Apple-Chef Tim Cook präsentiert das neue iPhone 11 | Bildquelle: REUTERS

Neue Apple-Produkte Evolution statt Revolution

Stand: 10.09.2019 22:30 Uhr

Der große Wurf blieb aus. Die Verbesserungen bei Apple liegen eher im Detail. Die Präsentation neuer Produkte zeigt: Apple hinkt der Konkurrenz aus China und Südkorea hinterher.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Die Verkaufszahlen des iPhones schwächeln. Apple-Chef Tim Cook hat vor Monaten damit begonnen, gegenzusteuern. Die Kalifornier produzieren jetzt TV-Serien und Talk-Shows, starten ab November eine eigene Streaming-Plattform zum Kampfpreis von knapp fünf Euro im Monat und bieten Zugriff auf ihre neue Spielplattform Arcade als monatliches Abo an.

Tim Cook bei der Präsentation neuer Apple-Produkte in Cupertino | Bildquelle: JOHN G MABANGLO/EPA-EFE/REX
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Apple-Chef Tim Cook mischte sich bei der Präsentation unter die Besucher.

Drei neue iPhones

Quasi ganz nebenbei stellte das Unternehmen an seinem Firmensitz in Cupertino sein neues iPhone 11 vor. Äußerlich unterscheidet sich das iPhone 11 von seiner Vorgängerversion nur wenig. Nur auf der Rückseite sind beim iPhone 11 Pro drei und nicht mehr nur zwei Kameras zu sehen.

Damit ist die Richtung klar: Die Kaufentscheidung fällt bei den Fotofähigkeiten. Apple will hier zu der Konkurrenz von Google, Samsung und Huawei aufschließen. Bislang lieferten die iPhones im Vergleich zum Galaxy S10 von Samsung oder dem Pixel 3 von Google bei schlechten Lichtverhältnissen ein deutlich höheres Bildrauschen.

Präsentation neuer Apple-Produkte in Cupertino | Bildquelle: AP
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Apple-Marketing-Chef Phil Schiller lobte die Kamera-Technik der neuen Modelle.

Dieser Makel soll mit der neuen Generation nun der Vergangenheit angehören. Zum einen hilft eine stärkere Rechenpower dabei, zum anderen setzt Apple künstliche Intelligenz ein, die mehrere Fotos zu einem hochqualitativen Bild zusammensetzen. "Deep Fusion" nennt Apple-Marketing Chef Phil Schiller diese Funktion.

Neuer A13-Prozessor

Eine andere wichtige Neuerung: Die Geräte haben einen neuen Prozessor bekommen. Die CPU hat Apple selbst entwickelt und trägt den Namen Bionic A13. Sie hilft unter anderem Batterie zu sparen, weil die einzelnen Kerne weniger Strom verbrauchen. Apple verkündete, dass sich dadurch die Batterielaufzeit im iPhone 11 Max um bis zu fünf Stunden erhöht habe. Unabhängige Tests liegen dazu aber noch nicht vor. 

Was fehlt: 5G

Was allerdings unter der Haube fehlt, ist die Unterstützung für den super schnellen Mobilfunkstandard 5G. Hier sind Huawei aus China und Samsung aus Südkorea der kalifornischen Konkurrenz mindestens ein Jahr voraus. Erst vergangene Woche haben sie auf der Internationalen Funkausstellung IFA Telefone vorgestellt, die den neuen Standard bereits unterstützen.

Bei Apple wartet man da lieber ab - zumal in vielen Ballungszentren der Welt 5G nicht genutzt werden kann, weil die meisten Mobilfunkunternehmen noch gar keine Antennen für den Dienst aufgestellt haben. Hinzu kommt: Erst vor wenigen Wochen hatte Apple die Modem-Sparte von Intel aufgekauft, die vor allem in Deutschland sitzt. Das Unternehmen will anscheinend die Entwicklung der begehrten 5G Chips selbst in die Hand nehmen, auch, um sich aus der Abhängigkeit von Qualcomm und asiatischen Anbietern zu lösen. Das allerdings kostet Zeit. Kein Wunder also, dass man sich beim Thema 5G noch zurückhält.

Auch wenn die älteren Smartphones erneut im Preis gesenkt wurden, die Preise für die Smartphones aus Kalifornien bleiben nach wie vor gesalzen. Das Spitzenmodell wird mit 512 Gigabyte Speicher 1649 Euro kosten. 

Fünfte Generation der Apple Watch

Neue iWatch von Apple | Bildquelle: JOHN G MABANGLO/EPA-EFE/REX
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Auch von der iWatch gibt es eine neue Version. Das Display bleibt erstmals immer an.

Ein großer Erfolg ist für das Unternehmen seine Apple Watch. Sie hat sich seit dem Erscheinen vor vier Jahren zu einem Verkaufsschlager entwickelt. Bei der heutigen Produktvorstellung hat sie den iPhones fast etwas die Schau gestohlen. Die Batterie der nunmehr fünften Gerätegeneration soll nun länger halten, von 18 Stunden war die Rede.

Ermöglicht wird das durch ein neues stromsparendes Display. Diese Einsparung ermöglicht es, dass die Uhr ihr Display nun nicht mehr ausschaltet. Die Uhr verfügt nun auch über einen Kompass. Die Notruffunktion ist in allen Ländern aktiviert. Erstmals gibt es Gehäuse aus Titan und wieder auch aus Keramik. Die neuen Uhren sind ebenfalls ab 20. September auf den Markt.

Und das Fazit?

Gemischte Gefühle - das neue iPhone 11 Pro ist eigentlich nur etwas für ambitionierte Smartphone-Fotografen. Der Umstieg vom iPhone X oder den anderen Modellen dürfte sich so richtig wahrscheinlich erst im nächsten Jahr lohnen, wenn Apple dann vermutlich auch den neuen 5G Mobilfunkstandard unterstützt.

Apple stellt iPhone 11 vor
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
10.09.2019 22:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. September 2019 um 07:37 Uhr.

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