Angela Merkel | Bildquelle: dpa

Merkel zur Corona-Krise "Wir müssen Zeit gewinnen"

Stand: 11.03.2020 12:44 Uhr

Erstmals hat sich Bundeskanzlerin Merkel ausführlich zur Corona-Krise geäußert. Sie betonte, oberstes Ziel sei es, die Ausbreitung zu verlangsamen. Nur so könne eine Überlastung des Gesundheitssystem verhindert werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es in der Coronakrise als zentrale Aufgabe bezeichnet, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Wichtig sei es, Zeit zu gewinnen. Das Vorgehen im Kampf gegen das Virus müsse davon bestimmt sein, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.

"Das Virus ist in Europa angelangt, es ist da. Das müssen wir alle verstehen", sagte Merkel in Berlin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und dem Chef des Robert Koch-Institus, Lothar Wieler.

Ja, räumte die Kanzlerin ein, die Ratschläge zum Umgang mit dem Virus veränderten sich regelmäßig. Aber das liege in der Natur der Sache: dem fortschreitendem Erkenntnisstand. Derzeit gebe es noch keine Therapie und keinen Impfstoff. Und angesichts der Prognose von Experten, dass langfristig 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infiziert würden, sei es umso wichtiger, die Ausbreitung so lange wie möglich zu verzögern.

Coronavirus in Deutschland: Merkel und Spahn stimmen auf weitere Einschränkungen im Alltag ein
tagesschau 16:00 Uhr, 11.03.2020, Kristin Schwietzer, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

"Eben nicht egal, was wir tun"

"Es ist eben nicht egal, was wir tun. Es ist nicht vergeblich. Es ist nicht umsonst", sagte Merkel. Es gehe um den Schutz der älteren Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen, bei denen Infektionen einen schwereren Verlauf haben können.

Die Ausmaße der Corona-Krise seien noch nicht absehbar, warnte Merkel. Noch sei unbekannt, was für Immunitäten in der Bevölkerung aufgebaut werden. Im Vergleich zur Finanzkrise 2008 gelte: "Wir müssen mit viel mehr Unbekannten noch agieren, deshalb ist die Situation schon noch eine andere."

Solidarität mit Italien

Merkel informierte auch über die Video-Konferenz des Europäischen Rats vom Vorabend. Sie betonte, es gehe nicht darum, sich in Europa voneinander abzuschotten. Vielmehr müsse nun gemeinsam gegen die Ausbreitung des Virus vorgegangen werden. Die Staats- und Regierungschefs der EU hätten vereinbart, sowohl die Beihilferegeln wie auch den Stabilitäts- und Wachstumspakt der Eurozone flexibel zu halten. "Wir sagen Italien selbstverständlich nicht, dass es nicht in sein Gesundheitssystem investieren kann", sagte Merkel mit Verweis auf die Schuldenregel. Jedes europäische Land müsse nun seinen Beitrag leisten.

Der italienischen Bevölkerung wünschte Merkel Kraft für die kommenden Tage und Wochen. Dort gehe die Regierung derzeit hart vor, das sei aber nötig. Sie hoffe, das die strengen Maßnahmen "eine Wende zum Besseren bringen".

Das Virus gehe auch an der Wirtschaft nicht spurlos vorbei, sagte Merkel. Die Bundesregierung habe daher schnell gehandelt. Sie werde noch in dieser Woche Liquiditätshilfen für Unternehmen bereitstellen, insbesondere über die staatliche Förderbank KfW. Auch die Finanzierung des am Dienstag von der EU-Kommission angekündigten 25-Milliarden-Pakets zur Bekämpfung des Coronavirus werde an Deutschland nicht scheitern.

Zudem zeigte sich Merkel offen für eine Abkehr von der Schwarzen Null in der Haushaltspolitik. Ihre Priorität liege auf der Bekämpfung des Virus. Erst "am Ende" werde geschaut, "was bedeutet das für unseren Haushalt", sagte sie. Mehreren Ökonomen hatten in einem Strategiepapier eine Abkehr der strikten Sparpolitik gefordert.

Eindämmung von Corona im Modell
galerie

Die Kanzlerin hat an Politik und Bevölkerung appelliert, alles für den Schutz gegen das Coronavirus zu tun - und das hat einen Grund: Denn wenn die Zahl der Infizierten eklatant steigen würde, käme es zu einer Überlastung der Krankenhäuser in Deutschland.

Die Bürgerinnen und Bürger bat Merkel um Unterstützung im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. "Da sind unsere Solidarität, unsere Vernunft, unser Herz füreinander schon auf eine Probe gestellt, von der ich mir wünsche, dass wir diese Probe auch bestehen."

Spahn: Wir werden verzichten müssen

Auch Gesundheitsminister Spahn sagte, oberstes Ziel bleibe es, die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Er appellierte an die Bevölkerung, bei privaten Aktivitäten zum Verzicht bereit zu sein. Er verstehe, dass beispielsweise Fußballfans das Herz blute, wenn sie Spiele nicht im Stadion verfolgen könnten. Aber im Sinne des Schutzes der Allgemeinheit sei dies nicht vermeidbar.

In diesem Zusammenhang betonte Spahn, dass die Empfehlung zur Absage von Großveranstaltungen kein Freifahrtschein für kleinere Veranstaltungen sei. Das heiße nicht, "dass alles unter 1000 Teilnehmern per se stattfinden sollte", sagte Spahn. Es müsse auch da mit Augenmaß entschieden werden. Die Tanzveranstaltung und das Rockkonzert seien etwas anderes als eine Semesterprüfung an der Universität, bei der die Teilnehmer weit auseinander säßen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Jens Spahn und Lothar Wieler, dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts | Bildquelle: AP
galerie

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Jens Spahn und Lothar Wieler (l.), dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts.

RKI-Chef Wieler betonte, es sei wichtig im Kampf gegen das Coronavirus systematisch vorzugehen. Auch hierzulande würden die Fallzahlen noch steigen: "Natürlich werden auch bei uns noch mehr Menschen sterben."

Beratungen mit Arbeitgebern

Am Freitagabend will Merkel will mit Arbeitgebern und Gewerkschaften über weitere Maßnahmen gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise beraten. An dem Treffen sollen auch Arbeitsminister Hubertus Heil und Finanzminister Olaf Scholz teilnehmen. Das Bundeskabinett hatte am Dienstag ein Gesetz auf den Weg gebracht, das eine massive Ausweitung der Kurzarbeit vorsieht.

Immer mehr Bundesländer befolgen inzwischen die Empfehlung des Krisenstabs, Großveranstaltungen abzusagen und Versammlungen einzuschränken. So wird die Bundesligapartie zwischen Union Berlin und Bayern München am Samstagabend nach Angaben der Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci nun doch ohne Zuschauer stattfinden. Auch Frankfurt wird gegen Mönchengladbach in einem leeren Stadion spielen.

Die Kultusminister der Bundesländer wollen sich bei ihrer Sitzung am Donnerstag und Freitag auf eine bundesweite Notfallstrategie für die Abiturprüfungen verständigen. Es werde darüber beraten, wie das Abitur "unter diesen Bedingungen stattfinden kann", sagte KMK-Präsidentin Stefanie Hubig den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Von den Notfallplanungen betroffen seien sowohl die schriftlichen Prüfungen als auch das mündliche Abitur.

Coronakrise - Wirtschaftswissenschaftler fordern Notfallfonds für betroffene Firmen
tagesschau 12:00 Uhr, 11.03.2020, Griet von Petersdorff, RBB

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Mehr als 1200 Infektionen

Zuvor hatte die Bundespolizei bereits angekündigt, ihre Kontrollen an den Grenzen verstärken. So soll eine weitere Verbreitung des Virus verlangsamt werden. Der Krisenstab der Bundesregierung teilte mit, die Polizei werde die Kontrollen "insbesondere an den Südgrenzen noch einmal intensivieren".

Laut Robert Koch Institut haben sich bislang knapp 1300 Menschen in Deutschland mit dem Virus angesteckt. Die amerikanische John-Hopkins University zählt dagegen mehr als 1600 Infektionen. In Deutschland gibt es bislang drei Tote durch die Krankheit. In Italien - dem am stärksten betroffenen Land in Europa - infizierten sich mehr als 10.000 Menschen von denen etwa 630 verstarben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. März 2020 um 12:00 Uhr.

Darstellung: