Vor dem Verwaltungsgebäude in Virginia Beach legen Menschen Blumen nieder. | Bildquelle: REUTERS

Schießerei in Virginia Beach Die Suche nach dem Tatmotiv

Stand: 01.06.2019 21:10 Uhr

In Virginia Beach hat ein Schütze zwölf Menschen getötet, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Während die Ermittler nach dem Motiv suchen, werden erneut Forderungen nach schärferen Waffengesetzen laut.

Nach dem Massaker im US-Ostküstenort Virginia Beach mit 13 Toten ist das Motiv des Schützen weiter unklar. In Medienberichten wurde vermutet, dass er aus Frust über seine Entlassung die Nerven verloren haben könnte. Dafür gab es jedoch keine offizielle Bestätigung.

Nach bisherigen Erkenntnissen hatte ein städtischer Angestellter in einem Gebäude der Stadtverwaltung das Feuer eröffnet. Zwölf Menschen wurden getötet, davon waren elf offenbar Kollegen des Schützen. Nach einem langen Schusswechsel hätten Polizisten schließlich den bewaffneten Einzeltäter erschossen, sagte der örtliche Polizeichef Jim Cervera.

Wieder Diskussion über Waffengesetze

Vier Menschen wurden verletzt, drei befanden sich am Samstag noch mit schweren Verletzungen auf der Intensivstation, sagte der Chefarzt der Klinik, Martin O'Grady. Der Täter sei seit langem bei der Stadt angestellt gewesen. Bürgermeister Bobby Dyer sagte: "Das ist der verheerendste Tag in der Geschichte von Virginia Beach."

Die Tat hat in den USA eine erneute Debatte über strengere Waffengesetze losgetreten. Der Parteivorsitzende der Demokraten, Tom Perez, sagte bei CNN: "Wir können etwas dagegen tun." Der Waffenlobby-Organisation NRA müsse der Kampf angesagt werden. Sein Parteikollege, der New Yorker Abgeordnete Gregory Meeks, sagte bei dem Sender: "Es ist immer dasselbe. Wir halten eine Gedenkminute, und danach passiert nichts." Es gebe diverse abstimmungsreife Gesetzesvorlagen. Die NRA müsse die Frage beantworten, warum gesunder Menschenverstand nicht siegen könne.

Die Gegend um die Stadtverwaltung von Virginia Beach wurde abgesperrt. | Bildquelle: AP
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Die Gegend um die Stadtverwaltung von Virginia Beach wurde abgesperrt.

Polizeichef Cervera sagte, der Täter sei am Freitagnachmittag in den Verwaltungskomplex der 450.000-Einwohner-Stadt am Atlantik eingedrungen und habe mit seiner großkalibrigen Handfeuerwaffe wahllos auf Menschen in allen drei Stockwerken des Gebäudes geschossen. Er sei mit mehreren übergroßen Magazinen ausgerüstet gewesen. Als Polizisten eintrafen, habe der Schütze auch auf sie geschossen. Ein Polizist sei getroffen worden, seine Schutzweste habe ihm das Leben gerettet.

Täter soll Einzelgänger gewesen sein

CNN berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass es sich bei dem Schützen um einen 40-jährigen Mann handele. Nachbarn beschrieben ihn demnach als Einzelgänger. Cervera sagte, die Ermittler untersuchten einen Tatort, der "am besten als Kriegsgebiet" beschrieben werden könne.

Eine städtische Angestellte, die sich bei dem Angriff im Gebäude aufhielt, sagte einem Lokalsender, sie habe Schreie und Schüsse gehört und den Notruf angerufen. "Wir haben uns im Büro verbarrikadiert." Sie und ihre Kollegen hätten die Tür mit einem Schreibtisch blockiert. "Wir haben nur gehofft, dass es bald vorbei sein wird." Die Frau fügte hinzu: "Ich weiß nicht, was für ein Mensch so etwas tun würde." Anwohner fanden sich zu einer spontanen Andacht in der Nähe des Tatorts zusammen.

In Amerika kommt es auch wegen der liberalen Waffengesetze immer wieder zu tödlichen Angriffen, bei denen Täter wahllos auf Menschen schießen. So hatte im Oktober 2017 ein Mann in Las Vegas das Feuer auf ein Musikfestival eröffnet und 59 Menschen getötet. Im Juni 2016 hatte ein Mann in Orlando 49 Besucher eines Schwulenclubs erschossen.

"Das kann so nicht weitergehen"

Bemühungen von Organisationen, strengere Waffengesetze zu erkämpfen, scheitern am Widerstand vor allem konservativer Politiker und der Waffenlobbyorganisation NRA. Präsident Donald Trump hatte bei einer NRA-Veranstaltung im April betont, seine Republikaner seien die Partei, die das Recht auf Waffenbesitz schütze. Er versprach den Waffenlobbyisten, das von Konservativen auf die US-Verfassung zurückgeführte Recht auf Waffenbesitz nicht anzutasten.

Der Fraktionschef der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, nannte das Massaker im Bundesstaat Virginia am Freitag "eine weitere furchtbare Tragödie", die daran erinnere, dass Waffengewalt in den USA angesprochen werden müsse. "Das kann nicht weitergehen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Juni 2019 um 20:00 Uhr.

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