Eine Boeing 777X | Bildquelle: AFP

Corona-Pandemie Boeing verzichtet auf Staatshilfen

Stand: 01.05.2020 11:35 Uhr

Dem angeschlagenen US-Flugzeugbauer Boeing ist in der Corona-Krise ein Befreiungsschlag gelungen. Boeing konnte über Anleihen 25 Milliarden Dollar eintreiben und muss damit keine staatlichen Hilfsgelder beantragen.

Der US-Flugzeugbauer Boeing hat sich mit einer riesigen Anleihe-Emission 25 Milliarden Dollar am Kapitalmarkt besorgt und will so in der Corona-Krise ohne die Hilfe des Staates auskommen. Eigentlich hatte der Airbus-Rivale Insidern zufolge nur 10 bis 15 Milliarden Dollar angepeilt, stockte die Anleihen aber wegen der hohen Nachfrage auf. Das Angebot umfasst demnach sieben Anleihetranchen mit Laufzeiten von drei bis 40 Jahren.

Liquidität wird weiter geprüft

Noch im März hatte Boeing angesichts der Krise ein Hilfspaket von der Regierung gefordert. Aber nun erklärte das Unternehmen: "Angesichts dieser Resonanz haben wir zurzeit keine Pläne, zusätzliche Mittel über den Kapitalmarkt oder die Angebote der US-Regierung aufzunehmen." Bis zum 1. Mai hätte der Flugzeugbauer Ansprüche anmelden müssen, wenn er sich aus einem 17 Milliarden Dollar schweren Topf des Finanzministeriums für Unternehmen bedienen hätte wollen.

Dennoch bleibt man vorsichtig: "Wir werden unsere Liquiditäts-Situation weiter prüfen, je nachdem wie sich die Gesundheitskrise und unser dynamisches Geschäftsumfeld entwickeln", teilte Boeing weiter mit.

Quartalsverlust und Streichung von Arbeitsplätzen

Der Konzern hatte am Mittwoch einen Quartalsverlust von 641 Millionen Dollar gemeldet. Der Umsatz schrumpfte im ersten Quartal des Jahres um 26 Prozent auf 16,91 Milliarden Dollar. In den ersten drei Monaten 2019 hatte Boeing noch einen Gewinn von mehr als zwei Milliarden Dollar eingefahren und knapp 23 Milliarden Dollar Umsatz gemacht. Konzernchef David Calhoun bestätigte zudem die geplante Streichung von zehn Prozent der Arbeitsplätze.

Die 737 Max-Reihe Boeings ist vom Verkaufsschlager zum Ladenhüter geworden. | Bildquelle: AFP
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Boeing kämpft immer noch mit den Folgen von zwei Abstürzen seines Erfolgsmodells Boeing 737 MAX, das seither nicht mehr fliegen darf.

Brachliegender Flugverkehr

Mit der Corona-Pandemie droht den Flugzeugbauern ein großer Teil ihres Geschäfts wegzubrechen. Viele Airlines weltweit kämpfen wegen des weitgehend brachliegenden Flugverkehrs ums Überleben und brauchen auf absehbare Zeit keine neuen Maschinen. Wie Airbus hat Boeing deshalb die Produktionskapazitäten deutlich gedrosselt.

Schon vorher eine schwere Krise

Das Unternehmen war schon vor der Coronavirus-Pandemie wegen der Sicherheitsprobleme bei der Boeing 737 MAX in eine schwere Krise gerutscht. Nach zwei Abstürzen von Maschinen dieses Typs mit insgesamt 346 Todesopfern wurde vor mehr als einem Jahr ein weltweites Flugverbot verhängt. Unklar ist, wann die Maschinen wieder starten können.

Sollte Boeing später seinen "Investment Grade"-Status verlieren und die Anleihen von den Ratingagenturen als "Ramsch" eingestuft werden, bekommen die Anleger einen Risikoaufschlag. Bei S&P wird Boeing seit Mittwoch nur noch eine Stufe über dem "Ramsch"-Status klassifiziert. Arrangiert wurde die Emission von den Investmentbanken Citigroup, Bank of America, J.P. Morgan und Wells Fargo

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Mai 2020 um 12:00 Uhr.

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