Ein Mann betritt in Buenos Aires eine Wechselstube. | Bildquelle: dpa

Verschuldetes Argentinien Sorgen vor einer neuen Staatspleite

Stand: 13.08.2019 17:48 Uhr

Argentinien steht kurz vor einem Regierungswechsel - eine Veränderung, die der Finanzwelt Sorge bereitet. Politischer Wandel könnte den Peso schwächen - und das kann sich das Land nicht leisten.

Von Dorothee Holz, boerse.ARD.de

In Argentinien ist man vieles gewöhnt: schwere Krisen, zweistellige Inflationsraten, sogar eine Staatspleite. Aber was am Montag an den Finanzmärkten los war, gab es so noch nie. Der argentinische Leitindex Merval brach bis zum Handelsende um 38 Prozent ein. Der Peso hat gegenüber dem US-Dollar massiv an Wert verloren, fiel auf ein Rekordtief.

Auslöser war die Vorwahl-Schlappe von Präsident Mauricio Macri. Mit weitem Abstand gewann Macris Rivale Alberto Fernandez. Er könnte jetzt auch die Präsidentschaftswahlen im Oktober gewinnen. Damit hatte man nicht gerechnet.

"Die Finanzwelt ist nicht gut auf Argentinien zu sprechen"

Fernandez war Kabinettschef unter Ex-Präsidentin Christina de Kirchner. Während ihrer Regierungszeit stieg die Verschuldung des Landes dramatisch an. Gleichzeitig legte sie sich heftig mit Investoren an. 2014 wurde Argentinien sogar als "teilweise zahlungsunfähig" eingestuft.

Die Finanzwelt war sehr schlecht auf Argentinien zu sprechen, sagt Mauro Toldo von der Deka-Bank: "Die verschiedenen Regierungen seit 2011 haben viel geschadet. Die Institutionen wurden geschwächt, es gab sehr große Korruptionsvorwürfe. Es gab eine starke Einmischung des Staates in die privaten Geschäfte und Industrie. Das hat sich negativ ausgewirkt."

Argentiniens Präsident Macri hat zwar versucht, alles besser zu machen und die Verschuldung gesenkt. Aber auch er hat es nicht geschafft, die Wirtschaft wieder auf die Beine zu bringen. "Er hat versprochen, alle Probleme zu lösen - hat er aber nicht", sagt Lateinamerika-Experte Hans Humes von Greylock Capital im Bloomberg-TV-Interview.

Der argentinische Präsident Mauricio Macri. | Bildquelle: dpa
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Die herbe Schlappe bei der Vorwahl für Präsident Mauricio Macri hatte einen heftigen Kurssturz an der Börse zur Folge.

Hohe Arbeitslosigkeit und Inflation

Argentinien steckt seit einem Jahr in einer Rezession: Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen, die Inflationsrate lag in den vergangenen zwölf Monaten bei 40 Prozent. Aber immerhin hat Macri mit dem Internationalen Währungsfonds ein riesiges Darlehen ausgehandelt, über 57 Milliarden Dollar. Und er habe das Vertrauen der Investoren mühsam zurückgewonnen, heißt es.

Die Wahlschlappe hat das Vertrauen wieder zerstört. Es geht sogar die Angst vor einer neuen Staatspleite um, so Deka-Bank-Experte Toldo. Er spricht von einem ernstzunehmenden Risiko, weil die Verschuldung extrem hoch und zum Großteil in US-Dollar sei. "Bei einer Abwertung erhöht sich die Verschuldung, das bedeutet, das Land ist nicht mehr in der Lage seine Verschuldung zu bedienen. Wenn die Lage sich nicht langsam bessert oder wenn es nicht Signale für einen Investoren-freundlichen Kurs gibt, dann wird die Pleite unabwendbar sein", warnt Toldo.

Bevölkerung rechnet an Urne mit Macri ab

Das erklärt die fast panikartige Reaktion der Börse nach der Wahl. Denn Argentinien hat das Gros seiner Schulden in Dollar aufgenommen. Wenn jetzt der Peso gegenüber dem Dollar massiv an Wert verliert, wird die Schuldenlast immer drückender - so die Rechnung der Finanzmärkte.

Auf der anderen Seite steht aber die Bevölkerung, deren Einkommen unter Macri deutlich gesunken ist und die unter dem harten Sparkurs erheblich leidet. Die Rechnung wurde Macri jetzt an der Wahlurne präsentiert. Argentinien stehen bis zu den Präsidentschaftswahlen also äußerst turbulente Wochen bevor. Für das Land ist die Lage brandgefährlich.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. August 2019 um 09:38 Uhr.

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