Dürreschäden in den Weinbergen der Domaine de la Tour Beaumont in Beaumont Saint Cyr. | picture alliance/dpa/MAXPPP

Hitze und Trockenheit Französische Winzer ziehen Weinlese vor

Stand: 12.08.2022 10:13 Uhr

In den französischen Weinanbaugebieten ist die Reife weiter fortgeschritten als üblich, die Ernte beginnt vorzeitig. In Deutschland warnt Bauernpräsident Rukwied vor Ernteeinbußen durch die anhaltende Trockenheit.

In Frankreich startet die Weinlese in diesem Jahr wegen der Hitze vorzeitig. In allen Anbaugebieten sei die Reife laut dem französischen Agrarministerium weiter fortgeschritten als zu dieser Zeit üblich. Auch die Ernte beginnt daher früher.

Im Languedoc-Roussillon im Süden Frankreichs begann die Weinlese teilweise bereits Ende Juli, wie das Ministerium mitteilte. Landesweit starte die Ernte zehn Tage bis drei Wochen früher als gewohnt, berichtete auch die Zeitung "Le Parisien". "In mehr als 30 Jahren habe ich mit der Weinlese noch nie am 9. August begonnen", sagte der südfranzösische Weinbauer und Branchenvertreter Jérôme Despey der Zeitung. Ein Berufskollege ergänzte, alle seien überrascht gewesen, wie schnell die Reife der Trauben in den letzten Tagen vorangeschritten sei.

Gute Erträge erwartet

Die französischen Winzer können mit guten Erträgen rechnen. Es werden zwischen 42,6 und 45,6 Millionen Hektolitern erwartet. Die Erträge liegen damit aller Voraussicht nach im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre, so das französische Agrarministerium.

Im vergangenen Jahr hatte eine Frostperiode im Frühjahr zu historisch schlechten Erträgen geführt. Ein Schädlingsbefall sorgte für zusätzliche Einbußen. In diesem Jahr bremse das Klima die Verbreitung von Schädlingen, Einbußen wegen Frost drohten nur im Südwesten Frankreichs in der Charente, teilte das Ministerium mit. Im Elsass könne ausbleibender Regen zu einem geringeren Gewicht der Trauben führen.

Krisenstab wegen Dürre

Beeinträchtigt werden kann die Weinlese nach Einschätzung der Experten noch, falls sich Trockenheit und große Hitze fortsetzten. Die französische Regierung hat wegen der schweren Dürre einen Krisenstab eingesetzt. "Diese Dürre ist die schlimmste, die jemals in unserem Land verzeichnet wurde", teilte das Büro von Premierministerin Elisabeth Borne vergangene Woche mit.

Die extreme Trockenheit könne noch zwei Wochen lang anhalten oder sich sogar noch verschlimmern. Für Landwirte im ganzen Land und für die Umwelt sei die Dürre eine "Katastrophe". Gestern wurden in Frankreich Temperaturen von knapp 40 Grad erreicht, sie sollen bis Sonntag anhalten.

Bauernverband warnt vor Ernteeinbußen

In Deutschland warnte Bauernverband-Präsident Joachim Rukwied heute angesichts der Trockenheit abermals vor Ernteausfällen und höheren Preisen. "Im Moment kämpfen wir an vielen Fronten. Die Düngemittelpreise sind vier Mal höher wie vor einem Jahr. Die Energiekosten sind doppelt so hoch. Die Futterkosten haben zugenommen", sagte der Präsident des Verbandes Joachim Rukwied der Nachrichtenagentur dpa. Wenn es nicht demnächst durchgehend regne, dann seien dort Ertragseinbußen von 30, 40 Prozent zu befürchten.

Die Getreideernte sei zwar für dieses Jahr auf der Zielgeraden, aber die Ernten der Herbstkulturen - Kartoffeln oder Zuckerrüben etwa - stünden noch aus. "Ich will nicht ausschließen, dass insbesondere Kulturen, die im Herbst geerntet werden, noch Preissteigerungen erfahren", sagte Rukwied. "In Summe belastet natürlich die Witterungssituation unsere Betriebe."

Klimaveränderung beeinträchtigt langfristig

Die Grasnarbe sei in einigen Regionen braun. "Da wächst überhaupt nichts nach." Einige Betriebe müssten deshalb bereits Winterfuttervorräte zufüttern, da sie kein Grünfutter mehr schneiden könnten. Zwar richte sich die Landwirtschaft laut Rukwied mit wasser- und bodenschonenden Verfahren auf trockenere und heißere Sommer ein. "Aber letztendlich ist eben zu befürchten, dass durch die Klimaveränderung wir zukünftig nicht mehr das Ertragsniveau der 90er Jahre beispielsweise erreichen können."