Adidas-Shop in Frankfurt am Main | Bildquelle: REUTERS

Debatte um Gewerbemieten Adidas verteidigt sich

Stand: 29.03.2020 19:53 Uhr

Wegen der Corona-Krise hat Adidas angekündigt, Mietzahlungen für seine Filialen im April auszusetzen - und erntet dafür massive Kritik aus der Politik. Doch der Sportartikelhersteller verteidigt sich.

Als eines der ersten deutschen Unternehmen hatte der Sportartikelhersteller Adidas angekündigt, wegen der Corona-Krise Mietzahlungen für geschlossene Shops vorläufig einzustellen. H&M und Deichmann kündigten ähnliche Schritte an.

Bei deutschen Politikern sorgt das für große Empörung. Arbeitsminister Hubertus Heil bezeichnete das Verhalten von Adidas als unverantwortlich. Der Konzern habe in den vergangenen Jahren hohe Gewinne erzielt. "Jetzt müssen alle die Krise gemeinsam schultern (...) Alle sind gefordert, sich nicht wegzuducken."

Und Justizministerin Christine Lambrecht sagte: "Wenn jetzt finanzstarke Unternehmen einfach ihre Mieten nicht mehr zahlen, ist dies unanständig und nicht akzeptabel".

"Es geht lediglich um eine Stundung"

Adidas allerdings sieht sich zu Unrecht angegangen. "Es geht uns nicht darum, die Miete für den April nicht zu bezahlen. Es geht lediglich um eine Stundung", sagt Unternehmenssprecher Jan Runau gegenüber tagesschau.de. Adidas sei dazu mit den betreffenden Vermietern in engem Austausch.

"Unsere Vermieter, große Immobilienvermarkter und Versicherungsfonds, haben für diese Maßnahme überwiegend Verständnis gezeigt. Privatpersonen, vier an der Zahl, sind von dieser Stundung ausgenommen und erhalten Ihre April-Miete wie gewohnt", so Runau.

Laut Unternehmenschef Kasper Rorsted kann Adidas derzeit weltweit nur in drei Ländern normal seinem Geschäft nachgehen: "Damit wurde auf einen Schlag fast unser gesamter Vertrieb eingestellt; wir erwirtschaften, wenn man den Onlinehandel abzieht, normalerweise 60 Prozent unseres Umsatzes in diesen Märkten, der ist einfach weg", sagte er der FAZ.

Kurzarbeit wird beantragt

Rorsted kündigte an, dass Adidas diese Woche Kurzarbeit für Produktion, Lager sowie Mitarbeiter in den selbst betriebenen Läden beantragen werde.

Für den Fall wochenlanger Einschränkungen sagte der Unternehmenschef: "Das wird zu massiven wirtschaftlichen Verwerfungen führen, deutlich schlimmer als in der Finanzkrise 2008/2009."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. März 2020 um 19:00 Uhr in den Nachrichten.

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