Neuwagen von BMW und Daimler | Bildquelle: dpa

Autohersteller und der Brexit Notfallpläne im Handschuhfach

Stand: 26.09.2018 15:49 Uhr

Europäische Autobauer stecken aus Sorge vor Handelsbarrieren nach dem Brexit Millionen in Notfallpläne. Die Bundesregierung forderte die Finanzbranche auf, sich auf einen ungeordneten EU-Austritt vorzubereiten.

Autokonzerne stecken in Großbritannien aus Sorge vor Handelsbarrieren nach einem ungeordneten Brexit immer mehr Geld in Notfallpläne. Um die punktgenaue Lieferung von Zehntausenden Bauteilen in den Fabriken weiter sicherzustellen, legen die Unternehmen Einzelteile auf Halde, schreiben Arbeitspläne um, holen EU-Genehmigungen ein und halten nach riesigen Parkarealen sowie Lagern Ausschau.

Mit Parkplätzen für Lastwagen sowie Lagerhallen auf beiden Seiten des Ärmelkanals will etwa BMW weiter einen reibungslosen Ablauf sicherstellen. Bereits vergangene Woche hatte der Münchner Autobauer angekündigt, sein Werk für den Kleinwagen Mini im englischen Oxford unmittelbar nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union für vier Wochen zu schließen.

Brexit-Pläne kosten BMW Millionen Pfund

Mit der vorgezogenen Sommerpause rüstet sich BMW gegen mögliche Lieferengpässe bei einem Brexit ohne Folgeabkommen mit der EU. Zudem investieren die Bayern in ihre IT-Systeme, weil Autobauer mit einer Flut von Dokumenten und mit bürokratischen Hürden bei Einführung neuer Zölle rechnen. Einem Insider zufolge kosten allein BMW die Brexit-Pläne mehrere Millionen Pfund.

Der größte britische Autobauer, Jaguar Land Rover, hat bereits gewarnt, die Folgen für die Produktion seien noch nicht abschätzbar. Noch sei aber nicht entschieden, ob der heimische Branchenprimus sich etwa wie Rivale BMW durch eine Produktionspause mehr Luft für den Übergang verschaffen will.

McLaren bemüht sich unterdessen um EU-Zulassungen und will ebenfalls wichtige Bauteile lagern, um Engpässe zu vermeiden.

Nachteile für die EU bei neuen Handelsschranken

Britische Autokonzerne haben sich auch schon an Zulieferer gewandt und Konzepte für Verzögerungen in den Häfen gefordert. Während Konzerne mit Fabriken in Großbritannien um die weitere Fertigung bangen, fragen sich die Rivalen ohne Produktionsbänder vor Ort, wie sich der Zugang zu Europas zweitgrößtem Automarkt künftig gestalten wird.

Die britische Autoindustrie beschäftigt rund 850.000 Angestellte und gehört zu den wichtigsten Branchen im Land. Der Autosektor wurde immer wieder als Beispiel dafür angeführt, dass auch der EU bei neuen Handelsschranken in Folge eines "No-deal"-Szenarios Nachteile drohen.

Mehr als 85 Prozent der in Großbritannien verkauften Fahrzeuge werden importiert. Besonders gefragt sind Modelle von der Volkswagen-Gruppe, die nur Bentley-Modelle in Großbritannien baut. Größte Einzelmarke im Land ist Ford, die zwar Motoren auf der Insel produziert, aber keine Fahrzeuge.

Stärkung des Finanzplatzes Deutschland

Die Bundesregierung forderte die Finanzbranche eindringlich auf, sich auf das Szenario eines ungeordneten EU-Austritts Großbritanniens vorzubereiten. "Ein 'No-deal' wäre die schlechteste Lösung - trotzdem gebietet es die Vorsicht, dass wir uns auch darauf einstellen", sagte ein Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Die Vorbereitungen müssten in erster Linie von der Branche selbst getroffen werden.

Großbritannien will die EU am 29. März 2019 verlassen. Nach Angaben von Kukies bemüht sich die Bundesregierung darum, nicht nur Finanzdienstleister an den Finanzplatz Frankfurt zu locken, die London im Zuge des Brexit verlassen. Es gehe um die Stärkung des Finanzplatzes Deutschland als Ganzes.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 28. September 2018 um 17:48 Uhr.

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