Marketing-Vizepräsident Phil Schiller bei der Präsentation neuer Apple-Produkte | Bildquelle: AP

Neue Apple-Produkte Eher weniger als mehr

Stand: 12.09.2018 22:05 Uhr

Apple hat zur Präsentation seiner neuen Produkte geladen - früher einer der wichtigsten Termine für Technikfans. Doch diesmal gab es statt innovativer Meilensteine nur vorsichtige Produktpflege.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Wenn Apple nach Cupertino einlädt, dann lässt das iPhone-Unternehmen Blogger und Journalisten aus der ganzen Welt einfliegen. Sie alle sollen dafür sorgen, dass sich die Nachrichten über die neuen Geräte schnell verbreiten.

In diesem Herbst hat der Konzern allerdings auf ganzer Linie enttäuscht. Apple geht auf Nummer sicher und stellt eine vorhersehbare Fortentwicklung seines iPhone X vor. Die Veranstaltung am kalifornischen Firmensitz war weitgehend frei von Innovationen.

Das Ende des Home-Buttons

Apple stülpt das Design seines im vergangenen Jahr vorgestellten iPhone X über alle neuen Gerätegenerationen. Der Home-Button, der seit das erste iPhone im Juni 2007 auf den Markt kam, zu dem Telefon gehörte, ist nun Geschichte. Er wird durch Gesichtserkennungssensoren am oberen Rand ersetzt.

Dass sich die neuen Geräte nur wenig vom bisherigen iPhone X unterscheiden, zeigt sich beim Namen. Der bleibt gleich. Es kommt lediglich ein Buchstabe hinzu. Das iPhone XS ist eine technische Weiterentwicklung des Geräts aus dem Vorjahr. Das iPhone XS Max erhält ein deutlich größeres Display. Es hat jetzt einen Durchmesser von 16,5 Zentimetern - nichts für Leute mit kleinen Händen.

Jeff Williams bei der Präsentation neuer Apple-Produkte | Bildquelle: AFP
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Ein bisschen größer und mit Herzsensor: die neuen Appple Watches.

Etwas schnellerer Prozessor, neue Kamera

Beiden Geräten ist gemein, dass ihnen Apple mit dem A12 Bionic einen neuen Sechs-Kern-Prozessor spendiert hat. Die eingebaute Kamera erhält eine Blendenfunktion, die es bislang nur in Fotoapparaten gibt: So soll sich die Schärfentiefe individuell beim Fotografieren verstellen lassen. Neue Bildsensoren sollen die Qualität der Foto- und Videoaufnahmen verbessern.

SIM-Karte wird abgelöst

Die Akkulaufzeit der beiden neuen Geräte wurde um eine halbe beziehungsweise eine Stunde verlängert. Die neuen teureren Modelle bekommen als erste iPhones eine zusätzliche fest eingebaute eSIM-Karte, die auf Netze verschiedener Betreiber umprogrammiert werden kann.

Das Gerät mit dem Zusatz R will Apple als Einstiegsmodell positionieren. Das Display hat einen Durchmesser von 15,5 Zentimetern. Unterschied zu den beiden anderen Modellen: Das Gehäuse ist aus Aluminium und nicht aus Edelstahl. Der Bildschirm besteht aus LCDs anstelle der hochauflösenden OLEDs, die in den teureren Modellen verbaut sind.

Im Gegensatz zu den teureren Modellen ist außerdem nur eine Zwölf-Megapixel-Kameralinse verbaut. Zum Trost: Apple hat seinen jüngsten A12 Bionic-Prozessor auch in das Einstiegsmodell eingebaut.

Jeff Williams bei der Präsentation neuer Apple-Produkte | Bildquelle: AP
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Die Preise für die Geräte sollen weitgehend stabil bleiben.

Apple Watch hört aufs Herz

Für die einen ist die Apple Watch die hässlichste Smart Watch der Welt, für andere die größte Erfindung seit der analogen Armbanduhr. Bemerkenswert: Die Uhr ist die meistverkaufte Smart Watch der Welt. Die jetzt vorgestellte vierte Geräteserie ist - ebenso wie die Telefone - gewachsen.

Die bisherigen Displays sind um jeweils zwei Millimeter größer geworden. Das soll den Bildschirm um bis zu 35 Prozent vergrößern. Das Unternehmen baut in die Uhren einen 64-bit-Prozessor ein, der sie gut doppelt so schnell machen soll.

Bei der Akkulaufzeit, gerade bei den Apple-Uhren ein neuralgischer Punkt, ändert sich nichts. Sie liegt weiterhin bei 18 Stunden. Wer allerdings GPS und die anderen Sensoren beim Sport benutzt, dürfte vermutlich nur auf fünf bis sechs Stunden Batterielaufzeit kommen.

Die vielleicht einzige wirkliche Innovation bei der Produktvorstellung ist eine integrierte EKG-Funktion: Sie soll die elektrische Aktivität des Herzmuskels für 30 Sekunden aufzeichnen und bei Herzrhythmus-Störungen den Nutzer informieren. Ob die neue Funktion wirklich sinnvoll ist und wie genau sie über gefährliche Störungen des Herzens informiert, wird sich erst noch zeigen müssen. Das Unternehmen verwies stolz darauf, dass die amerikanische Arzneimittelbehörde diese Funktion zugelassen habe.

Wenigstens wird es nicht teurer

Wer sich das Apple-Event angesehen hat, dürfte eher enttäuscht sein. Apple passt lediglich sein Smartphone-Lineup an das Vorjahresmodell an. Unter der Haube sind die Veränderungen eher marginal geblieben. Was hartgesottene Apple-Fans allerdings freuen dürfte: Der Konzern hat die Preise für seine neuen Telefone moderat angehoben. 

Apple-Präsentation 2018
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
13.09.2018 08:16 Uhr

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