Frauen stehen Schlange, um in einem Wahllokal in Herat in Afghanistan ihre Stimme abzugeben. | Bildquelle: AFP

Afghanistan Eine lebensgefährliche Wahl

Stand: 28.09.2019 12:52 Uhr

Die Präsidentschaftswahl in Afghanistan ist von Gewalt durch die Taliban überschattet worden. Es gab mehrere Todesopfer, 30 Prozent der Wahllokale mussten geschlossen bleiben.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

In einigen Wahllokalen haben die Taliban ihre Drohungen wahrgemacht: Es gab mehrere Explosionen im Land. Im Osten, in Nangahar, explodierte eine Mine. In der Provinzhauptstadt Kundus wurde ein Wahlbeobachter getötet, als eine Rakete einschlug. Im Süden des Landes, in Kandahar, explodierte in einer Moschee eine Bombe, die in einem Lautsprecher versteckt war.

Zahl der Opfer bleibt unklar

Moscheen und Schulen wurden zu Wahllokalen umfunktioniert. Wie viele Tote und Verletzte es tatsächlich gibt, ist unklar. Journalisten im Land erzählten der Denkfabrik Afghan Analysts Network, dass die Wahlkommission heute keine Informationen zu Zwischenfällen rausgeben will. Auch die Regierung übe indirekt Druck auf die Medien aus, nicht über Attacken oder Explosionen zu berichten, solange die Wahllokale noch geöffnet haben. Um die Wähler nicht noch mehr zu verunsichern.

Massives Aufgebot von Sicherheitskräften

Die meisten wissen ohnehin, dass sie heute bei den Wahlen ihr Leben riskieren und gehen trotzdem hin. Vor dem Wahllokal ist Abdul Qadir erst an Soldaten der Armee vorbei gegangen, dann an Geheimdienstleuten und der Polizei. Er gibt sich gelassen, als er der Nachrichtenagentur AP ein kurzes Interview gibt. "Also hier ist alles ruhig", sagt er, "die Sicherheitskräfte haben das im Griff und durchsuchen jeden, der ins Wahllokal reingeht."

Mehr als 70.000 Polizisten und Soldaten sollen heute im Einsatz sein, weitere 30.000 in Bereitschaft, um die Wahlen abzusichern. Denn die Taliban haben angekündigt, dass jeder, der sich an der Wahl beteilige, zur Zielscheibe werde. Fast ein Drittel der Wahllokale bleibt geschlossen, weil die Gebiete von den Taliban kontrolliert oder beeinflusst werden und Anschläge befürchtet werden. 

Peter Gerhardt, ARD Neu-Delhi, zur Präsidentenwahl in Afghanistan
tagesschau24 14:00 Uhr, 28.09.2019

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Wahlkampfthema Frauenrechte

In Herat, im Westen des Landes, stehen Frauen im Schatten in einer langen Schlange an. Im Wahllokal geben sie ihre Fingerabdrücke in ein mobiles Gerät und werden fotografiert. Mit den biometrischen Daten soll verhindert werden, dass Wahlzettel gefälscht werden. Bislang hat es nämlich noch keine Wahl in Afghanistan gegeben, bei der nicht betrogen wurde. Und dennoch wollen vor allem afghanische Frauen heute von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen, Maryam Ghulami aus Herat sagt der Nachrichtenagentur Reuters: "Ich möchte, dass unser zukünftiger Präsident sich vor allem um die Rechte der Frauen hier im Land kümmert und natürlich auch um Frieden und Sicherheit."

Wahl Afghanistan Ghani gibt Stimme ab | Bildquelle: JAWAD JALALI/EPA-EFE/REX
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Der amtierende Präsident Aschraf Ghani bei der Stimmabgabe. Er gilt als Favorit.

Wahl Afghanistan Stimmabgabe Abdullah | Bildquelle: AP
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Gilt als aussichtsreichster Herausforderer: Regierungschef Abdullah Abdullah.

Das waren auch die wichtigsten Themen im Wahlkampf. Der amtierende Präsident Ashraf Ghani tritt erneut zur Wahl an und gilt auch als einer der Favoriten. Als Ghani seine Stimme abgab, sagte er. "Frieden schaffen, ist das Wichtigste für unsere Nation. Und diese Wahlen schaffen die Grundlage dafür."

Präsidentenwahl in Afghanistan
tagesschau 17:00 Uhr, 28.09.2019, Markus Reher, ARD Neu Delhi

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Niedrige Wahlbeteiligung erwartet

Das sehen nicht alle so im Land. Politikexperten wie Ahmad Saeedi hätten die Wahlen am liebsten ein weiteres Mal verschoben. "Wir wollen natürlich eine Demokratie in unserem Land, aber dafür brauchen wir Frieden, damit wir nicht Angst haben müssen, bei der Stimmabgabe umgebracht zu werden. Wir wollen eine Demokratie für die Lebenden, nicht für die Gräber."

Fast zehn Millionen Menschen haben sich für die Wahlen registrieren lassen. Noch ist nicht klar, wie viele von ihnen sich auch zu den Wahllokalen getraut haben.

Wahltag in Afghanistan
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
28.09.2019 11:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 28. September 2019 um 12:07 Uhr.

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