Arbeiter in einer chinesischen Brauerei | Bildquelle: AFP

Chinas Wachstum stockt Immer mehr hausgemachte Probleme

Stand: 18.10.2019 14:20 Uhr

Sechs Prozent Wirtschaftswachstum - für China ist es das niedrigste Ergebnis seit 27 Jahren. Und der Trend deutet weiter nach unten. Schuld daran ist aber nicht nur der Handelskonflikt mit den USA.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

China sehe sich mit "wachsenden Risiken und Herausforderungen im Inland und Ausland konfrontiert", sagte Mao Shengyong, der Sprecher der chinesischen Statistikbehörde. Damit verweist er einerseits auf den US-chinesischen Handelskonflikt, für den es nach wie vor keine echte, langfristige Lösung gibt.

Zum anderen räumt Chinas Statistikbehörde damit zumindest verklausuliert ein, dass es auch hausgemachte Wirtschaftsprobleme gibt. Analysten verweisen etwa auf die schwächelnde Binnennachfrage in China, auf die steigende Schuldenlast und auch auf die Probleme bei der Produktivität. Denn diese hat sich in China in den vergangenen Jahren viel langsamer verbessert, als es das Wirtschaftswachstum vermuten lässt.

Mao Shengyongs Lösungsansatz für Chinas Wirtschaftsprobleme: "Wir müssen uns an die Leitlinien von Staats- und Parteichef Xi Jinping halten und an seine Ideen von der 'neuen Ära des Sozialismus mit chinesischen Merkmalen'." Man müsse sich noch stärker der Dringlichkeit und Verantwortung bewusst sein, um China weiter nach vorne zu bringen. "Wir müssen das Wachstum stabilisieren und die Konjunkturentwicklung in einen vernünftigen Rahmen bringen."

Für europäische Ohren mögen solch hohle Phrasen mit Verweisen auf die ideologischen Leitlinien des Staatschefs kurios und gewöhnungsbedürftig klingen. In China allerdings hört man sie seit einiger Zeit wieder häufiger. Das zeigt: Der Einfluss der kommunistischen Staatsführung auf die Wirtschaft des Landes nimmt in vielen Bereichen wieder zu.

Kunden in einem Kaufhaus in Peking | Bildquelle: AP
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China verzeichnet eine schwächelnde Binnennachfrage - und eine steigende Schuldenlast.

Ausstieg aus dem staatlich gepushten Wachstum

Nach Ansicht einiger Analysten steckt in dem relativ niedrigen Quartalswachstum von 6,0 Prozent auch etwas Positives. Die Zahl zeige, dass sich Chinas Staatsführung langsam verabschiede vom schuldenfinanzierten, künstlichen Hochtreiben der Wirtschaftsleistung, etwa durch teure Infrastrukturprojekte.

Das sagt zum Beispiel Michael Pettis, Finanzprofessor an der Peking-Universität. Und im Bezug auf die schuldenfinanzierten Wachstumstreiber geht er sogar noch einen Schritt weiter: "Nach meiner Ansicht wäre es am Besten, wenn wir im vierten Quartal eine Wachstumsrate von unter sechs Prozent bekämen." 5,9 Prozent etwa halte er für erstrebenswert. Dann könne die Führung in Peking für das kommende Jahr ein politisches Wachstumsziel von 5,5 Prozent oder sogar noch niedriger ausgeben. "Denn je schneller Chinas Führung ihre politischen Wachstumsziele runterbekommt, desto eher bekommt sie ihre Schuldenlast in den Griff."

Zweifel an staatlichen Statistiken

Worauf viele Analysten außerdem wieder einmal hinweisen: Chinas Staatsführung frisiere Wirtschaftsstatistiken systematisch nach oben. In Wirklichkeit liege die Wachstumsrate noch deutlich unter den heute bekannt gegebenen sechs Prozent.

China: Wachstum im dritten Quartal fällt auf 6,0 Prozent
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
18.10.2019 09:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell am 18. Oktober 2019 um 12:38 Uhr.

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