Mercedes präsentiert auf der Automesse Peking ein neues Auto. | Bildquelle: AFP

Automesse in Peking Deutsche Hersteller zeigen Altbewährtes

Stand: 28.09.2020 11:13 Uhr

Groß, luxuriös, mit Benzinmotor - auf der Automesse in Peking zeigen deutsche Autobauer vor allem Altbewährtes. Chinesische Hersteller setzen dagegen vor allem auf Digitalisierung und Elektromobilität.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Daimler zeigt seine neuesten Autos in der in der Messehalle E4. Mercedes‘ China-Marketingmanager Duan Jian Jun stellt drei neue Autos vor: eine neue E-Klasse-Limousine, die neue S-Klasse und ein neues Modell aus der Kleinbus-V-Klasse. Der Wagen ist speziell für den chinesischen Markt konfiguriert: extralang, extra-starker Benzin-Motor und luxuriös ausgestattet.

"Mit unserer V-Klasse bekommen Sie mehr als nur ein Auto," schwärmt Duan auf der grell ausgeleuchteten Showbühne. Er wirkt in diesem Moment wie ein Motivationstrainer. "Dieses V-Klasse-Auto ist eine Lebenseinstellung. Damit können Sie allen zeigen, wie großartig Ihr Leben ist!"

Deutsche Firmen setzen auf Altbewährtes

Groß, luxuriös, stark motorisiert - darauf setzt Mercedes auf der China Auto Show dieses Jahr. Ähnliches gilt auch für die beiden anderen deutschen Auto-Konzerne BMW und Volkswagen. Sie setzen in erster Linie auf Altbewährtes, auf die Klassiker. So stellt Volkswagen-China-Chef Stephan Wöllenstein nicht VWs neues E-Auto ID.4 vor, sondern den neuen Golf.

BMW, Daimler und Volkswagen haben zwar alle mehr oder weniger große Elektro-Auto-Pläne für China. Geld verdienen sie in der Volksrepublik aber nach wie vor mit großen Benzin-Limousinen, SUVs und Sportwagen.

VW präsentiert auf der Automesse Peking den neuen Golf. | Bildquelle: REUTERS
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Statt seines neuen E-Autos präsentierte VW die Neuauflage des Golfs.

Unterschiedliche Strategien

"Die deutschen Hersteller leben in China vor allem von ihrem guten traditionellen Markenimage," sagt die Auto-Bloggerin und Messebesucherin Wang Kexin. "Die chinesischen Marken dagegen probieren Neues aus, um junge Kundschaft anzusprechen. Da geht’s vor allem um das Aussehen der Autos und um die Ausstattung mit Extras."

Die neuen E-Autos der deutschen Hersteller findet Wang klasse, sagt sie, ausgereift und top-verarbeitet. Aber: "Die sehen immer noch aus, wie normale Benziner. Zum Beispiel der Audi E-Tron. Die Bedienung und das Fahrgefühl sind wie bei einem traditionellen Audi."

Online-Funktionen und Sprachsteuerung

Tatsächlich wirken die E-Autos chinesischer Hersteller wie Nio, Xiaopeng oder BYD moderner als die deutschen - man könnte auch sagen: Sie wirken verspielter mit ihren zahlreichen Online-Funktionen und dem Fokus auf Sprachsteuerung und Vernetzung.

"Es geht in China längst nicht mehr nur darum, ob ein Auto zuverlässig ist oder nicht - es geht um die Extra-Erfahrung, die das Fahren mit dem Auto mit sich bringt", sagt der unabhängige Auto-Analyst Zhong Shi. "Es stellt sich hier tatsächlich die Frage, wie sich die deutschen Auto-Firmen neu positionieren können, um eine neue Generation von Kunden in China zu erreichen. Das ist eine große Herausforderung."

Automesse in Peking | Bildquelle: Steffen Wurzel
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In China sind vor allem digitale Zusatzfunktionen gefragt.

Interviews nur mit chinesischen Staatsmedien

Für VW soll das neue Elektroauto ID.4 den Aufbruch in eine neue Zeit in China bedeuten. Der Wagen ist bei der Messe in Peking allerdings nicht zu sehen. Volkswagen-China-Chef Wöllenstein vertröstet auf Ende Oktober. Dann soll das Auto im südchinesischen Shenzhen vorgestellt werden. Im Anschluss an die Präsentation gibt Wöllenstein chinesischen Staatsmedien mehrere Interviews.

Deutschen Journalistinnen und Journalisten will er keine Fragen beantworten. Gleiches gilt für BMW und Daimler. Zu groß ist offensichtlich die Angst vor kritischen Fragen zur Abhängigkeit der deutschen Autoindustrie von China und zu den Menschenrechtsverletzungen der kommunistischen Führung in Hongkong, in Xinjiang, in der Inneren Mongolei und Tibet.

Kritik von Menschenrechtsorganisationen

Nach wie vor sind alle deutschen Autokonzerne mit so genannten Joint Ventures in China aktiv, sie arbeiten also eng mit großen staatlichen Autokonzernen zusammen. Damit ziehen sie regelmäßig die Kritik von internationalen Menschenrechtsorganisationen auf sich.

Automesse Peking: Deutsche Hersteller werben mit Altbewährtem
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
28.09.2020 09:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete BR24 am 28. September 2020 um 10:39 Uhr.

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