Schülerinnen und Schüler waschen sich die Hände | AFP

Corona-Impfstoff WHO warnt vor ungerechter Verteilung

Stand: 04.12.2020 19:34 Uhr

Die WHO hat vor einer Benachteiligung armer Menschen bei der Verteilung von Corona-Impfstoffen gewarnt. Es handle sich um eine globale Krise, in der ein Impfstoff wie ein "öffentliches Gut" geteilt werden müsse.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Es war eine eindringliche Botschaft, die der Chef der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Ghebreyesus, für das Sondertreffen der UN-Vollversammlung hatte: "Wir können keine Welt akzeptieren, in der beim Ansturm auf einen Impfstoff die armen, schwachen Länder von den Reichen und Mächtigen niedergetrampelt werden. Das ist eine globale Krise, und die Lösungen dafür müssen als weltweites öffentliches Gut behandelt werden und nicht als Privatgut, das die Ungleichheit weiter verstärkt."

Tedros Ghebreyesus | picture alliance/AP Photo

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte vor einer Vergrößerung der Kluft zwischen Arm und Reich. Einige Länder hätten zusätzlich zur Pandemie mit anderen Problemen zu kämpfen. Bild: picture alliance/AP Photo

Eine Ungleichheit, die durch die Krise ohnehin wieder größer geworden ist, betonte der Chef des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, Achim Steiner. Durch die Corona-Pandemie könnten bis 2030 mehr als eine Milliarde Menschen unter extremer Armut leiden.

"Im Augenblick kämpfen bereits Hunderte Millionen Menschen ums Überleben. Wollen wir wirklich warten, bis die Wall Street oder andere Finanzmärkte Angst bekommen? Oder sind wir als internationale Gemeinschaft in der Lage, eine Antwort auf die Krise zu finden, indem wir zusammenarbeiten, wie es der UN-Generalsekretär immer wieder gefordert hat", so Steiner.

23,9 Milliarden Dollar fehlen

Das gelte auch für die weltweite Verteilung von Schutzausrüstung, Medikamenten und vor allem eines Impfstoffs, sagte WHO-Chef Ghebreyesus. Die Vereinten Nationen haben dazu das Programm ACT Accelerator und die Impfstoff-Allianz COVAX ins Leben gerufen:

"Aber wenn diese Programme nicht ausreichend finanziert werden, sind sie nicht mehr als eine großmütige Geste. Kurzfristig fehlten 4,3 Milliarden US-Dollar, im kommenden Jahr noch einmal 23,9 Milliarden. Das ist nicht mal ein Prozent der 11-Billionen-Dollar-Konjukturpakete, die die G20-Staaten bis jetzt verabschiedet haben."

Frustriert über die Staatengemeinschaft

UN-Generalsekretär António Guterres hatte am ersten Tag des Sondertreffens keinen Hehl daraus gemacht, dass er frustriert ist über die Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft auf die Pandemie. Mehr als 1,5 Millionen Tote und über 60 Millionen Erkrankte seien das Ergebnis.

Doch das Virus habe nicht überall gleich schlimm gewütet, betonte WHO-Chef Ghebreyesus: "Viele Länder haben es geschafft, die Verbreitung des Virus durch funktionierende öffentliche Gesundheitssysteme einzudämmen. Aber wo statt Wissenschaft Verschwörungstheorien vorherrschen, wo Solidarität durch Spaltung untergraben wird und Eigeninteressen über Opferbereitschaft stehen, gewinnt das Virus und verbreitet sich weiter."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Dezember 2020 um 20:00 Uhr.