Eine Frau unterschreibt in einem Büro in Hamburg einen Arbeitsvertrag | Bildquelle: picture alliance / dpa Themendie

Studie zu Arbeitsverträgen Mehr befristete Jobs statt weniger

Stand: 13.06.2019 14:56 Uhr

Die GroKo hat sich vorgenommen, die Zahl der "sachgrundlosen Befristungen" von Jobs zu reduzieren. Tatsächlich sinkt die Zahl aber nicht, sondern steigt. Arbeitsmarktforscher bewerten das aber gar nicht so negativ.

Die Zahl der Arbeitnehmer, die nur einen befristeten Arbeitsvertrag haben, ist laut einer Studie weiter gestiegen. Demnach waren im vergangenen Jahr 3,2 Millionen Menschen zeitlich befristet beschäftigt - so viele wie nie seit 1996. Seitdem erhebt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) - eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit - diese Daten.

Prozentual gesehen waren damit 8,3 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse befristet. Zehn Jahre zuvor hatte dieser Wert noch bei 7,6 gelegen, 20 Jahre zuvor bei 5,1.

Gegenteilige Entwicklung, als von der GroKo angestrebt

Interessant ist auch ein Blick auf ein Detail der Statistik - nämlich die Art der Befristung. Arbeitgeber haben grundsätzlich zwei Möglichkeiten, wenn sie einen Arbeitsvertrag nicht auf Dauer abschließen wollen: Sie können dies sachlich begründen - etwa wenn es um eine Vertretung während einer Elternzeit geht oder der Bedarf für die Tätigkeit nur vorübergehend besteht. Diese Begründung muss dann aber im Zweifelsfall auch vor Gericht Bestand haben.

Häufig nutzen Arbeitgeber stattdessen die zweite Möglichkeit: die "sachgrundlose Befristung", die für die Dauer von zwei Jahren zulässig ist. Union und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag Anfang 2018 eigentlich vereinbart, diese Befristungen künftig einzuschränken. So soll nach den GroKo-Plänen die Dauer auf eineinhalb Jahre begrenzt werden, Firmen mit mehr als 75 Beschäftigten sollen nur noch maximal 2,5 Prozent der Belegschaft sachgrundlos befristen dürfen.

Die Entwicklung läuft allerdings in die gegenteilige Richtung. Deutlich mehr als die Hälfte aller Befristungen wurden 2018 ohne Nennung eines Sachgrundes ausgesprochen - 14 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die IAB-Forscher vermuten, dass Arbeitgeber verstärkt diese Variante wählen, um das Risiko eines Rechtsstreits auszuschließen.

Für die IAB-Forscher überwiegen die Vorteile

Durch die Befristung laufen Arbeitnehmer zwar grundsätzlich Gefahr, nach Ablauf der zwei Jahre wieder arbeitslos zu sein. Nach Einschätzung von Christian Hohendanner vom IAB überwiegen aber die Vorteile: "Befristete Verträge werden häufig als verlängerte Probezeit genutzt und führen nicht selten in unbefristete Beschäftigung."

So habe im Jahr 2018 die Übernahmequote unbefristet Beschäftigter mit 44,2 Prozent den höchsten Stand seit der ersten Messung im Jahr 2009 erreicht. Befristet Beschäftigte profitierten offensichtlich von der guten Konjunktur. "In vielen Betrieben stellte sich zuletzt weniger die Frage, wie Personal im Zweifelsfall freigesetzt, sondern wie es rekrutiert und gehalten werden kann", heißt es im Bericht der IAB-Forscher.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in den Nachrichten am 13. Juni 2019 um 14:00 Uhr.

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