Mitarbeiter eines Anlagenbauers arbeiten an einem Gasbrennkessel | dpa

Corona-Folgen für Konjunktur Wirtschaft bricht um fünf Prozent ein

Stand: 14.01.2021 13:25 Uhr

Deutschlands Wirtschaft ist wegen der Corona-Krise 2020 um fünf Prozent geschrumpft. Der Einbruch fällt weniger stark aus als die Rezession in der Finanzkrise 2009. Für 2021 rechnet Wirtschaftsminister Altmaier weiter mit einem Aufschwung.

Deutschland ist durch die Beschränkungen der Corona-Krise tief in die Rezession gerutscht. Laut einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamts ist die Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr um 5,0 Prozent eingebrochen. Kalenderbereinigt ergab sich sogar ein Einbruch von 5,3 Prozent. Stärker war die Wirtschaft nur während der globalen Finanzkrise 2009 geschrumpft, als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 5,7 Prozent sank.

Damit bestätigten die Statistiker, was seit dem Frühjahr klar ist: dass Deutschland im vergangenen Jahr in eine tiefe konjukturelle Krise geschlittert ist. Im März und April 2020 hatten infolge der Pandemie Teile der deutschen Wirtschaft faktisch stillgestanden. Ähnlich verhielt es sich in vielen anderen großen Volkswirtschaften, Grenzen wurden zeitweise geschlossen, Lieferketten rissen.

Auch wieder Haushaltsdefizit

Zwar setzte im Sommer eine Erholung ein, doch im Herbst gab es angesichts wieder steigender Infektionszahlen neue Beschränkungen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens. Die Grenzen blieben allerdings offen.

Erstmals seit 2011 verzeichnete Deutschland im Gesamtjahr wieder ein Haushaltsdefizit. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen gaben nach Angaben der Wiesbadener Behörde im vergangenen Jahr 158,2 Milliarden Euro mehr aus als sie einnahmen.

Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung lag das Defizit bei 4,8 Prozent. Das war das zweithöchste Defizit seit der deutschen Vereinigung, nur übertroffen vom Rekordminus des Jahres 1995, in dem die Schulden der Treuhand in den Staatshaushalt übernommen wurden.

"Dramatisch hohe Zahl"

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bezeichnete den Wirtschaftseinbruch um fünf Prozent als "dramatisch hohe Zahl". Es sei dabei nur ein schwacher Trost, dass dies zumindest weniger sei als zunächst gedacht.

Dass das Minus 2020 deutlich kleiner ausfiel als erwartet, sei neben der Widerstandskraft der deutschen Wirtschaft auch den milliardenschweren Hilfen der Bundesregierung zu verdanken. Der CDU-Politiker bekräftigte, die Bundesregierung werde weiterhin die erforderlichen finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, "um die deutsche Wirtschaft vor einem irreversiblen Substanzverlust zu bewahren".

Altmaier zeigte sich zuversichtlich, dass die Wirtschaft trotz der Corona-Pandemie im Jahr 2021 wieder auf Wachstumskurs geht. Er sei insgesamt überzeugt, dass das "Wachstum deutlich und spürbar sein wird". Eine genaue Prognose gab er nicht ab. Im Herbst hatte Altmaier für 2021 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland von 4,4 Prozent gerechnet.

Erholung in diesem Jahr

Ökonomen gehen mit Blick auf den fortgesetzten und verschärften Lockdown in Deutschland und anderen europäischen Ländern davon aus, dass sich die erwartete Erholung der Wirtschaft erst im zweiten und dritten Quartal des laufenden Jahres einstellen wird. Zum einen dürfte sich die aufgestaute Nachfrage auflösen, zum anderen wirken die vielen Hundert Milliarden schweren Hilfen der Regierung und der Europäischen Zentralbank unterstützend.

Das Jahr 2021 dürfte somit mit einem kräftigen Wachstum abschließen, auch wenn die Vorkrisenniveaus bei der gesamtwirtschaftlichen Aktivität erst gegen Ende des Jahres erreicht werden dürften.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Januar 2021 um 11:00 Uhr.