres Werk schließen

Stand: 15.09.2020 15:28 Uhr

Corona-Pandemie und Absatzkrise führen zu verstärktem Jobabbau in der Autoindustrie. 1800 Beschäftigte könnte es den Arbeitsplatz kosten, wenn der Autozulieferer Continental 2021 sein Reifenwerk in Aachen schließt.

Continental hat angekündigt, wegen der Absatzkrise und des Strukturwandels in der Autoindustrie noch mehr Standorte zu schließen als bisher bekannt. In Aachen soll bis Ende 2021 das Reifenwerk die Arbeit einstellen, bestätigte das Dax-Unternehmen. Die Gewerkschaft IG BCE hatte die Information zuvor herausgegeben.

1800 Stellen wären von der Maßnahme betroffen. Endgültig beschlossen sei dies aber noch nicht.

Der mit hohen Verlusten kämpfende Zulieferer hatte erst Anfang September angekündigt, seinen laufenden Sparkurs und Konzernumbau zu verschärfen. Die Reifensparte gilt bisher allerdings auch noch als vergleichsweise profitabel.

"Streichen um des Streichens Willen"

Von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie kam daher heftige Kritik an den Plänen. Vorstandsmitglied Francesco Grioli sagte:

"Der Kahlschlag ist weder mit der Transformation der Autoindustrie zu begründen, noch mit der Corona-Krise. Das ist schlicht Streichen um des Streichens Willen."

Autobauer hatten ihre Fabriken im zweiten Quartal rund um die Welt wochenlang gestoppt, weil auch die Autohäuser wegen der Coronavirus-Gefahr schließen mussten und die Händler keine Fahrzeuge verkaufen konnten. Abrufe bei den Zulieferern wurden ebenfalls auf Eis gelegt.

Continental will Reifenwerk in Aachen schließen
nachtmagazin 00:15, 17.09.2020, Richard Derichs, WDR

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Abhängigkeit von Autoproduktion

Conti hängt aber nicht nur mit Autozulieferteilen direkt von der Autoproduktion ab, sondern auch im Reifengeschäft mit der Erstausstattung neuer Autos. Am stärksten waren die Umsatzeinbrüche des Hannoveraner Unternehmens im Geschäft unter anderem mit Elektronik, Sensorik und Bremssystemen, aber auch in der Antriebssparte.

Das Geschäft mit Reifen und Kunststofftechnik kam etwas glimpflicher davon. Es verzeichnete aber ebenfalls einen starken Dämpfer mit minus einem Drittel.

Kürzungspläne an mehreren Standorten

Im Rahmen seines Spar- und Umbauprogramms hatte das Management gerade seine Kürzungspläne konkretisiert und verschärft. An etlichen bedrohten Standorten geht es bisher aber vor allem um andere Geschäftsbereiche. Für das Werk Babenhausen in Hessen etwa hatte Continental bereits im vergangenen Jahr angekündigt, die dortige Produktion von Steuerungsinstrumenten für Pkw bis 2025 zu beenden.

Das Werk in Karben mit 1100 Beschäftigten steht nach Angaben der Arbeitnehmervertreter ebenfalls auf der Streichliste - entschieden war dort nach Unternehmensangaben zuletzt aber noch nichts.

Im thüringischen Mühlhausen will sich Conti ebenso vom dortigen Standort trennen. Geplant ist die Schließung des Werks bis Ende 2022. Im bayerischen Roding soll 2024 die Produktion eingestellt werden.

Weltweit Tausende Jobs auf Prüfstand

Auch in Italien und den USA stehen Werke auf dem Prüfstand. Nach dem letzten Stand ging das Unternehmen davon aus, dass es global Auswirkungen auf 30.000 der über 232.000 Arbeitsplätze gibt. "Das heißt, sie werden dabei verändert, verlagert oder aufgegeben." 13.000 der fraglichen Jobs seien in Deutschland angesiedelt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. September 2020 um 15:15 Uhr.

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