Bahnreisende stehen vor dem Informationsschalter der Bahn | Bildquelle: dpa

Warnstreik der EVG Bahn stellt Fernverkehr bundesweit ein

Stand: 10.12.2018 08:47 Uhr

Wegen des Warnstreiks hat die Deutsche Bahn ihre Fernzüge bundesweit gestoppt. Bis 9:00 Uhr fahren keine ICE- und IC-Züge, auch der Regionalverkehr ist betroffen. Den ganzen Tag wird es Behinderungen geben.

Nichts geht mehr im Fernverkehr bei der Deutschen Bahn: Aufgrund des Streiks der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat die Bahn ihre ICE- und IC-Verbindungen eingestellt. Reisende werden dadurch auf eine harte Probe gestellt.

Schwerpunkte Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen

Seit dem frühen Morgen läuft der befristete Ausstand der EVG. Noch bis 9.00 Uhr sind bundesweit Fern- und Regionalzüge sowie S-Bahnen betroffen. In Bayern kam der Zugverkehr fast vollständig zum Erliegen. Nur die Stammstrecke der S-Bahn in München sei in Betrieb, sagte eine Bahnsprecherin. Auch in Nordrhein-Westfalen steht der Regionalverkehr weitgehend still. Es würden mehr als zwei Dutzend Stellwerke bestreikt, nur in einigen Landesteilen gebe es vereinzelt noch Zugverkehr, sagte ein Bahnsprecher der Agentur dpa.

Ähnlich ist die Lage in Hessen: Der Rhein-Main-Verkehrsverbund hatte schon am frühen Morgen den gesamten Betrieb für die neun S-Bahn-Linien eingestellt. Auch der Betrieb im Frankfurter Hauptbahnhof, einer der wichtigsten Bahnknotenpunkte bundesweit, wurde vorübergehend eingestellt.

Bahnreisende sprechen mit einem Mitarbeiter der Bahn | Bildquelle: REUTERS
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Chaos in Köln: Bahnreisende suchen Hilfe bei einem Mitarbeiter.

Bahn-Mitarbeiter gehen streikend durch den Hauptbahnhof | Bildquelle: dpa
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Bundesweit sind Bahn-Mitarbeiter im Ausstand.

Der Warnstreik trifft auch den Südwesten. "Es kommt zu sehr starken Beeinträchtigungen im gesamten Regionalverkehr", sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. "Im badischen Bereich ist der Regionalverkehr momentan mehr oder weniger eingestellt."

Erhebliche Auswirkungen gibt es auf die Berliner S-Bahn. Es gebe hier nur noch etwa ein Drittel des normalen Angebotes, sagte ein Sprecher. Fahrgäste in der Hauptstadt wurden aufgefordert, auf U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse auszuweichen. Die S-Bahn in Berlin gehört zur Deutschen Bahn.

Die Bahn richtete eine bundesweite Hotline ein: Unter 08000 996633 können sich Reisende über Ausfälle und Verzögerungen informieren.

Massive Einschränkungen am gesamten Tag

Zunächst hatte die Bahn erklärt, der Fernverkehr sei deswegen "bundesweit massiv eingeschränkt". Am frühen Morgen teilte sie mit, die Einstellung des Fernverkehrs werde ebenfalls bis 9.00 Uhr andauern. Darüber hinaus werde es aber während des gesamten Tages zu massiven Einschränkungen im Fernverkehr kommen, sagte ein Bahnsprecher. Er empfahl Reisenden dringend, ihre Reisen auf den Dienstag zu verschieben. Alle Tickets behielten ihre Gültigkeit, Zugbindungen seien aufgehoben - auch für den Dienstag.

Die Gewerkschaft hatte ihre Mitglieder in ganz Deutschland zum Ausstand aufgerufen und dabei keinen regionalen Schwerpunkt gesetzt. Der Grund des Warnstreiks: Die Gewerkschaft will im Tarifkonflikt mit der Bahn ihre Forderungen unter anderem nach mehr Lohn durchsetzen. Die Gewerkschaft fordert 7,5 Prozent mehr Geld. Die Deutsche Bahn hat nach eigenen Angaben ein "7-Prozent-Paket" vorgelegt.

Verhandlungen erst wieder bei verbessertem Angebot

Am Samstag hatte die EVG die Tarifverhandlungen für rund 160.000 Beschäftigten abgebrochen. Bei der Lohnerhöhung war der Konzern der Gewerkschaft aus deren Sicht nicht weit genug entgegengekommen. Die EVG will erst dann wieder verhandeln, "wenn die Bahn ein neues, verbessertes Tarifangebot" vorlegt. Der Konzern nannte den Warnstreik dagegen eine "überflüssige Eskalation" und rief die EVG auf, schon heute an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Die Bahn verhandelt in Hannover parallel mit der EVG und der Lokführergewerkschaft GDL. Die GDL will vorerst auf Streiks verzichten. Sollte mit der Bahn kein Kompromiss erreicht werden, ziehe die GDL Ausstände zum Jahresbeginn in Betracht. "Wenn, dann rappelt die Kiste im neuen Jahr", so GDL-Chef Claus Weselsky.

Wer will was im Tarifstreit?

Zwei Monate lang hatten die Bahn und die EVG über eine Tarifanpassung verhandelt. Die Gewerkschaft fordert 7,5 Prozent mehr Gehalt für die Mitarbeiter und den Ausbau eines Modells, bei dem die Angestellten zwischen einer Lohnerhöhung, Arbeitszeitverkürzung oder einem Plus an Urlaubstagen wählen können. Insgesamt geht es um 160.000 Beschäftigte.

Die Bahn hatte ein Angebot vorgelegt, das eine Entgelterhöhung in Höhe von insgesamt 5,1 Prozent in zwei Stufen und eine Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro vorsieht. Statt der zweiten Stufe der Gehaltserhöhung könnten die Angestellten auch eine Arbeitszeitverkürzung wählen. Außerdem bot die Bahn an, ihren Beitrag zur betrieblichen Altersvorsorge anzuheben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Dezember 2018 um 07:00 Uhr.

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