Ein Mädchen trinkt Wasser in der Nähe des Kolosseums in Rom. | REUTERS

Extreme Wetterverhältnisse Hitzerekorde und Wassermangel in Italien

Stand: 01.07.2022 10:04 Uhr

Dürre, Hitze und Waldbrände: Italien ächzt unter extremen Wetterverhältnissen, mit dramatischen Folgen. Vielerorts muss Wasser rationiert werden, in der Toskana sind bereits 30 Prozent der Ernte verloren.

Von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

Mittagshitze auf dem Petersplatz, aber trotz der 36 Grad ist der Römer Francesco mit dem Fahrrad unterwegs: "Es ist kein Problem mit der Hitze in Rom rumzulaufen. Im Gegenteil, es ist sogar schöner." Einer anderen Passantin ist es bereits zu viel: "Ein paar Grad weniger wäre schon besser." Seit Wochen ist es heiß in der Hauptstadt, nun werden die Temperaturen in vielen Gebieten Italiens erneut an die 40 Grad erreichen, so die Prognosen.

Elisabeth Pongratz ARD-Studio Rom

Wasser muss rationiert werden

Angesichts der Hitze ist Wasser besonders wichtig. Doch Italien leidet unter extremer Trockenheit, der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio macht sich große Sorgen: "In einigen Gebieten ist es nicht ausgeschlossen, dass das Wasser - das rationiert werden muss - zuweilen auch tagsüber abgestellt wird." Durchschnittlich 215 Liter Wasser pro Tag verbraucht ein Mensch in Italien, europaweit sind es nur 125 Liter. Eingerechnet wird dabei die Bewässerung in der Landwirtschaft, der Verbrauch in der Industrie und die Stromherstellung. 

Und das verlorene Wasser. Denn viele Leitungen sind leck, erläutert Curcio: "Wir haben Wasserleitungen, die bis zu 70 oder 75 Prozent Wasser verlieren. Es liegt auf der Hand, dass man eine Ressource nicht zu 70 Prozent verschwenden kann. Ich denke, dass dies wirklich ein Anreiz sein sollte, alle an einen Tisch zu bringen, um über die Infrastruktur zu reden."

Pegel von Flüssen und Seen gefährlich niedrig

Bereits das Frühjahr war zu warm und es hat zu wenig geregnet. Das Regenwasser, so rechnet Curcio vor, ist um die Hälfte weniger als im Durchschnitt der letzten Jahre, beim Schnee sind es sogar 70 Prozent. Deshalb ist der Po, der längste Fluss Italiens, so trocken wie seit mindestens 70 Jahren nicht mehr. Die Pegel aller Flüsse und Seen sind gefährlich niedrig. Städte und Gemeinden verschärfen ihre Maßnahmen. In Mailand und Padua sind die großen Brunnen abgestellt, privates Autowaschen ist verboten.

In der Emilia-Romagna in der Gemeinde Castenaso bei Bologna dürfen die Friseure den Kunden nur noch einmal die Haare waschen. Die Reaktionen der Kundinnen und Kunden sind unterschiedlich: "Mit einer Wäsche werden meine Haare sauber, sie sind kurz. Aber bei langen Haaren ist das oft anders, wer weiß, wie das gehen soll", betonte eine Dame. An den Stränden wie etwa in Cogoleto in Ligurien sind die Duschen abgestellt, eine völlig neue Situation für den Bademeister: "Es ist noch nie passiert, dass wir die Dusche abstellen mussten. Die Gäste reagieren gut darauf. Hoffen wir, dass es regnet. Vielleicht in der Nacht, so können wir am Tag arbeiten."

Zahlreiche Wald- und Buschbrände

Wegen der Dürre und der Hitze häufen sich auch die Wald- und Buschbrände, früher als sonst. In der zweiten Juni-Hälfte zählte die Feuerwehr über 1000 Einsätze - mehr als zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr. Hart getroffen wird die Landwirtschaft. Allein in der Toskana sind bereits 30 Prozent der Ernten verloren - davon geht der Agrarverband Coldiretti aus. Die italienische Regierung arbeitet an einem Notfallplan.

Auf einer Pressekonferenz spricht Ministerpräsident Mario Draghi von der schwersten Wasserkrise der letzten 70 Jahre, zwei Gründe gebe es dafür:

Einmal ist es der Mangel an Regen in den vergangenen drei Jahren, wie auch allgemein die Erhöhung der Temperaturen infolge des Klimawandels. Ohne Frage ist das auch ein Effekt. Zum anderen gibt es mehrere strukturelle Ursachen wie etwa die schlechte Wartung der Stauseen und die schlechte Wartung des Netzes.

Neben einem Plan für den jetzigen Notstand will die Regierung bald die Mängel in der Infrastruktur angehen. Draghi spricht von einem großen Plan fürs Wasser. Vier Milliarden Euro sind dafür bereits vorgesehen, nun aber müssten die Mittel erhöht werden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. Juli 2022 um 08:05 Uhr.