Interkommunales Hallenbad Geretsried | Lui Knoll

Allianz der Kommunen Gemeinsam gegen das Bädersterben

Stand: 18.09.2021 15:45 Uhr

Mit einem ungewöhnlichen Projekt stellen sich mehrere Städte und Kommunen in Bayern gegen den Trend zur Schließung von Schwimmbädern: Sie betreiben ein neues Bad zusammen - und teilen sich die Verluste.

Von Lui Knoll, BR

Rund 70 öffentliche Bäder schließen in Deutschland jedes Jahr. Sie stellen den Betrieb ein oder werden privatisiert, weil die Kosten den Kommunen über den Kopf wachsen.

Die "Schwimmfähigkeit" nimmt ab

Im Jahr 2000 gab es noch etwa 3500 Hallenbäder. Vor fünf Jahren waren es nur noch ungefähr 2300 Bäder, in denen Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum Planschen, Schwimmen oder Trainieren zusammenkommen. Die Folge: Die "Schwimmfähigkeit" der Gesellschaft nimmt ab, wie die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft DLRG sagt. Bereits 59 Prozent der 10-jährigen Kinder seien keine sicheren Schwimmer.

Ganz gegen den Trend also ist in Geretsried, rund 30 Kilometer südlich von München, gerade ein neues "interkommunales" Hallenbad eröffnet worden. Bereits 2017 hatten sich dazu im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zwei Städte und sechs Gemeinden zusammengeschlossen. Die Stadt Geretsried übernahm die Federführung, plante und baute das neue Hallenbad Geretsried.

Sportbecken und Sprungbereich

Ein Spaßtempel ist das neue Bad nicht. Wasser-Landschaften und Riesen-Rutschen für Kinder- und Jugendliche sucht man vergeblich. Aber als Schul - und Vereinsbad mit regelmäßigen Öffnungszeiten für die Bevölkerung eines halben Landkreises hat das Bad Zukunft. In zwei Hallen sind vier Schwimmbecken untergebracht. Es gibt ein 25-Meter-Sportbecken und einen Sprungbereich, ein Lehrschwimmbecken und ein Kinder-Planschbecken. 

Das Konzept funktioniert, weil die Gemeinden einer Region das kalkulierte Defizit für den Betrieb gemeinsam tragen. Das heißt für die Städte Geretsried und Wolfratshausen mit den umliegenden Gemeinden - insgesamt rund 70.000 Einwohner leben dort- , dass sie jährlich 750.000 Euro aufbringen müssen. 

Angebot auch für die Rettungsdienste

Öffentlichen Widerstand gibt es nicht, sagt Geretsrieds Bürgermeister Ludwig Müller von der CSU bei der Einweihung: "Die Bevölkerung will dieses Bad." Den Nutzen haben neben vielen Kindern, die hier das Schwimmen lernen werden, auch die Sportvereine, der Reha-Sport und die Rettungsdienste. Auch für die Wasserwacht-Gruppen, die am Starnberger See Menschenleben retten, bestehe jetzt im Winter eine Trainingsmöglichkeit, so Landrat Josef Niedermeier von den Freien Wählern.

Etwa 19 Millionen Euro haben die Partner in die neue Anlage investiert, der Freistaat Bayern unterstützt das Projekt mit 4,2 Millionen Euro. Betrieben wird es von den Stadtwerken in Geretsried. Die haben elf hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abgestellt, die den Badebetrieb organisieren. Das Modell könnte auch für andere Kommunen geeignet sein, die sich alleine ein Hallenbad nicht leisten wollen oder können.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 22. Juli 2021 um 22:15 Uhr.